Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Trump oder die Schockwelle

Liebe Leserinnen und Leser, ich gestehe es Ihnen: die vergangene Präsidentenwahl in den USA war anders. War für mich ausnahmsweise mal interessant. Und der Ausgang hat mich überrascht. Welche Auswirkungen das haben wird ? Wir werden sehen, ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, wohin die Reise mit Mr. Trump gehen wird. Dennoch bin ich mir über ein paar andere Dinge sicher. Bitte lesen Sie weiter…

hutGerne lästere ich über die massive, politische Schlagseite der Bundeszentrale für politische Bildung und der diversen diesbezüglichen Landeszentralen. Dennoch habe ich mir im Vorfeld der gerade abgelaufenen US-Präsidentenwahlen ein Heft bei der BpB-Medienstelle in Berlin geholt und auch durchgelesen. Über das „politische System der USA“ sollte es da gehen. Na, wie nicht anders zu erwarten, war der informative Gehalt eher begrenzt, während die Meinungsmache deutlich überwog. Dennoch finden ja auch blinde Hühner ab und an mal „ein Korn“ und so waren da einige bedenkenswerte Dinge drin zu finden, die ich hoffentlich in meine Überlegungen zum Wahlsieg Donald Trumps miteinbeziehen kann. Immerhin hatte ich an mich selbst den Anspruch, mich erstmal zu informieren, bevor ich mir eine Meinung zu der Schlammschlacht und ihrem Ausgang mache. Anders als all die Politschranzen hierzulande und die ihnen hörigen Umfrage-Institute. Anders als die Hetzmedien in Europa und Nordamerika. Schauen wir mal, wie ich mir das also zurechtlege:

Angesichts des heftigen Gegenwindes, den die Kandidatur Donald Trumps für das Amt des Präsidenten der USA entgegenschlug, national wie international, ist es wohl am einfachsten, sich zu fragen „gegen wen hat Trump gewonnen ?“ Wie sahen die Gegenkräfte aus, die einen Unternehmer, einen relativ unabhängigen Geist um keinen Preis an den Schalthebeln der Macht sehen wollten ?

Trump gewann, meines Erachtens nach,…

  • gegen die Republikaner. Zunächst und vor allem gegen die „eigene“ Partei. Deren Establishment, deren Funktionäre und Alteingesessene empfanden und empfinden Trump als „Außenseiter“. Je mehr er sich mit umstrittenen Äußerungen selbst der Kritik aussetzte, umso mehr wurde aus dem Außenseiter gar ein Hassobjekt. Nicht so sehr für die republikanische Basis, der Trump sich aber auch nicht anbiederte (worauf ich gleich noch kommen werde), sondern mehr für die Sesselpuper und allmächtigen Strippenzieher im Parteiapparat, die immer genau wissen, wie Politik und wie Wahlkämpfe laufen müssen. Und so ganz Unrecht hatten sie mit dem „Fremdeln“ auch nicht. Denn, machen wir uns nichts vor, Trump ist mehr oder minder ein Unabhängiger, der unter der Flagge der Republikaner segelte. Es ist also kein Wunder, dass die Granden der Republikaner lieber Ted Cruz oder Jeb Bush unterstützt hätten. Zumal Trump bis vor wenigen Jahren auch noch „super dicke“ mit dem unsäglichen Clinton Clan (nicht mit Obama, das sei dazugesagt) war und so eine „fake“-Kandidatur nicht auszuschließen war. Nun, seien diese Auguren also eines Besseren belehrt.
  • gegen die „demographics“. Wahl-spindoctors und Beschwörer der „mechanics“ amerikanischer Wahlen, die dort immer gut Geld verdienen können, sagten voraus, dass Trump nicht gewinnen könne, weil er die „key-demographics“ nicht für sich gewinnen könne. Weder die der republikanischen „Basis“ (Evangelikale, „tea-party“-Bewegung, schwindender Mittelstand, „small-government“-fans), noch gar die Zünglein an der Waage, nämlich die „ethnic groups“, also Afroamerikaner und Latinos, die traditionell eher den Demokraten zuneigen und denen Trump keine „Leckerlis“ im Wahlkampf hinwarf, wie es dort üblich ist. Nun, die Analysen stehen noch aus und somit kann ich wenig dazu sagen, ob sich die spindoctors hier geirrt haben. Ich bin aber auf die Zahlen gespannt, die bald herauskommen werden. Ich vermute massive Überraschungen.
  • gegen Hollywood. Denn obwohl Trump einen Unterhaltungswert besitzt, von dem andere Politiker in den USA nur träumen können, ist Hollywood nun einmal fest in der Hand der Linken. Vermutlich hätten sie dort lieber den Salonsozialisten Bernie Sanders als Gegner für Trump gesehen, aber seis drum. In jedem Falle hat die gesamte Unterhaltungsindustrie die Trommeln gegen Trump geschlagen, wie kaum jemals zuvor. Ja, Schauspieler haben schon früher für die Demokraten Stellung bezogen, haben auf deren Parteitagen die „bunten Elemente“ gebildet und sich somit in ihren eigenen Kreisen die billige Anerkennung abgeholt, die solch einem Verhalten zuteil wird.
    Wir dürfen hier aber ganz generell die Wirkung von Unterhaltungsmedien in den USA nicht unterschätzen. Ein gezielter Witz in Richtung der Republikaner oder in Richtung Trump, der in einen Spielfilm eingespeist wird, kann mehr Wirkung haben, als 20 Wahlspots für Hillary ! Schauspieler wie Harrison Ford, der sich unmittelbar vor der Wahl noch als Trump-Wähler outete, sind nur die Ausnahme, die die Regel bestätigen.
  • gegen sämtliche Medien. Dass die Medienlandschaft der USA mindestens ebenso „links“ oder in ihrem eigenen Jargon „fortschrittlich und liberal“ ist, wie hierzulande, das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Republikaner, selbst relativ „weichgespülte“ vom linken Flügel, haben in TV, Presse und Internet nur wenig Chancen, einigermaßen sachlich und neutral abgehandelt zu werden. Der „bias“, also die politische Schlagseite, der Medienschaffenden ganz generell ist derartig auffällig, dass ich mich manchmal frage, ob zuerst das Ei oder das Huhn da war. Also ob zuerst europäischer oder amerikanische Medien ihr journalistisches Ethos zugunsten von Propaganda und Konsumenten-Manipulation aufgegeben haben. Seis drum: das Ekligste, was mir im abgelaufenen Wahlkampf zu Gesicht kam, war die komplette Gleichschaltung auch der Unterhaltungsmedien. Speziell als „für alle Gruppen der Gesellschaft“ gedachte Unterhaltungsshows hetzten, teils unterschwellig, teils grenzwertig zu Hillary-Werbespots, gegen Donald Trump. Das macht keinen Spaß mehr, das sollte sie eigentlich Zuschauer kosten. Wird es aber vielleicht nicht, da es ja keine Alternativen, also „konservative“ TV-Unterhaltungs-shows gibt.
    Und von den Nachrichten-, Magazin- und Talksendungen sollte ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Eine Freundin aus den USA, die eigentlich eher unpolitisch ist, aber dennoch als Wahlbürgerin den Kopf nicht in den Sand steckt und die Wahlen komplett ignoriert, schrieb mir davon, wie sie eine bestimmte Sendung nicht mehr sehen könne. Offen gesagt, habe ich vergessen, wie sie hieß. Es war so ein „late-night“-Format mit irgendeinem dieser Moderatoren-Kasper, deren Namen ich schon lange nicht mehr auseinanderhalten kann. Meine Freundin jedenfalls sagte, dass sie diese Sendung seit ein paar Wochen nicht mehr anschaut, weil dort von 40 Minuten effektiver Sendezeit ca. 30 – 35 Minuten über Trump hergezogen würde. Und dabei sei ihr nicht mal klar, ob der Moderator nun eigentlich Demokrat oder Republikaner sei (siehe „gegen die Republikaner“, bzw. Punkt 1). Ein neuer Tiefpunkt selbst des „lockeren late-night“-TVs. Angesichts der Art und Weise, wie hierzulande Pegida oder die AfD verleumdet und gegen diese durch die Medien gehetzt wird, verwundert mich das aber nicht wirklich. Was mich aber verwunderte war, wie offen manch ein Nachrichtenmensch in den USA zugab, mit seiner Berichterstattung „Trump verhindern“ zu wollen. Das ist zwar eklig und unethisch, aber ehrlicher, als unsere Medien in Deutschland, die immer noch irgendwelche „hochmoralischen“ Absichten vorschieben, wenn sie uns entweder fehlinformieren (durch Unterlassung zumeist) oder offen in eine bestimmte Denkrichtung drängen („nudging“).
  • gegen Hochfinanz und den Einfluss vom Arabischen Golf. Was die US-Lügenmedien natürlich nicht berichtet haben, ist, dass Clintons Wahlkampf ebenso wie die berüchtigte „Clinton-Foundation“ massive Geldzuflüsse aus Katar und Saudi-Arabien hatten. Ja, das klingt nach einer gar zu simplen Verschwörungstheorie, ich weiß. Da aber eine der einflussreichsten Beraterinnen Frau Clintons die bestens mit Muslimbrüder-Kreisen verbandelte Frau Huma Abedin ist (googlen Sies selbst, ich werde hier nicht tiefer in diese Thematik einsteigen, weil ich irgendwann auch mal mit diesem Beitrag fertig werden möchte), bestand die Gefahr einer noch Islamfreundlicheren Politik als unter Obama. Noch mehr Muslim-Freistaaten auf US-Boden wie das unsägliche Dearborn, Michigan.

Die Frage bleibt jetzt aber: mit wem und für wen hat Trump nun eigentlich gewonnen ? Die Antwort darauf wird natürlich auch bald die ausführliche Wahlanalyse liefern und später Trumps Politik. Ich stelle aber schon mal jetzt ein paar Vermutungen an. Denn es gab und gibt auch in den USA einen Trend, den die spindoctors und vor allem auch die super-voreingenommenen Medien und Politiker in Europa, speziell Deutschland, nicht auf ihrem Radar hatten, den ich aber für maßgeblich für den Ausgang der Wahl halte: Trump gewann also…

  • weil er weitgehend als „Unabhängiger“ wahrgenommen wurde, als unvorbelastet vom korrupten und im Volk weitgehend abgelehnten Washingtoner Establishment. Denn es gibt ein großes, scheinbar immens unterschätztes Gefühl der Enttäuschung in der Bevölkerung der USA. Enttäuschung von den „Eliten“, Enttäuschung über die klassischen Parteien und deren Machtapparat, Enttäuschung über die Politiker und „die Politik“ als solche. Bei vielen Wählern, ganz unabhängig vom ethnischen Hintergrund, von Wohnsitz und Einkommens-Situation hat sich eine Art lähmender Ignoranz für „das Politische“ breitgemacht. Dieses uns Deutschen nur allzugut bekannte „man kann ja doch nichts machen“-Gefühl der Resignation, das den Amerikanern in ihrer mentalen Grundausstattung aber eigentlich so völlig fremd ist, kroch auch vielen US-Bürgern ins Hirn. Republikaner, Demokraten, Bush, Obama. „Die sind ja doch alle gleich und schaffen gar nichts.“
    Obama_cannotWenn man mich persönlich fragt, woher das kam, würde ich sagen, dass dies das Erbe der Obama-Administration ist. Die „change“ und „yes, we can“ – Euphorie, die seine erste Amtsperiode 2009 einläutete, wich nur allzuschnell dem politischen Alltag, wo nichts so heiß gegessen wird, wie man es kocht. Obama versprach ja vielleicht nicht mehr, als irgendeiner seiner Vorgänger, aber ihm nahmen es viele Amerikaner ab und wählten dementsprechend. Als weder Guantanamo dicht gemacht wurde, noch die Wirtschaft wieder „anlief“ noch sonst irgendetwas Bemerkenswertes in der Politik dieses Präsidenten zu erkennen war, wandten sich die Wähler von den Demokraten wieder ab. Da Frau Clinton seine erste Außenministerin war, bezahlte sie u. v. a. auch dafür den Preis bei der Wahl.
    Die Wiederwahl Obamas 2012, der schon auf dem „absteigenden Ast“ war, konnte ja letztlich nur dem farblosen Gegenkandidaten Romney und der latent auf Rassenzugehörigkeit abzielenden zweiten Kampagne Obamas zugerechnet werden. Auch dies ein fatales Erbe, nämlich die sich wieder massiv vertiefenden Rassengräben in den USA, welches Obama hinterlässt. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
  • für die Hoffnung. Ja, auch ich weiß, dass es „the economy, stupid“ ist, die vielen Wählern in den USA die Hand beim Abstimmen führt. Stärker noch als in Europa oder Deutschland. In wirtschaftlich schlechten Zeiten wird eher „neu gedacht“, als in Zeiten ökonomischen Aufschwungs. Einer der wenigen, die diesen Trend durchbrachen, war Obama 2012, als er trotz schwacher Wirtschaftslage dennoch seine Wiederwahl erreichte, was angeblich keinem Präsidenten zuvor geglückt war. Auch dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie schwach sein Gegner Romney gewesen sein muss und wie sehr die rassistischen Thesen Obamas „gezogen“ haben müssen.
    In jedem Fall versprechen sich jetzt viele Wähler offensichtlich von einem erfahrenen Wirtschaftsboss, der sozusagen „durch die Hintertür“ als Seiteneinsteiger in die Politik ging, auch eine bessere, andere Wirtschaftspolitik im Lande. Und genau hier könnte Trump genauso krachend scheitern wie sein Vorgänger. Diese Hoffnung auf einen „businessman-Präsidenten“, der es „schon richten“ wird, könnte sich angesichts der wahren politischen Verhältnisse im Lande als Bumerang für Trump erweisen, wenn nicht fix etwas passiert.

Fazit: Trump hat sich gegen die Umfragewerte, die noch am Tag vor der Wahl Frau Clinton mit ein bis zwei Prozent vorne sahen, gegen die Medien, die lieber eine fest im politischen Establishment verankerte Frau, oder überhaupt eine Frau am Ruder gesehen hätten durchgesetzt. Gegen den Fatalismus des „es wird sich ja nichts ändern“ derjenigen, die jahrelang gar nicht mehr wählten und jetzt auf den Seiteneinsteiger hoffen, der in ihren Augen nicht allzutief in den „swamp“ von Washington verstrickt ist, den er so gerne „drainen“ würde. Hier liegt natürlich das Problem der kommenden Präsidentschaft Trumps: er kann praktisch nur scheitern, weil er beide Parteien und damit den Kongress weitgehend gegen sich haben wird. Diesmal wird diese Katastrophe aber medial noch mit Hohn und Spott begleitet werden, was Obama als Demokraten zwar erspart blieb, aber dennoch…

Eine persönliche Anmerkung sei mir aber abschließend noch gestattet: Zumindest die Schockwelle, die jetzt durch die deutschen Medien und die Volksfrontparteien von CSU bis Linkspartei läuft, werde ich noch ein bischen genießen. Alle, die allzuschnell auf Frau Clinton, den Liebling von Großkapital (ja, die Clinton-Kampagne war deutlich besser finanziert als Trumps), Islamisten, Feministinnen und Kriegstreibern (eine echt absurde Koalititon) gesetzt hatten, vielleicht weil sie so nett neben Übermutter Merkel aussieht, entgleisen derzeit die Gesichtszüge und die Stimmen. Nicht, dass ihre hasserfüllten Kommentare im Vorfeld des Wahlgangs nicht schon Entgleisung genug gewesen wären, aber das in ihrem Weltbild völlig ausgeschlossene Ereignis der Wahl Trumps erschüttert sie offensichtlich bis ins Mark. Leider wird dabei kein Umdenken, keine genauere, analytischere, sachlichere Betrachtung der Welt, in diesem Falle der USA, herauskommen, sondern, wenn man aus der Vergangenheit Rückschlüsse ziehen kann, nur noch mehr Hass und Hetze. Da aber schon der der Psychologe Paul Watzlawick einst erkannte, dass das „mehr hilft mehr“-Prinzip meist nicht funktioniert, könnte das ein gutes Zeichen sein. Denn was diese Leute nicht gelernt haben ist, dass der Wähler und Medienkonsument bei noch mehr Lügen, noch mehr Hetze und einseitiger Berichterstattung abstumpft, eine innere Distanz zwischen sich und diese Art von Medien legt, die ihre Wirksamkeit immer mehr abschwächt. Wir sahen dies in der DDR, wir sehen dies derzeit an den trotz Medien-Hetze steigenden Wahlergebnissen der AfD usw. Aber diese Entwicklung ist auch ein Zeichen dafür, wie wenig sog. „Journalisten“ und Politiker hierzulande in der Realität verankert sind und stattdessen in ihrer eigenen „Öko-Gender-sozial-multikultigen-nachhaltigen“-Blase von Weltsicht leben, die eben nur in ihren eigenen Soziotopen geteilt wird, die doch nur eine überschaubare Mitgliedschaft haben. Also doch keine Hoffnung auf besseren Journalismus in der Zukunft. Schade.

Und noch ein „P.S.“ sozusagen: Trumps Einschätzung von Frau Merkels Politik, als katastrophal und selbstzerstörerisch teile ich übrigens. Sonst sind mir viele verbale Kanonaden Trumps weniger eingängig gewesen, wie ich zugebe. Aber wo er Recht hat, hat er Recht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 09/11/2016 von in Politik_allgemein und getaggt mit , , .
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