Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Semantik-Tricks helfen nicht mehr…

Die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris waren kaum vorbei, da sprachen bereits französische Top-Politiker davon, dass ihr Land, ja dass die zivilisierte Welt sich „im Krieg“ befände. Das politische Kalkül martialischer Rhetorik mal beiseitegelegt: man kann über den Begriff diskutieren. Aber sollte man das auch ?

Paris_securiteDer Terror hat die scheinbar so sichere, so friedliche „westliche Welt“ längst erreicht. Die Allahs-Krieger (nein „Gotteskrieger“ kann ich sie nicht nennen, weil der Gott, an den ich glaube, sie nicht motiviert, sie nicht geschickt hat) machen seit dem 11. September 2001 keinen Hehl mehr daraus: sie hassen unsere Art zu leben, unsere religiöse und soziale Toleranz, unsere Gleichberechtigung von Mann und Frau, unsere Gleichheit vor dem Gesetz, unsere sonstigen Werte, alles, was uns als freie, offene und demokratische Gesellschaft ausmacht. Das erst einmal als Faktum anzuerkennen ist die Grundlage einer nüchternen, aber zukunftsweisenden Beurteilung der Lage, bevor man Entschlüsse zur Abwehr der Bedrohung fasst. Wer sich dieser Analyse verweigert, wer hier abwiegelt und gar Verständnis für mögliche Motive der Täter erkennen lässt, muss sich fragen, wessen Geschäft er da betreibt.

Denn Hass bedeutet: die Täter haben irrationale Motive. Motive, die sich scheinbar nicht so simpel mit „sozialen Verhältnissen“, „Kolonialismus“ oder einer gefühlten „Benachteiligung“ erklären lassen. Denn hier muss man über Europa hinausschauen. Warum etwa gibt es Terrorismus ähnlicher Prägung auch im Süden Thailands ? Warum auf den Philippinen ? Im Norden und in der Küstenregion Kenias ? Warum in Nord- und Zentralnigeria ? Oder in der chinesichen Xinjinang-Provinz ? Überall dort und in vielen anderen Ländern dieser Welt explodieren Bomben, werden Zivilisten getötet, brennen Kirchen und werden Moscheen zu Waffenlagern aufgerüstet. Auch das ist kein Zufall und kann zumindest nicht mehr durch regionale, politische oder ethnische Konflikte begründet werden. Das muss allen, die sich mit dem internationalen Terrorismus befassen, klar sein: nicht alle Muslime sind Terroristen, aber die meisten Terroristen weltweit sind Muslime, die sich in den entsprechenden Subkulturen bewegen, wie Fische im Wasser. Beispiel: der berüchtigte „Dennis Cuspert“, oder auch „Deso Dogg“, der gerne mit einem T-Shirt herumlief, auf dem Stand: „I´m a muslim, not a terrorist.“ Nun, von dieser Aussage zu seiner Teilnahme an den barbarischen Massakern des IS war es nur ein sehr kurzer Weg.

Soweit, so traurig. Wie steht es nun mit dem Begriff des „Krieges“ ? Wir wissen ja schon seit Jahren: die „klassische“ Kriegssituation, wie wir sie noch aus dem 20. Jahrhundert kennen, in der ein Staat einen anderen angreift und dieser sich dann verteidigt, ist passé. Sog. „asymetrische Konflike“, also der Kampf von Soldaten gegen Guerillas, ist die gerade modische Form des Konfliktes. Dass Leute, die mehr von Konfliktforschung verstehen, als ich, hier ebenfalls das Wort „Krieg“ anwenden, erweitert diesen Begriff deutlich um diese von staatlichen Armeen unabhängige Komponente. Denn auch, wenn zwei Milizen aufeinandertreffen, spricht man ja gerne vom „Bürgerkrieg“. Krieg ist also kein Tabubegriff mehr, darf es auch nicht mehr sein.

Nun stellt sich aber der Herr „Ober-Evangelische“, Bischof Bedford-Strom, hin und spricht von „verbaler Abrüstung“. Den Begriff des Krieges solle man nicht leichtfertig benutzen etc. Und er ist nicht allein. In der deutschen Publizistik, den Medien und bei deutschen Politikern ist der Begriff „Krieg“ ebenfalls nicht beliebt. Vielleicht sind sie noch zu sehr im Bild des „klassischen“ Krieges gefangen, in Bildern der Grabenkämpfe des Ersten Weltkrieges oder der Panzer-Attacken und Bombenteppiche des Zweiten. Wie auch immer, eines kann man schon erkennen: der Kampf gegen den Terror wird von diesen Herrschaften, die schon Angst vor konkreten Begriffen, vor einer Benennung des konkreten Zustandes haben, wohl nicht gewonnen werden können. Wie schon zuvor angedeutet: wer sich der schonungslosen Analyse verweigert, kann keine tragfähigen Lösungen beisteuern.

Denn, was gerade in Deutschland immer gerne verdrängt wird: Wir können uns auch im Konflikt befinden, ohne, dass wir ihn selbst erklärt haben! Ohne, dass wir selbst zugestimmt und im Parlament darüber beraten haben. Ohne, dass ein Präsident oder Verteidigungsminister seine Berater einbestellt und mit ihnen konferiert hat. Darauf nehmen nämlich Terroristen keine Rücksicht. Welche Überraschung ! Sie erklären diesen Krieg einseitig! Und durch Wegbeten haben sich schon die Nazis nicht besiegen lassen, Herr Bischof Bedford – Strohm. Eine wichtige Lehre: das absolut Böse (ja, das gibt es, schaut euch mal die Videos vom IS beim Köpfen und Fussballspielen mit den Schädeln, beim Schwule-vom-Hausdach-Stürzen, beim Ausweiden von Jesiden oder beim Kreuzigen von Christen an) wird nicht in Stuhlkreisen oder TV-Talkshows besiegt.

Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, werden folgende Zitate zugeschrieben:

Der Baum der Freiheit muss ab und an mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gedüngt werden.

Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.

Diesen Preis wollen die Bedford-Strohms dieser Erde nicht bezahlen. Sie werden im Konflikt mit Totalitarismus oder radikalem Islam lieber den Verlust der Freiheit in Kauf nehmen (im konkreten Falle wohl auch ihren Glauben aufgeben, das „Märtyrergen“ hat sich wohl in Deutschland in der Kirchenhierarchie nicht vererbt), als schweren Herzens einem Blutzoll zuzustimmen, den ein Konflikt zur Bewahrung der eigenen Staatsform, der eigenen Werte und Lebensweise, den ein Defensivkampf uns nun einmal abfordern muss. Das mag aus seinem, dem „religiösen“ Blickwinkel heraus richtig sein, aber es erklärt auch, warum viele Kirchen immer gerne den „Weg des geringsten Widerstandes“ bevorzugen in den fundamentalen, sozialen Konflikten unserer Zeit und nur allzuoft den Kopf in den Sand stecken, um ihre Illusionen über die Wege dieser Welt nicht aufgeben zu müssen.

HANNOVERAbschließend noch ein paar Worte zur Lage im Lande. Wir verlieren gerade unsere Blau-Äugigkeit. Das mag nicht so schlecht sein. Vielleicht öffnen uns die Absagen von Karnevalsumzügen (Braunschweig), Radrennen (Taunus) oder Fussball-Länderspielen (Hannover gegen die Niederlande) aufgrund islamischer Bombendrohungen ein wenig die Augen für das Ausmaß der Gefahr, in der sich unsere Lebensweise, in der sich die Länder der „freien Welt“ befinden. Dinge, die wir bislang eher aus Israel kannten, Sicherheitsmaßnahmen, die israelische Behörden oder die IDF jeden Tag anwenden müssen, werden über kurz oder lang auch hierzulande in Mode kommen. Kommen müssen. Vielleicht liegt hier sogar eine Chance, enger mit Israel zusammenzuarbeiten und mit dem ganzen „Boykott“ – Quatsch und der komplett irrationalen Palästinenser – Verehrung im Lande aufzuräumen. Ich gebe zu, ich war anfangs etwas skeptisch, ob man all diese geschilderten Absagen von Veranstaltungen, diesen organisierten Rückzug vor terroristischer Gewalt, wirklich in dieser Form vornehmen müsse. Mittlerweile respektiere ich immerhin die ernsthafte Sorge der Verantwortlichen. Hätte man trotz konkreter Gefahrenlage dementsprechende Veranstaltungen durchgeführt und es wäre etwas passiert, wären die Vorwürfe hinterher groß. Dieses Risiko will man nicht eingehen, will keine Menschenleben einer zwar bewussten, aber noch nicht zu 100 % konkretisierbaren Gefahr aussetzen.

Unsere Lebensweise wird sich ändern, hat sich bereits geändert. Lange Kontrollen beim check-in am Flughafen, die schon erwähnten Absagen von Kultur- und Sportveranstaltungen, die Warnungen auf öffentlichen Verkehrswegen vor „unbeaufsichtigtem Gepäck“ etc. Unser Alltag ist seit dem 11. September 2001 bereits verändert, unsere Gutmütigkeit und die schon erwähnte Blau-Äugigkeit praktisch beendet worden. Wer sie jetzt, wie diverse Politiker, Journalisten oder eben Kirchenvertreter künstlich wieder herbeireden oder „-beten“ will, begeht einen Fehler. „Wir schaffen das.“ gilt meines Erachtens nach eben weniger für die Abschaffung der deutschen Staatsgrenze, als vielmehr für den Kampf gegen den Terror. Nennen wir ihn von mir aus auch „Krieg“. Wie wärs hier mal mit einer hübschen BILD-Schlagzeile, Herr Diekmann ?

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18/11/2015 von in clash of civilizations, Politik_allgemein, Zustand der Nation und getaggt mit , , , .
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