Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Übermächtiger Zeitgeist…ich trauere

Wie übermächtig der Zeitgeist sein kann, hat mir unlängst wieder ein Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld gezeigt. Und zwar eines, das mich aus verschiedenen Gründen etwas ratlos und traurig zurücklässt. Aber, mal von Anfang an:

drei-affenSehen Sie, liebe Leser, ich bin Christin. Nicht aus Tradition, sozusagen von den Eltern her „ererbt“, sondern aus Überzeugung. Vor etlichen Jahren habe ich bewusst die Entscheidung getroffen, Christin zu werden, habe mich später auch taufen lassen. Soweit, so banal und für Sie als Leser eigentlich nicht besonders interessant. Interessanter könnte es sein, dass ich mich damals u. a. zu diesem wichtigen Schritt entschloss, weil ich erleben durfte, dass Kirche, dass Gemeinde und Christenleben eben auch etwas anderes sein konnten, als der typische EKD-Ringelpietz um irgendwelche linken Zeitgeist-Themen.

Denn, das muss ich erwähnen, ich bin in einem Bezirk meiner Stadt aufgewachsen, wo die Pastoren schon seit den 70er Jahren ihr Mäntelchen in den vermeintlichen Wind hängen. Wo Themen wie „Umweltschutz“, „Frieden“ und „Dritte-Welt“ bereits damals damit begannen, die Verkündigung des Evangeliums und das Vermitteln christlichen Basis-Wissens in der Lehre zu verdrängen. Ebenso wie heute galt schon damals, sagen wir mal „in den 80ern“ das Motto: „Die Bibel nutzen wir nur als Sprüchesammlung, aus der wir uns die passenden Zitate für unsere eigene Weltsicht und Philosophie zusammenklauben.“ Die Zeitgeist-Spinnereien innerhalb der Kirchen haben also mittlerweile einen langen Bart. Was mich nun an meiner späteren Taufgemeinde besonders faszinierte, war, dass dort ein anderer Geist zu wehen schien. Meine in der Jugend durch Beobachtung meiner „Ortsgemeinde“ gewonnenen (Vor-?) Urteile wurden dort in keinem Falle bestätigt, eher widerlegt. Wie angenehm.

Angefangen vom ungezwungen, freundschaftlichen Umgang miteinander, der im krassen Gegensatz zur Kultur der Heuchelei, „Kanzelschwalben“ und rigorosen Intoleranz, die allem vermeintlich „Konservativen“ entgegenschlug, stand, die ich aus meiner alten Ortsgemeinde kannte, bis hin zur klaren, unzweideutigen Verkündigung christlicher Werte gefiel mir von Anfang an vieles dort. Die Gemeinde hatte sich selbst auch einen klaren, karitativen Schwerpunkt gegeben, wodurch das leider in evangelikalen Kreisen weit verbreitete „Abkanzeln“ von der Welt bewusst vermieden wurde. Eine weitere, angenehme Eigenschaft, ebenso wie der scheinbar (Verzeihung) „stock-konservative“ Pastor, der zwar in großer Liebe zu den Schwächsten der Gesellschaft die karitative Arbeit immer wieder mit großem Schwung und schier unendlicher Energie aufrechterhielt, der aber in Sachen Lehre und Verkündigung zu keinerlei Kompromissen mit der Welt, dem Zeitgeist bereit zu sein schien. Festes, echtes, gelebtes Gottvertrauen bei gleichzeitig nüchterner Betrachtung der Realität. Das hat mich bis heute geprägt, auch wenn ich seit Jahren nicht mehr diese Gemeinde besuche, sondern mich mittlerweile einer Kirchengemeinde näher zu meinem Wohnort angeschlossen habe.

So weit, so persönlich. Jetzt kommt aber das, was mich wirklich traurig macht: der von mir wirklich sehr respektierte Pastor dieser, meiner Taufgemeinde hat sich verändert. In diesem Jahr, ehrlich gesagt: erst vor wenigen Wochen, hat er sein Amt niedergelegt, ist jetzt im Ruhestand. Und je näher dieser Tag kam, desto mehr erlebte ich ihn als veränderten, als scheinbar plötzlich gar zu verweltlichten Mann. Da ich per Facebook noch mit ihm in Kontakt stand und da ich auch die Veröffentlichungen meiner Taufgemeinde noch immer lese, bemerkte ich erst tendenzielle, dann geradezu abrupte Umbrüche. War hier schon der Einfluss der neuen Gemeindeleitung zu spüren, die vermutlich andere Schwerpunkte, vor allem im karitativen Bereich legen wird ? Wie auch immer, der von mir in bester Erinnerung gehaltene Gemeindeleiter begann auf einmal damit, politische Standpunkte einzunehmen (was er zuvor, zumindest außerhalb seines engsten Familienkreises, immer streng vermieden hatte), beschimpfte Andersdenkende und verteidigte mit Zähnen, Klauen und Sprechverboten die Politik der Regierung Merkel gegen die auch nur geringste Form sachlicher Kritik. Zunächst vermutete ich, dass sich hier eine aufkommende Demenz oder sonstige, geistige Krankheit Bahn brach, die möglicherweise zur Ablösung des ehemals wirklich „guten Hirten“ seiner Schäfchen geführt haben musste. Auf diskrete Anfrage bei Bekannten, die der Gemeinde heute noch näher stehen als ich, erfuhr ich aber, dass der besagte Pastor bei bester geistiger und körperlicher Gesundheit sei.

KircheLeitNun blieb mir nur noch die geradezu deprimierende Einschätzung übrig, dass der gute Hirte wohl dem Dauerdruck des Mainstreams erlegen sein muss. Dem Trommelfeuer aus Medien-Beiträgen, Politiker-Reden und Bischofs-Machtworten, die uns Christen in Deutschland seit ein paar Jahren vorgeben, was wir zu denken, zu sagen und zu glauben haben. Ursprünglich hatte ich gehofft, gerade diese Gemeinde und dieser Pastor würden dem allgegenwärtigen Druck (welcher wohl bei vielen Geistlichen den Heiligen Geist als Ratgeber abgelöst hat) geradezu mühelos widerstehen, würden einfach im festen Gottvertrauen weiter ihren Weg gehen und dabei weiter so viel Gutes tun für ihre Kommune, für ihr Umfeld, wie bisher. Aber, die ersten Andeutungen auch der neuen Gemeindeleitung legen das nahe, meine Taufgemeinde ist inzwischen auch (zwar auffällig spät, aber leider dennoch) zur Zeitgeist-Kirche der „Refugees Welcome“ – Realitätsverweigerer konvertiert. Und mein Taufpastor hat ihnen diesen Weg gewiesen. Ich gestehe, auch jetzt noch, Wochen nachdem ich damit begann, mir diese Veränderungen dort bewusst zu machen, fühle ich mich hilflos. Ein bischen so, als ob mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre. Denn viele Überzeugungen, viele geistliche, aber auch ganz praktische Gewissheiten, die ich bis heute in Ehren halte, habe ich vor einigen Jahren in ebendieser Gemeinde vermittelt bekommen.

Muss ich das nun alles in Frage stellen ? Wenn schon dieser Geistliche, der einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat, heute die „Worte der Welt“ spricht und sich ihr gleichmacht, war dann vielleicht schon damals alles nur geheuchelt, oder habe ich es von Anfang an falsch verstanden ? Nun gut, das Fundament des Glaubens ist Christus, mit anständiger Bibelkenntnis kann man als Gläubiger auch im Alltag gut zurechtkommen. Aber alles, was darüber hinausgeht, das „was, wie, wo und warum“ des Glaubens, wird uns natürlich auch durch Menschen, durch das geistliche Umfeld (Hauskreis, Gemeinde, Kirche, Konferenzen) vermittelt. Und da sehe ich mich ein Stück weit im Stich gelassen. Sehe nachträglich noch all das verraten, was damals die Gemeinde ausmachte und was ich seitdem in so mancher modernen „City-Kirche“ etc. gesucht und praktisch nie mehr gefunden habe. Bibeltreue bei gleichzeitigem Pragmatismus, Unterscheidung vom Weltlichen, bei gleichzeitigem, konkreten Engagement im Sozialen Bereich,  Guter Zusammenhalt bei gleichzeitiger Offenheit für Ein- und Aussteiger.

Warum habe ich Ihnen, liebe Leser, dies nun so ausführlich hier erzählt ? Weil ich davon ausgehe, dass der gleiche Druck, die gleichen Manipulations- und Einfluss-Kräfte, die diesen einst so eigenwilligen, aber gutherzigen Gottesmann zu einer weiteren Marionette des Mainstreams haben werden lassen, auf jedem, im öffentlichen Scheinwerferlicht stehenden Menschen in Deutschland lasten. Pastoren, Journalisten, Politiker, Verbandsvertreter, TV- und Radiomoderatoren, Künstler, Wirtschaftsbosse, Gewerkschafter, … Jeder, der auch nur den geringsten Einfluss auf andere Menschen hat, der sozusagen als „Transmissionsriemen“ für die Allheils-Botschaft von den „offenen Grenzen, dem reichen Deutschland, dem interreligiösen Dialog, der gender-equality,  oder, oder, oder …“ dienen kann, ist diesem Druck ausgesetzt. Dieser permanenten Aufforderung zum Bekenntnis zu einem Zeitgeist, zum medial gehypten Gedankengut, das aber nur von sehr wenigen Menschen wirklich geteilt wird. Hier nicht umzukippen kann jemanden heutzutage Reputation, Karriere, Freundschaften und die materielle Existenz kosten. Fragen Sie mal Sarrazin oder Pirincci dazu. Denn allzuschnell ist man ja jetzt „Nazi“, wenn man nicht um jedes goldene Kalb tanzt, das einem vor die Füße geworfen wird.

Dem wollte sich mein einst sehr, sehr verehrter Pastor nicht aussetzen, vermute ich. Aber, statt still abzutreten und kopfschüttelnd zu beobachten, was seine Nachfolger aus seiner Gemeinde und aus seiner Sozialarbeit denn so machen werden, setzte er noch einmal ordentlich Hiebe gegen diejenigen, die seinen Kurswechsel nicht nachvollziehen konnten. Das ist charakterlich erbärmlich, bei allem Verständnis, dass ich für seinen erst so spät im Leben geäußerten Opportunismus hegen mag. Wer nie Fehler gemacht hat… Oder eben „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“. Nein, Steine werfen mag ich nicht, das tun heutzutage genügend Hysteriker und Scharfmacher, ob nun verbal oder tatsächlich in Steinigungsabsicht mit echten Wurfgeschossen. Dennoch hoffe ich, Sie verstehen, warum ich meine Enttäuschung hier mal von der Leine gelassen habe.

In diesem Sinne also, betet für die Aufrechten, stützt die, die nicht umkippen mögen im Sturmwind des Zeitgeistes und danket Gott für die wenigen, die weder ihr Lebenswerk, noch ihre zeiterprobten Überzeugungen „einfach so mal“ opportunistisch für ein Leben „in Frieden“, „im Windschatten des gesellschaftlichen Hasses“ unserer Tage eintauschen.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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2 Kommentare zu “Übermächtiger Zeitgeist…ich trauere

  1. Tom Scheidl
    07/11/2015

    …ich werde das, wie auch Deine anderen Kommentare ausdrucken und zu meiner Mappe hinzu fügen. Diese Mappe ist für meine Kinder gedacht, dass sie verstehen lernen, wie der Unterschied zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit und dem Rest aussieht – und vor allem warum ich so geworden bin, wie ich eben bin. Das meine Kinder später ihren Vater und ihre Mutter verstehen. Bald wird es das alles vermutlich nicht mehr zum Lesen geben. Ich danke sehr dafür!

    • Herzlichen Dank für dieses Vertrauen. Ich weiß nicht, ob meine „Ventil-Kommentare“, mit denen ich auch nur versuche, etwas Erstaunen, Überraschung, Zorn abzulassen, es wert sind, archiviert zu werden. Ich selbst brauche diesen Blog (bis er denn gesperrt wird wegen „Volksverhetzung“ o. ä., eine erste Klagedrohung habe ich schon erhalten) eben zum Dampfablassen, wenn ich über soziale Netzwerke oder diverse Medien erleben muss, wie gesunder Menschenverstand, gute Traditionen, christliche Ethik und politische Vernunft in immer schnellerem Maße abgewickelt und abgeschafft werden.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07/11/2015 von in Kultur, Politik_allgemein, Zeitgeist, Zustand der Nation und getaggt mit , , , .
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