Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Warum ich nie bei Pegida war…

…und auch nicht mehr hingehen werde. Liebe Leser, Sie wissen es sicher: wenn ich mich hier im Blog zu politischen Themen äußere, geschieht dies meist im Geiste der Enttäuschung. Des völligen Unverständnisses über Dinge, die in den letzten drei Jahrzehnten für „normal“ erklärt, dem Durchschnittsbürger verkauft und von vielen dann auch „gekauft“ wurden. Das mag nach „Mäkelei“ klingen, noch kleingeistiger Korinthen-Kackerei. Steht jedem frei, zu denken, was er/sie will. Ich schreibe letztlich nur meine ganz persönlichen Kommentare, um nicht völlig durchzudrehen.

pegida1Nun musste ich mir in den letzten Monaten öfters anhören (oder musste es lesen), dass ich ja, wenn mir die „Lage der Nation“ nicht gefalle, zu Pegida gehen könne. Da würden sich ja alle „Mäkler, Rechtspopulisten, Kleingeister, Ewiggestrigen, Nationalisten, etc.“ versammeln. Da hätte man sie „im Griff“, würde sie schön kontrolliert in gesicherter Umgebung ein bischen schimpfen lassen, damit auch ja nichts weiter passiere im Lande und alles „seinen gewohnten Gang gehe“. Aha. Abgesehen davon, dass mein Bild, dass ich mir von diversen Protestgruppen inkl. Pegida gemacht habe, etwas differenzierter, etwas weniger Klischee-beladen aussieht, mag ja grundsätzlich etwas an diesem Vorschlag dran gewesen sein.

Es ist doch wirklich verlockend, mal auf die Straße zu gehen, mal die Flagge „Schwarz-Rot-Gold“ mit sich zu tragen, ohne, dass ein Fussballspiel der Anlass wäre, mal Rednern zuzuhören, die vielleicht nicht ganz dasselbe nachplappern, was mir schon unzählige Zeitungsartikel, TV-Magazine und Politprofis in ihren Sonntagsreden vorgebaselt haben. Zumal ja auch die „üblichen Verdächtigen“ in Medien und Politik praktisch sofort damit anfingen, den unliebsamen Bürgern, die es „wagten, wider den Stachel zu löcken“ die schlimmsten Attribute anzudichten: „Nazis in Nadelstreifen, Ewiggestrige, Mischpoke, Faschisten, Rassisten,…“. Kein Schimpfwort des politisch korrekten Zeitgeistes, das nicht wider „Pegida“, „Hogesa“ etc. gebraucht wurde. Kein Brotkrümel, den irgendein ehemaliger Nazi an der Spazierstrecke in Dresden, Leipzig, Berlin… mal fallengelassen hätte, den nicht irgendein Magazin als „Beweis“ für den „Rechtsdrall“ der ohne den Stempel: „Prädikat – Gutmenschlich“ von den Grünen abgesegneten Bürgerbewegungen (da können wir durchaus auch die Gegner des BW-Frühsexualisierungs-Wahns mit dazu rechnen) präsentiert hätte.

Da kam schon ein gewisser Mitleidsbonus bei mir auf. Wenn die verlogenen, sich liebedienerisch der Autorität und dem Zeitgeist andienenden Journalisten und die ohnehin nicht mehr wirklich seriösen oder ernstzunehmenden Polit-„Eliten“ im Lande sich auf die Pegida und Konsorten einschossen, dann musste an denen ja was dran gewesen sein. So begann ich dann damit, mir mal diese Kundgebungen im Internet anzuschauen. Wer geht denn da überhaupt so hin ? Was für Plakate bringen die Teilnehmer denn mit ? Welche Redner nehmen denn dort zu welchen Themen Stellung ? Und was sagen sie zu diesen Themen ? Sorry, aber weder die Indoktrinations-Werkzeuge „Massenmedien“ oder „Landeszentralen für politische Bildungsarbeit“ (wo immer nur schön „gegen rechts“ gehetzt wird und die Publikationen etwa über die nachweislich immer stärker anschwellende Gefahr des Islamismus vor Schwammigkeit nur so wackeln) konnten mich davon abhalten, mir selbst ein Bild machen zu wollen, anstatt das Denken der „Süddeutschen“ oder dem Herrn Justizminister Maas zu überlassen.

Und da tauchte eben bei meinen Beobachtungen bald eine zunächst beiläufige und dann immer stärker in den Vordergrund tretende Tendenz auf, die ich schlicht und ergreifend nicht teilen kann: Es paarte sich ein zunächst nur latent sichtbarer Amerika-Hass mit einer völlig irrationalen Russophilie, die angesichts des „Brennpunktes“ der Proteste, nämlich der in der Ex-DDR liegenden Stadt Dresden, besonders absurd erscheint. Langsam aber sicher waren schließlich alle selbsternannten „Patrioten“ davon überzeugt, dass Deutschland noch immer ein von den USA besetztes Land sei, das sich vom „großen Freund der europäischen Kultur“, Vladimir Putin, die Befreiung erhoffen könne. Mir wurde und wird noch immer schlecht, wenn ich dieses tatsächlich sehr simple und völlig weltfremde Weltbild präsentiert bekomme. „Ami go home“ ist nicht nur der Kampfruf der 68er gewesen, sondern wird mittlerweile auch zum Schlachtruf der Pegida und ihrer Ableger. Da hat ja dann wirklich zusammengefunden, was überhaupt nicht zusammengehört: die Volksabschaffer und Radikalsozialisten der 68er und ihrer Nachkommen mit den bürgerlichen Bewahrern nationaler Frei- und Eigenheiten. Puh, darüber musste ich lange nachdenken.

Und bin bis heute nicht zu einem Ergebnis gekommen. Wie das zusammenpasst, will mir nicht in den Kopf. Immerhin hat es dafür gesorgt, dass ich auch weiterhin ein wachsames Auge auf „Pegida“ geworfen habe. Und da tauchten dann immer mehr kleine „Dreckflecken“ auf der schon nicht mehr gar so weißen Weste auf. Da sympathisierten Pegida – Ableger in Berlin und Leipzig plötzlich mit NWO-Weltverschwörungs-Spinnern wie dem „Compact“-Herausgeber Jürgen Elsässer ? Da ließ selbst der um einen „kühlen Kopf“ bemühte Lutz Bachmann von der Pegida „Mutter“ Dresden gewisse Sympathien für die Stalin- und Putin-Verehrer der bikenden „Nachtwölfe“ um den 08. Mai herum erkennen ? Da werden jetzt Sympathien für den Hindu-Faschisten Narendra Modi in Indien „geleakt“, der sein Land zu einem „Ein-Volk, Eine Religion“-Staat gleichschalten will und am liebsten das Kastenwesen lieber heute als morgen wieder einführen möchte ? Dessen Partei BJP sich ansonsten an massiven Akten von Christenverfolgung beteiligt oder diese zumindest offen begünstigt ?

Selbst, wenn ich 2/3 all dessen, was ich über Pegida zu hören bekomme, für mit Vorbedacht und vermutlich böser Absicht lancierten Mist ansehe, dann kann ich immer mehr von den Dingen, die dort geduldet, gefördert oder geäußert werden, nicht mehr mittragen. Sorry, people. Z. Bsp. das russophile Weltbild vieler Pegidisten. Selbst wenn der Fall eintreten sollte, dass der „Menschenfreund und Friedensapostel“, der „Bewahrer und Protektor der europäischen, nationalen Kulturen“, der vielgeliebte Genosse Putin (höre ich da den Stalinkult schon wieder heraus ?) uns alle aus den „Klauen des US-Imperialismus“ retten sollte, so würde uns Russland mit 100%iger Wahrscheinlichkeit eine sehr, sehr teure Rechnung dafür präsentieren. Und gegen eben diese Rechnung aus Moskau, die den Mitteldeutschen von 1945-1990 schon einmal präsentiert wurde, gingen doch die Väter und Großmütter der Pegidisten von heute bereits 1989 auf die Straße. Sieht da keiner den inneren Widerspruch ?

Und jetzt kommt etwas, das die diversen „-gidas“ ganz sicher nicht hören wollen, aber es ist so: wer wirklich aus der Geschichte lernen will, der kann auch von den USA lernen ! :-O Die sind ein ganzes Land, eine ganze Nation (ja, die benutzen diesen Begriff noch), die sich auf Widerstand, auf Aufsässigkeit und Trotz gegründet hat. Na, sieh mal an ! Der „Weltpolizisten“-Status, den die Obama-Administration nun schon seit Jahren mit lässigem Gestus verspielt, haben die USA auch nicht „vom Himmel herab“ überreicht bekommen. Dazu wurden sie, gegen das bessere Wissen mehrerer Regierungen und politisch einflussreicher Kreise, über die Jahrhunderte hinweg oftmals gedrängt und durch den Fleiss und die Kreativität seiner Einwohner befähigt. Aber das wollen wir Nachfahren der „Jeans und T-Shirt“-Generation, die mit der „Hegemonie“ der USA sehr gut gefahren ist, ja lieber verdrängen. Passt weder „ganz links“ noch „ganz rechts“ ins Weltbild. Na, ist immerhin nicht mein Problem.

Abschließend nur noch einen Satz, den ich für eines der stärksten Zitate halte, die man zum Thema „Widerstand“ in Sammlungen von „Bonmots“ heute finden kann:

Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden.

Richtig, ist von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA. Wer so etwas heute in unserem Lande äußerte, ohne es sofort erkennbar als Zitat zu kennzeichnen, würde vermutlich wegen „Volksverhetzung“ oder „Anstachelung zur Gewalt“ verhaftet. Entsprechende Gesetzesnovellen zum Thema „Hetze“ sind ja bereits im Anlaufen. Soweit ist es mit der freien Meinungsäußerung mittlerweile gekommen. Dennoch bitte ich Sie, liebe Leser, einmal über dieses Zitat nachzudenken und es nicht gleich wieder mit der Feststellung, dass „Jefferson ja Sklavenhalter war“ beiseitezuwischen. Wenn´s danach ginge, dürfte auch niemand mehr den Filou und Dauerschuldner Marx, den Schlawiner und Betrüger Voltaire oder den Schulversager Bismarck zitieren.

In diesen Sinne werden wir uns wohl nicht mehr bei Pegida sehen, so sehr ich mir auch gewünscht haben mag, dass bürgerlicher Widerstand mal etwas Sinnvolles bewirken würde im Lande. Es ist irgendwie wie 1848: die Bürger verlieren, der Obrigkeitsstaat gewinnt und behauptet heute frecherweise auch noch, weiterhin in der Tradition der 48er zu stehen. Na, ja, Pisa-Misere und mangelhafter, historischer Bildung unserer „Eliten“ sei auch dies geschuldet. Fazit: Was einst „gegen die Islamisierung Europas“ begann (damit war ich noch weitgehend einverstanden), ist heute „gegen die USA“ geworden. Nein, danke, nix für mich.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Ach, herrje ! Jetzt kommt es knüppeldicke. Ausgerechnet ich soll mich „antirussischer Polemik“ schuldig gemacht haben. Haha, guter Witz. Sorry, people, aber ich mag meine Russen. Ihre Mentalität ist mir bekannt, ihre guten wie weniger guten Eigenschaften vertraut. Und, wie so oft, denke ich, dass sie eine bessere Regierung, eine wirklich am Volk interessierte Obrigkeit brauchen könnten, dass sie nach Jahrhunderten der „Knute“ (sei sie zaristisch-schwarz oder kommunistisch-rot gewesen) endlich vernünftig regiert zu werden verdienen. Das gilt übrigens ebenso für unser Land, wie auch für die USA, für die islamische Welt und Afrika… Wie auch immer: wenn mir Putin nicht „jenseits jeglicher Kritik“ erscheint, dann nur deshalb, weil ich mir auch rausnehme, Obama, Merkel und jeden anderen „Obermufti“ zu kritisieren. Gucken Sie auf meinen Nachnamen und Sie wissen, was mich mit den Russen verbindet, auch wenn unsere Familie seit vielen Generationen so deutsch ist wie Leberwurst und Porsche.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24/06/2015 von in Politik_allgemein, Zeitgeist und getaggt mit , , .
%d Bloggern gefällt das: