Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Auch TV-Unterhaltung: „welcome to Sweden“

Gerade zu meinem letzten Kommentar, wo ich mich weitgehend negativ über die TV-Serie „orange is the new black“ ausließ, habe ich das ein oder andere feedback bekommen. Mancher konnte mit meiner Sicht gar nichts anfangen, einige stimmten mir teilweise oder weitgehend zu. Was aber immer wieder zur Sprache kam, war die Tatsache, dass ich mich meistens nur negativ über die Massenmedien äußere. Ich solle doch auch mal irgendetwas positiv beschreiben. Puh, das ist mal eine Aufgabe, da ich mir zwar einiges anschaue, aber doch immer irgendwie enttäuscht werde.

Josephine Bornebusch als "Emma" und Greg Poehler als "Bruce"

Josephine Bornebusch als „Emma“ und Greg Poehler als „Bruce“

Ob das nun daran liegen mag, dass ich bestimmte Kriterien in Sachen Unterhaltung entwickelt habe, oder ob ich einfach nur ein negativer Mensch bin, der gerne über Andere herzieht, wie mir gelegentlich unterstellt wird, sei einmal dahingestellt. Auch die Tatsache, dass ich bereits ausführlich begründet habe, warum mir eine ganz bestimmte TV-Serie gut gefällt, sei hier einmal nur am Rande erwähnt, weil ich eben diese „Tradition“ an dieser Stelle fortsetzen möchte. Denn es gibt tatsächlich noch „harmlose“, weitgehend dem Zwecke der reinen Unterhaltung dienende TV-Shows ohne allzuviel politkorrekte Verzerrung der Realität oder den berüchtigten „erhobenen Zeigefinger“, der uns bei aller Kurzweiligkeit eines Programmes dann doch immer wieder den „Ernst der Lage“ eintrichtern will.

Meine Empfehlung, wenn man mal ganz ungezwungen lachen möchte, ist „welcome to Sweden“. Eine leichte, manchem vielleicht etwas ZU leichte, Komödie nach dem „fish-out-of-water“-Prinzip. Sie handelt von dem Paar „Bruce“ (Greg Poehler) und „Emma“ (Josephine Bornebusch), die von New York nach Stockholm umziehen. Er ist US-Amerikaner, die gesellschaftlichen Spielregeln seiner Heimat gewohnt, spricht kein Wort Schwedisch und wird fast „vom Flughafen weg“ mit der Familie seiner schwedischen Lebensgefährtin Emma konfrontiert. Allein dieses „die Eltern meiner Freundin“ – Prinzip, das wir ja aus diversen Spielfilmen mit Robert de Niro und Ben Stiller kennen, ist natürlich immer eine gute Grundlage für Comedy. Wenn jetzt noch die „kulturelle Orientierung“ eines „Amis“ im Lande von Ikea und Pippi Langstrumpf dazukommt, ist mindestens der ein oder andere herzliche Lacher geradezu garantiert.

Auch die Darsteller scheinen gut gewählt. Außer der „grande Dame“ Lena Olin, die hier einmal ihr Talent fürs Komische unter Beweis stellen und nach Herzenslust Schwedisch reden kann, sind nur weitgehend unbekannte, aber „frische“ und sehr passende Darsteller besetzt. Die diversen „cameos“ von Prominenten wie etwa Gene Simmons von Kiss oder der Produzentin und ex-„parks and recreation“ – Darstellerin Amy Poehler lockern das Geschehen weiter auf und sorgen für weitere „ah“ und „oh“-Momente. So kommt die Show in Staffel 1 noch ohne größeren, übergeordneten Handlungsbogen und mit nur kleineren, persönlichen Spannungsmomenten aus. Die Unterschiede zwischen amerikanischer und schwedischer Mentalität und Tradition reichen hier über 10 Folgen noch aus, um die 20-Minuten-Happen jeder Folge frohgemut verdauen zu können. Eine zweite Staffel ist ebenfalls bereits gesendet, die auf den Figuren und Situationen der ersten Staffel sauber aufbaut und mit weiteren, lustigen „cameos“ aufwartet.

Auch der Vergleich mit dem ähnlich angelegten „Lilyhammer“ bietet sich an. Zwar ist die Grund-Voraussetzung der Charaktere bei dieser Norwegen-Mafia-Story etwas „düsterer“ und deshalb das Potential fürs Absurde noch größer, aber die „wie komme ich als Ami in Europa zurecht?“-Basis-Prämisse bleibt und hat auch Steve van Zandt, der von Zeit zu Zeit viel schlimmer chargierte, als der liebenswerte Greg Poehler in „welcome to Sweden“, verschiedene Glanzmomente beschert. Leider trägt diese Prämisse nicht unendlich lange und so wirkte die dritte Staffel „Lilyhammer“ oftmals schon etwas gezwungen im Verlauf sowie sprunghaft in der Abarbeitung der Handlungsbögen. Man kann nur hoffen, dass dies bei „welcome to Sweden“, sollte es zu einer weiteren, damit dritten, Staffel kommen, besser gelöst werden wird.

Zuvor sollte man sich aber die Abenteuer von „Bruce“ in Stockholm, seine Versuche, Schwedisch zu lernen, seine Versuche mit der etwas sehr selbstbezogenen „Schwiegermutter in spe“ (die schon gelobte Lena Olin) zurechtzukommen und seine Anstrengungen, Arbeit in Stockholm zu finden, mal zu Gemüte führen. Als kleine „Appetithappen“ für zwischendurch, wenn man von Knastserien, Vampiren, Hexen, Anwälten, Ärzten, Polizisten, forensischen Anthropologen, Geisterjägern,  oder Navy-Cops den Kanal etwas zu voll hat, bieten sich die Geschichten von „Bruce im Wasaland“ in jedem Falle an, um etwas abschalten zu können.

mit besten Empfehlungen

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Nun hoffe ich, meiner „Pflicht“, auch mal eine Serie positiv abzuhandeln, nachgekommen zu sein. Allerdings frage ich mich oft, wie diese Serie wohl ausgesehen hätte, wenn sie nicht „welcome to Sweden“ sondern „welcome to Germany“ benannt worden wäre ? Wie absurd sieht wohl unser Gegenwarts-Deutschland für Besucher aus ?

P.P.S. (30. Juli 2015): Ja, wie das mit lustigem, aber nur wenig der pc und dem Zeitgeist unterwürfigem Fernsehen so ist: Die Serie „welcome to Sweden“ ist abgesetzt und komplett eingestellt worden. Zwar konnte sie in SCHWEDEN, wo die zweite Staffel zunächst im Frühjahr ausgestrahlt wurde, gute Quoten und Kritiken einheimsen, aber in den USA, wo sie auf dem Network NBC als „Sommerfüller“ lief, waren die Quoten der zweiten Staffel so katastrophal, dass sie nach nur zwei ausgestrahlten Episoden im Juli 2015 aus dem Programm genommen wurde und nun nur noch über das Videoportal des Networks abgerufen werden kann. Schade. Über die Gründe für diese Quotenmisere „jenseits des Großen Teichs“ kann man nur spekulieren. Vielleicht interessiert man sich dort in der Masse einen Dreck für Europa und dessen liebenswerte Besonderheiten, vielleicht war das sehr dezent geübte Hinterfragen amerikanischen Selbstverständnisses auch schon zu viel für den Durschnitts-Ami. Wer weiß. Meine Empfehlung bleibt dennoch bestehen: wer die Möglichkeit bekommt, sich beide Staffeln über irgendein online-Portal o. ä. anzusehen, sollte das tun. Vielleicht sehen wir hier die letzte „altmodisch-witzige“ TV-Serie, welche in der „westlichen Welt“ jemals produziert wurde. Ab jetzt heisst es wohl wieder: „back to normal“, also zum Lächerlichmachen von Kirche, Weißen, Männern, Deutschen, Republikanern, Heterosexuellen etc. Immerhin komme ich auf diese Weise auch mal wieder weg vom Fernsehen, weil ich diesen Mist nicht auch noch mit meinem, individuellen Zeitaufwand unterstützen werde. Immerhin bin ich ja eh schon zu alt für die Quoten-Gurus, die ja nur Menschen zwischen 18 und 49 für vollwertig ansehen, da die TV-Werbung bei diesen noch irgendeine Wirkung entfaltet.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20/06/2015 von in Kultur und getaggt mit , , , .
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