Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

„orange is the new…“ Kack !

Ja, ja, liebe Leser, hier kommt wieder eine Fernsehkritik. Alle, die immer nur Politisches oder Kommentare zum Sport von mir lesen wollen, können jetzt woandershin weitersurfen. Denn ich will mich mal wieder dem Phänomen der unterschwelligen Propaganda in populären US-Unterhaltungsformaten widmen. Dass ich die deutschen Formate mangels Niveau und wegen der fehlenden „Unterschwelligkeit“ der Zeitgeist-Propaganda ignoriere, wissen meine langjährigen Leser ja schon von mir.

PIPER_OITNB2Also. Ich habe es tatsächlich getan und mir die 13 neuen Folgen der US-Frauenknastserie „orange is the new black“ an zwei Tagen hintereinander weg reingezogen. Puh. Eigentlich wollte ich diese dritte Staffel schon nach zwei Folgen wieder „canceln“, aber da ich ja vorhatte, diese Besprechung zu verfassen, habe ich „tapfer“ durchgehalten, obwohl mir der Magensaft so ein oder zweimal in die Speiseröhre kriechen wollte.

Warum habe ich mir gerade diese Serie ausgesucht ? Schwer zu sagen. Sie hat sich über die ersten zwei Staffeln eine stabile Fangemeinde aufgebaut, die in Foren und sonstigen modernen „Treffpunkten“ ihre Meinungen austauscht. Sie ist eine der erfolgreichsten Serien der sogenannten „Streaming-Portale“, in diesem Falle also „Netflix“. Und an ihr kann man auch exemplarisch festmachen, wie die US-TV-Macher ticken. Ich habe das schon mehrfach in diesem Blog getan. Habe mir die Fingerkuppen an der Tastatur wundgetippt, um meinen Standpunkt klarzumachen. Deshalb werde ich meine Hauptkritikpunkte an Film- und Fernsehindustrie, speziell in den USA, hier nicht noch einmal wiederholen. Man kann das ja alles nachlesen.

Da es schnell geht, werde ich eingangs mal schnell die Dinge an „OITNB“ benennen, die man positiv erwähnen kann. Da sind vor allem die Schauspielerinnen, die hier tatsächlich in der Mehrheit beeindruckende darstellerische Leistungen abliefern. Erstaunlicherweise gehört ausgerechnet die Hauptdarstellerin Taylor Shilling nicht mehr dazu. Ihr Spiel gleitet in Staffel 3 ins Chargierende, Überspielte ab und ihre Mimik, die nur noch zwischen „völlig leer“ und „eiskalt bösartig“ hin- und herwechselt, fegt niemanden vor Begeisterung vom TV-Sessel. Ganz im Gegenteil zu „Suzanne“ (ex-„crazy eyes“) Uzo Aduba, deren Figur hier eine deutliche Aufwertung erhält und damit der Darstellerin gestattet, ihrer Rolle eine größere Differenziertheit einzuhauchen. Respekt ! Denn irgendwo ist das schon das Erfreulichste, was über OITNB gesagt werden kann. Ich spare es mir, jetzt jede Rolle durchzugehen und den entsprechenden Darstellerinnen an dieser Stelle Lob und Kritik auszuteilen. Einige wenige wollen sich offensichtlich, wie Taylor Shilling, aus der Serie durch abgrundtief schlechte Leistungen herausspielen, die anderen zeigen einfach nur die „hohe Schule“ der Darstellungskunst. Im Durchschnitt sind die „Performances“ in jedem Falle beeindruckend. Deutsche Seriendarsteller dürfen sich hier gerne das ein oder andere abschauen.

Tja, und darüber hinaus ? Nun, es scheint, als habe die dritte Staffel generell einen etwas „leichteren“, einen unbekümmerteren Grundton, als die Staffeln zuvor. Nicht, dass es an den üblichen, kleinen Blitzlichtern aus dem individuellen Hintergrund einzelner Figuren fehlen würde. Diese liefern ja auch immer die Relativierung ihres Status als verurteilte Kriminelle und Einblicke in die Lebensverhältnisse, welche die jeweilige Figur sozusagen „zwangsläufig“ in Gefängnis gebracht haben. Und hier setzt schon meine erste Kritik an: Wenn allzuviele Figuren Sympathieträger in einer Serie sind, fällt es dem Zuschauer schwer, sich mit den wichtigen Charakteren zu identifizieren. Die hinter dem Projekt „OITNB“ stehende, sehr negative Philosophie, dass ja letztlich alle im Justizvollzugssystem „Opfer“ seien, finde ich zumindest diskutabel. Vielleicht sogar falsch. Diese Philosophie findet ihren Ausdruck nicht nur in den schon beschriebenen Schlaglichtern auf die Insassen, sondern in Staffel drei nun auch in der Auseinandersetzung mit den Wärterinnen und Wärtern. Auch diese Figuren wirken immer mehr wie „Marionetten ohne wirkliche Wahlfreiheit“, die an den Fäden hängen, die „irgendjemand“ oder die „Gesellschaft“ zieht. Plump, allzuoft schon gesehen und hier verleidets mir dann auch endgültig den Spaß. Wenn allzuviele, „antikapitalistische“ und „gesellschaftskritische“ Klischees aneinandergereiht werden, kommt zumindest bei mir schnell eine gewisse Ermüdung auf.

An dieser Stelle könnte ich jetzt die „neuen“ Rollen aus Staffel drei beleuchten, aber auch das wird sicher an anderer Stelle besser und mit mehr Akribie gemacht. Mein nächster Kritikpunkt ist deshalb auch mein größter Punkt: die in Staffel drei wieder besonders deutliche Ablehnung von Religion und speziell der teilweise blanke Hass auf das Christentum, welcher sich in unzähligen Details niederschlägt. (Nur das Judentum kommt immerhin gut weg, der Islam bekommt eine einzige „Ohrfeige“ – Sie wissen, was ich meine – in über 12 h Serienstaffel.) Christen, speziell bibelorientierte Gläubige, kommen bei OITNB nur als Fanatiker vor. Als „Fire and Brimstone“ – Prediger, die allen Sündern mit der Hölle drohen, ihre Kinder anschreien, in ihren Familien ein Klima von Repression und Gewalt schaffen und damit jedermann wahnsinnig machen. Ach, herrje. Wo soll ich denn da mit meiner Kritik anfangen ? Also: Gibt es solche gestrengen Patriarchen und „Bibelprügler“ noch ? Vereinzelt ja, deshalb finde ich deren Erwähnung auch im Unterhaltungs-TV grundsätzlich nicht falsch. Nur entspricht das eben nicht meiner eigenen Erfahrung. Hier kann ich es ja offen zugeben: ja, ich habe einige Zeit in den USA gelebt. Bin dort auch zur Kirche gegangen, habe US-Christen also „in ihrem natürlichen Habitat“ erlebt. Seitdem bin ich auch hierzulande wieder ein Gemeindebesucher und habe mich gezielt mit Sinn und Unsinn des christlichen Glaubens auseinandergesetzt. Mein Fazit: Was da eben leider nicht nur bei OITNB sondern durchgängig in den meisten Unterhaltungsformaten als „Christentum“ präsentiert wird, ist extrem einseitig, grenzt an Verleumdung und ist in jedem Falle ein eklatanter Fall von Gehirnwäsche, die da am Zuschauer vorgenommen wird. Kein Wunder, dass viele, auch liberale und sehr weltoffene Christen in den USA „Hollywood“ für einen diabolischen Sumpf voller Lüge und aggressiver Glaubensfeindlichkeit halten. Umso erfreulicher der Trend, dass sich selbst sehr erfolgreiche Schauspieler immer öfter als Christen „outen“, wie unlängst Chris Pratt von „guardians of the galaxy“. Wie auch immer: ein Christentum, das uns die „gefakte“ Realität der Unterhaltungsshows da vorstellt, kenne ich aus der Realität nicht mehr. Weder hier noch in den USA. Vielleicht gab es das mal vor 200 Jahren, aber jetzt ?

Muss ich noch auf die Lesbenpropaganda eingehen, die bei OITNB von Anfang an eine Rolle gespielt hat und die in der dritten Staffel immer absurdere Züge annimmt ? Zu der dann auch noch eine Männerfeindlichkeit dazukommt, die sogar mir als Frau extremst auf den Keks geht ? Wenn die aggressive „Butch“-Lesbe „Boo“ sich mit der etwas tumben Evangelikalen (ja, Evangelikale wissen, wie man die Zahnbürste benutzt. Wer die Staffel drei kennt, weiß, was ich meine.) Doggett zusammentut, um einen bösen Vergewaltiger zu bestrafen, dann fehlt eigentlich nur noch die Regenbogenfahne und das „wir sind gegen heterosexuelle-weiße-Männer“ Spruchband und die LSBQT-XYZ-Gemeinde zeigt die Folge auf dem nächsten Christopher – Street – Day – Vorbereitungstreffen vor lauter Begeisterung.

Somit: „orange is the new black“ ist ein zweifelhaftes Vergnügen. Wer über die immer gleichen Feindbilder, die hier transportiert werden, hinwegsehen kann und wen dann auch die „wir sind doch alle irgendwie Opfer“ – Philosophie nicht weiter stört, die einen sehr hoffnungslosen Unterton in die zweite Hälfte der Staffel einfügt, welcher den entspannten Grundton der gesamten Staffel versaut, der kann an den lustigen Dialogen, den gut gespielten Charakteren und den schönen, befreienden Szenen (wie der abschließenden Strandszene am See) seine Freude haben. Ich persönlich werde mir aber sicher keine weitere Folge mehr davon reinziehen, sollte eine vierte Staffel uns im kommenden Jahre „beglücken“ wollen. Meine Zeit ist mir einfach dafür zu schade.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17/06/2015 von in Kultur und getaggt mit , , .
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