Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Manifest einer Dinosaurierin, oder: „Über Auflösung und Gleichschaltung“

Sehen Sie, liebe Leser, ich bin weder philosophisch besonders gut geschult, noch hyperintellektuell. Das komplette und fruchtlose „Zerdenken“ von Realität überlasse ich gerne den Profis an den Hochschulen und in den Medien. Soziologen, Politikwissenschaftlern und Talk-Show-Hosts vor allem. Aber selbst einem simplen „Alltagsgemüt“ wie mir fallen gewisse Entwicklungen ins Auge, werden bestimmte Widersprüche unserer Zeitgeist-Ideologie immer deutlicher. 

Liebe Leser, Sie haben sicher nicht erwartet, das ausgerechnet von mir zu hören, aber mir brachte man dereinst noch folgende Wahrheiten bei:

  1. Vielfalt ist etwas Gutes.
  2. Jeder Mensch ist anders.
  3. Im Spannungsfeld des Gegensätzlichen findet Bewegung, findet „Fortschritt“ statt.

So eine Art „Sozial-Taoismus“, aber das wäre an dieser Stelle zu weit gegriffen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Es gibt große und kleine Menschen, junge und alte, Weiße und Schwarze, Männer und Frauen. Alle haben bestimmte Interessen und versuchen, diese zu befriedigen. Eine Gesellschaft muss deshalb auf Interessenausgleich bedacht sein, um den Frieden zu bewahren. Dieser Interessenausgleich lebt ganz wesentlich vom offenen und öffentlichen Diskurs diverser Standpunkte, damit Kompromisse ausgearbeitet werden können. Medien transportieren diesen Diskurs. Der gutinformierte, gebildete Wähler kann dann am Wahltag eine sinnvolle und informierte Wahlentscheidung treffen.

bin ein Dino, nur nicht so schlank

bin ein Dino, nur nicht so schlank

Zugegeben: ein scheinbar etwas willkürlich erscheinendes Sammelsurium von Thesen. Aber darauf basiert mein Welt-, Gesellschafts- und Menschenbild. Viele Lehrer und Freunde, viel Literatur und Diskussion, viel reflektierte Alltagserfahrung hat zur Ausformung dieser Bilder in mir beigetragen. Nun ist ja die These unserer Zeit die, dass Deutschland „bunt“ sei, dass unser Land „Vielfalt“ befürworten müsse und seine Bürger diese zu befördern haben. Auf den ersten Blick möchte ich am liebsten sofort zustimmen. Für echte gesellschaftliche Vielfalt bin ich immer zu haben. Wenn man aber diese öffentlich gepredigte „Vielfalt“ mal genauer untersucht, kommt man als selbstdenkende Zeitgenossin zwangsweise zu dem Schluss, dass wir Bürger hier eine Mogelpackung angedreht bekommen sollen. Ich kaufe sie jedenfalls nicht, aber schauen wir mal genau hin:

Wenn es also, wie meine Eingangsthesen andeuten, tatsächlich so ist, dass eine Gesellschaft ohne Spannungsfelder, die aus Gegensätzen entstehen, „tot“ ist bzw. stagniert und in Rückschritt gerät, dann müssen „offene und freie“ Gesellschaften eben diese Spannungsfelder aufrechterhalten und ihre Gegensätze „pflegen“. Diese goldene Regel aller echten Demokratien findet weder in Euroland, noch in weiten Teilen der restlichen „freien Welt“ konsequente Anwendung. Stattdessen haben uns „Antidiskriminierungsgesetze“, falsch verstandenes „Toleranz“-Geschwafel und „das darf man doch so nicht mehr sagen“ – Knebel fest im Griff. Mal ein Beispiel:

Zu meiner Jugendzeit war Deutschland ein Land mit einer echten, halbwegs ausgewogenen Politlandschaft. Da gab es Rechte und Linke sowie eine breite, bürgerliche Mitte. Wenn in einer politischen „Runde“ damals Protagonisten der diversen Richtungen aufeinandertrafen dann konnte es schon einmal ordentlich „rappeln im Karton“, ohne jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in reine Beschimpfungen auszuarten. Wenn etwa ein Franz-Josef Strauß auf einen Herbert Wehner traf, dann flogen ganz sicher die Fetzen. Waren diese Aufeinandertreffen damals informativer und für den Zuschauer ertragreicher als heutige Quasselshows mit mäßig begabten Politikerdarstellern diverser Parteien ? Nicht immer, aber manchmal waren sie es ganz sicher, weil die „alten Herren“ der bundesdeutschen Politik größtenteils noch über ein gerüttelt Maß an Schul- und Allgemeinbildung verfügten und sich so auch manch hitzige Diskussion noch auf einem gewissen Niveau bewegen konnte.

Davon sind wir nun heutzutage weit entfernt. Je mehr politische Talk-Shows o. ä. Formate aufkamen, desto genauer wurde und wird bis heute auf die Auswahl des „Panels“ geachtet. Besonders umstrittene Themen werden dem geneigten Zuschauer eben zumeist von einer Auswahl bereits fest verorteter Funktionäre von Parteien und Verbänden präsentiert. Die Redaktionen der Formate bemühen sich mit an pathologischer Akribie grenzenden Anstrengungen darum, das am Schluss des Abends entweder das Thema komplett zerredet wurde (indem man z. Bsp. von Anfang an vom Thema abkommt und nie wieder dorthin zurückfindet) oder der „ungewollte, politisch nicht mehr korrekte“ Standpunkt doch ordentlich diffamiert und diskreditiert wurde. Am einfachsten geht dies, wie schon angedeutet, dadurch, dass man z. Bsp. „Rechte“ gar nicht erst einlädt oder sie ungefähr im Verhältnis 1:5 marginalisiert. Damit bleiben argumentativ dann nur noch Varianten einer einzelnen, am liebsten hübsch linken, Grundthese stehen. Notfalls sorgt ein voreingenommener Talkmaster für die „richtige Richtung“ der Diskussion. Mit echter Diskurskultur oder Informationsvermittlung hat dies natürlich schon lange nichts mehr zu tun. Aber angesichts von Journalisten und Medienkonzernen, die sich hauptsächlich als „Volkserzieher“ und nicht mehr als Vermittler von Informationen verstehen, darf man sich wohl nicht wundern. Es bleibt das Themenfazit: Hier werden gesellschaftliche „Spannungsfelder“ publikumswirksam scheinbar abgebaut, werden Verhältnisse zurechtgelogen, die schon seit Jahrzehnten eigentlich ganz anders aussehen. Und wann immer dann etwas Realität sich doch durch die Mauer-Ritzen der political correctness hindurcharbeitet, sind alle Verantwortlichen dann jedes einzelne Mal „so überrascht“. Aha, offensichtlich glaubt man irgendwann den eigenen Lügengebäuden.

Ein weiteres Spannungsfeld, das aus Richtung der politischen Linken im Lande „geschleift“ werden soll, ist natürlich das der Geschlechter bzw. des Geschlechtergegensatzes. Wie lange haben sich Feministinnen, Soziologinnen o. ä. aber eben auch Männer-Rechtler darum bemüht, die Erscheinungsformen und Kampf-Formen im „Geschlechterkrieg“ zu beschreiben, zu definieren und ggf. zu entschärfen. Die Gräben entweder aufzureißen oder zuzuschütten bzw. zumindest ein wenig aufzufüllen. Ja, es gibt zwei Geschlechter der Gattung „homo sapiens“. Im Spannungsfeld dieser Beiden entsteht Leben, entsteht aber auch Kunst wie etwa Liebeslyrik und Bluesmusik. Dieses simple Faktum muss aber scheinbar heutzutage auch „dekonstruiert“ werden und wieder kommt der Virus aus der „linken“ Pestküche bzw. die Abrissbirne vom Unternehmer „Linksgrün und Co.“. Es nennt sich „Gender-Mainstreaming“ und postuliert, dass das Geschlecht beim homo sapiens nur ein gesellschaftliches Konstrukt sei und eben keine (gottgegebene, sorry, folks, bin Christin, konnte an dieser Stelle nicht anders), biologische Wahrheit.

Ach, herrje, jetzt wollen uns diese Judith Butlers und Konsorten auch noch die Liebe, das „Mysterium der Frau (in meiner Sichtweise eher: die Sprachlosigkeit der Männer)“, den amourösen und sonstigen „Geschlechterkampf“ und das herrliche Kribbeln im Bauch wegnehmen. Puh. Das geht ans Eingemachte, weil eben, wie gesagt, im Spannungsfeld von Mann und Frau LEBEN entsteht. Ich persönlich kann leider für durchgegenderte „ich bin ein blauer Schlumpf“ – Geschlechter (Facebook bietet auch schon über 60 davon zur Auswahl beim Eintragen an) keine Zuneingung empfinden, keine Leidenschaft entwickeln für ein menschliches Wesen, dass selbst nicht weiß, ob es „Männlein oder Weiblein“ ist. Da bin ich halt die sprichwörtliche Dinosaurierin, die alle kommenden „Gender-Generationen“ bereits jetzt zutiefst bedauert. Kein Wunder also, dass ich Phänomene wie „die durchgegenderte Bibel“, die bei der EKD derzeit in der Pipeline liegt, „unisex-Toiletten“ in allen öffentlichen Einrichtungen oder gesonderte Badetage für Transsexuelle in öffentlichen Bädern für überflüssig halte. Eine Gesellschaft, die sich mit solchem Quark ernsthaft auseinandersetzt, der vor wenigen Jahren höchstens in einer Satire-Show denkbar gewesen wäre, kann wohl wirklich keine wichtigeren Probleme haben. Gibt es eigentlich belastbare, wirklich unabhängig gew0nnene Zahlen darüber, wie groß der Anteil der „geschlechtlich undefinierten“ Bundesbürger wirklich ist ? Oder eben die der Lesben, Schwulen, Transgenders etc. die jetzt immer unter dem Kürzel LSBTIQ oder so ähnlich zusammengefasst werden ? Man darf davon ausgehen, dass die Zahlen deutlich unter 10 % liegen. Darf eine so kleine Minderheit den öffentlichen Diskurs bis zu dem Punkt dominieren, dass wir tatsächlich an der Grenze des „niemand weiß mehr, ob er/sie männlich oder weiblich ist“ angelangt sind ? Wie gesagt: hier soll ein ganz grundlegendes Spannungsfeld geschleift werden. Und es scheint zu gelingen.

Dann wären da noch viele, andere Spannungsfelder, deren Kontroversen eben seit einigen Jahren nicht mehr ausgetragen werden dürfen. Etwa die möglicherweise unterschiedlichen Interessen von Alteingesessenen und Neuzuwanderern oder die von Säkularisten und Islamverbänden. Wer hier auch nur eine sachliche und offene Diskussion über Themen wie „Zuwanderung“ oder „Islamisierung“ einfordert, bekommt von links den Stempel des „Rassisten“ aufgedrückt und von Muslimen erhält man die obligatorischen Morddrohungen. Fragen wir mal Frau Ayaan Hirsi Ali dazu oder andere. Gesellschaftliche Gegensätze werden geleugnet, zerredet, geschleift bis zu dem Punkt, dass jeder, der sie dennoch thematisieren will, als „Ewiggestriger“ gilt und als „nicht diskursfähig“ dargestellt wird. Auch hier werden wieder Tabuzonen geschaffen, werden Mauern des „das darf aber nicht mehr gesagt werden“ hochgezogen, die eine offene und traditionell diskursive Durcharbeitung dieser und vieler anderer Themen verhindern und damit Verschwörungstheoretikern, Fanatikern und Terroristen Raum geben. Es ist wie bei einer offenen Wunde: wer nur ein dreckiges Tuch draufpackt und dann wegguckt, darf sich nicht wundern, wenn es darunter eitert. Euro-Gegner gegen Eurofanatiker, Isolationisten gegen Interventionisten (Bsp.: Ukraine), Transatlantiker gegen Russland-Ostalgiker es gäbe vieles, was in Parlamenten, Diskussionsrunden, Massenmedien an Kontroversen ausgetragen werden müsste. Wird es aber nicht. Höchstens in Hinterzimmern. Zu unser aller Nachteil. Wir werden stattdessen mit „Newtopia“ (big brother im Grünen), Fussball-Bundesliga, Formel-1 und Musikantenstandl (darf auch gerne „Voice of Germany“ heißen) sediert und derweil hinterrücks politisch gleichgeschaltet. Nie waren die Bundesbürger so zufrieden wie heute…

Zusammengefasst: Ausgerechnet unter in ihr Gegenteil verkehrten Parolen wie „Vielfalt“ oder „Buntheit“ wird echte Vielfalt, wird echte, für eine lebendige Gesellschaft notwendige Kontroverse beschnitten, negiert und verhindert. Kein „Rechts-oder-Links“ (sondern nur noch links) mehr, kein „Mann-oder-Frau“, kein „Zuwanderer-oder-Einheimischer“, „Euro-Gegner-oder-Euro-Enthusiast“, „Schwarz-oder-Weiß“ usw.
Manchmal frage ich mich, wie das „endgame“ der an diesen Entwicklungen beteiligten Sozialingenieure aussehen mag. Geschlechtslose, ohne Heimatgefühl oder politische Verortung praktisch beziehungslose Individuen, die vom „Großen Bruder“ zu so ziemlich allem gebracht werden können ? Zugegeben: ein Horrorszenario, aber ist es so unwahrscheinlich ?

Na, ja, dann freuen wir „Dinosaurier“ uns eben darüber, dass wir NOCH rechte oder linke Frauen oder Männer seien dürfen, die ihre Heimat mögen oder hassen und die auch NOCH die Möglichkeit haben, sich ihre Religion, ihre bevorzugten Parteien, Fussballvereine, Sportarten, Autoren, Musiker, Maler, TV-Formate etc. selbst auszusuchen. Unsere Kinder und Kindeskinder werden all diese Möglichkeiten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr haben. Denn Dinosaurier sterben eben aus.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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