Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

„outdoor (wo-)men“ – wie Fernsehunterhaltung auch geht

Liebe Leserinnen und Leser, Sie wissen es ja: ich lästere hier im Blog gerne über (in meinen Augen) schlechte TV-Unterhaltung. Sowohl in den USA als auch hierzulande, wobei ich mich zugegebenermaßen mit US-Serien deutlich besser auskenne. Soweit, so bekannt. Auch in den sozialen Netzwerken oder im privaten Umfeld mache ich aus meiner Enttäuschung über simples und/oder allzu politkorrektes im TV-Unterhaltungsbereich keinen Hehl. Deshalb freue ich mich darüber, wenn es noch das ein oder andere „zarte Pflänzchen“ erträglicher, familienfreundlicher Shows gibt. Von einem dieser Pflänzchen handelt dieser Beitrag…

last_man_standing_0Ich bin eigentlich ein sentimentaler Mensch. Tief im Inneren beurteile ich viele Dinge eher „aus dem Bauch heraus“ und kann meine Einschätzungen oft erst nachträglich rationalisieren. Da geht es mir sicherlich so, wie vielen anderen Zeitgenossen, insofern finde ich das auch weder ungewöhnlich noch gar bedauerlich. Warum ich überhaupt auf diese Tatsache hinweise, werden Sie vielleicht gegen Ende dieses Beitrages verstehen. Ich wollte es nur schon einmal vorausgeschickt haben.

Auch, dass ich überhaupt ein bischen dazu neige, ein „TV-Junkie“ zu sein, dürfte regelmäßigen Lesern dieses Blogs, Freunden und Bekannten nicht unbedingt neu sein. Meine hohe Affinität zu US-Unterhaltungsformaten, die ich ganz generell für sowohl besser produziert, als auch besser gespielt halte, als deutsche Serien, sollte sich ebenso mittlerweile herumgesprochen haben. Und dennoch finde ich auf „beiden Seiten des großen Teiches“ viel Kritikables, viele Entwicklungen, die mir ganz persönlich den abendlichen TV-Genuss spürbar vermiesen können. Warum etwa muss wirklich JEDES Unterhaltungsformat einen Quotenschwulen haben ? Bei bestimmten Themen oder in bestimmten settings macht das zwar Sinn, in anderen wirkt es jedoch aufgesetzt und bemüht „politisch korrekt“.

Bevor jetzt wieder Zeitgeist-Apologeten aus dem Busch gesprungen kommen und mir „Homophobie“ o. ä. vorwerfen, sei gesagt, dass mir durchaus bewusst ist, wie sehr TV-Formate auf Zielgruppen zugeschnitten werden und wie intensiv vor allem aus der Politik Vorgaben gemacht werden. Das glauben Sie nicht ? Dann schauen Sie sich mal die Voraussetzungen für die Film- und Fernsehförderung in Großbritannien an. Wer da nicht mindestens 2-3 „Minderheiten“ im Drehbuch aufzuweisen hat, die natürlich ausschließlich positiv dargestellt werden dürfen, bekommt keine „Staatsknete“. Und glauben Sie mir: so manches Machwerk unserer Tage (nicht nur in Großbritannien) hat dieses Geld dringend nötig, weil sich kein vernünftiger, privater Investor mit diesem Murks identifizieren mag. Und ähnliche Richtlinien und „freiwillige Selbstkontrollen“ (anderes Wort für Selbstzensur oder „Schere im Kopf“) gibt es überall in der westlichen Welt.

Wie „schön“, dass es das in der arabischen (und türkischen, nachträgliche Einfügung) Welt nicht gibt. Da dürfen im TV und Kino noch Schwule geprügelt, Frauen verstoßen und natürlich Juden gehasst werden. (Ich hoffe, Sie haben die zynische Ironie an den Anführungszeichen über „schön“ erkannt, aber sicherheitshalber, für die halbgebildeten Zeitgeist-Anbeter, die hier vielleicht in böser Absicht mitlesen, sei es gesagt: Nein, keine der im Eingangssatz dieses Absatzes genannten Praktiken befürworte ich. GANZ IM GEGENTEIL !) Aber das hier auszuführen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Es gilt, zum Thema zurückzukehren: ja, in Deutschland, den USA, Großbritannien und anderenorts wird mit Unterhaltungsformaten, speziell TV-Serien, auch Politik gemacht. Oftmals unterschwellig, mit suggestiver Symbolik etc. Darauf habe ich bei anderer Gelegenheit schon hingewiesen. (Und zwar sowohl hier, als auch hier. Mit einer Ergänzung für die „Nachrichtenmedien“ in Deutschland hier.) Es geht aber auch anders. Offener, unterhaltsamer und dennoch recht pluralistisch. Sie werden es vielleicht für lächerlich halten, aber ich lerne in diesem Kontext die US-Serie „last man standing“ immer mehr schätzen. Warum ist das so ?

Dafür muss ich ein kleines bischen ausholen und meine Einschätzung der US-TV-Landschaft (-Branche) kurz wiederholen: diese ist, was die Top-Unterhaltungs-Serien angeht, nämlich alles andere als vielseitig. Im Nachrichten-, oder Kommentarbereich mögen sich regional bedingt und auch politisch viele „bunte Vögel“ finden, die ihre Ansichten publizieren. Mit mehr oder weniger Erfolg. Aber immerhin sind von der nationalkonservativen „tea-party-Bewegung“ bis zu den notorischen „eine-Welt-Baumschützern“ und Antikapitalisten so ziemlich alle Gruppen publizistisch vertreten und damit alle Meinungen irgendwie abgedeckt. Ich habe sogar einen fundamentalen (ich sage nicht „-istischen“) Christen gefunden, der regelmässig patriotische Kommentare über sein Land abgibt. Hierzulande völlig undenkbar, was auch Bände über die Bandbreite der „zulässigen, bzw. hilfreichen“ Meinungen in Deutschland spricht.

Die hier mal kurz und knapp (und nur teilweise zutreffend, sorry) als „Hollywood“ zusammengefasste Unterhaltungssparte der Networks, Kabel-Sender und Streaming-Anbieter ist jedoch von einem derartigen Pluralismus weit entfernt. Hier regiert die Linke, hier regiert die political-correctness und hier wird, teils unterschwellig, der Zuschauer „in die richtige Richtung“ dirigiert. Ich würde es, altmodisch wie ich bin, noch immer Manipulation nennen. Beispiel gefällig? Nun, die Folgen der in den USA (hierzulande nicht so sehr) erfolgreichen CBS-Serie „the good wife“, die in den Monaten vor der Wiederwahl Obamas gesendet wurden, hatten nicht zufällig Themen, die sich mit der Agenda des demokratischen Präsidenten deckten. Oder glaubt jemand von Ihnen, liebe Leser, dass die im Herbst 2014 ebenfalls bei CBS angelaufene Serie „Madame Secretary“ keine indirekte Propaganda für die mögliche Präsidentschaftskandidatur Hillary Clintons bei den Demokraten ist ? Denn hier werden die „Leiden und Leidenschaften“ einer Außenministerin recht lieblich dargestellt. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Vorbildern sind natürlich REIN ZUFÄLLIG ! (Wer´s glaubt, wird nicht selig, sondern nach Strich und Faden manipuliert. Und das noch dazu in einer Offensichtlichkeit, die vor der Obama-Administration in den USA unbekannt war bzw. als stillos galt.) Zur Ehrenrettung des US-TVs sei gesagt, dass selbst manche politkorrekte Schmonzette dort noch ein erstaunliches Niveau erreicht und unter innerem Protest und Zähneknirschen ab und an noch als „erträglich-grenzwertig“ konsumiert werden kann.

Und dann haben wir da noch den „guten, alten Tim Allen“. Wer könnte sich nicht an diesen Schauspieler in seiner Rolle als „Heimwerker-King Tim Taylor“ in „Hör mal wer da hämmert/home improvement“ erinnern ? Ein liebenswert-ignoranter Bastler, der immer gerne alle Dinge „selbst in die Hand“ nahm und dabei eben allzuoft scheiterte, wenn er keine Unterstützung von seinem Kollegen Al Borland (gespielt von Richard Karn), seinem Nachbaren Wilson Wilson (Earl Hindman) oder seiner Familie bekam. Auch hierzulande hatte dieser liebenswerte Tolpatsch Tim Taylor viele Anhänger gefunden, ich erinnere mich an lange Diskussionen z. Bsp. in meiner damaligen Kirchengemeinde über „Tim Taylors“ neuesten Blödsinn. Ach, die seligen 90er…

"Mike Baxter" mit seinen zwei ältesten Töchtern Kristen und Mandy

„Mike Baxter“ mit seinen zwei ältesten Töchtern Kristen und Mandy

Genug der Nostalgie. Denn das US-Network ABC schickte Tim Allen im Jahre 2011 wieder ins Rennen. Diesmal als „Mike Baxter“ in der Serie „last man standing“, die einen Teil ihres Humors eben der Tatsache verdankt, dass er diesmal nicht, wie einst bei „home improvement“, den Vater dreier munterer Söhne spielt, sondern diesmal den Vater dreier ebenso munterer, wie unterschiedlicher Töchter. Damals war die Rolle seiner Ehefrau in der bedauernswerten Familien-Minderheit, jetzt ist es seine Rolle, der schon erwähnte Mike Baxter. Ob man dabei schon von einem Zeichen der Emanzipation im US-Fernsehen reden darf, oder gar von einer „Machtübernahme der Frauen“ (angesichts vieler starker, weiblicher Charaktere in US-Serien kann man auch in diese Richtung argumentieren, Bsp.: „Homeland“ – Carrie, „the good wife“ – Alicia, „once upon a time“ – Emma), sei dahingestellt. In jedem Falle sind sowohl Cast als auch das Setting der Show in meinen Augen so gut gewählt, dass allein schon hier das Zuschauen empfohlen werden kann. Einmal nicht in den Ballungszentren New York, L.A. oder Chicago angesiedelt, sondern im eher beschaulichen Denver (hier erinnert man sich tatsächlich an „Tim Taylors“ Heimatort Detroit, auch keine Metropole), sehen wir hier einer Mittelschicht – Familie beim Bewältigen des Alltages zu.

In gewisser Weise ein altmodischer Ansatz, aber die typische „familienfreundliche“ Unterhaltung der Vergangenheit hatte durchaus ihren Reiz und das Bewahren desselben finde ich aller Ehren wert. Wer erinnert sich nicht an die „Cosbys“, die schon erwähnten „Taylors“, an „Steve Urkel“ und seine Gang oder an die quasselstrippigen „Gilmore Girls“ ? Ja, ich breche hier für die Familienshow eine Lanze. Und dieses Genre wird eben auch von „last man standing“ am Leben gehalten. Und man kann dieser Show keinesfalls vorwerfen, völlig an der Tagespolitik in den USA vorbeizugehen. Eher im Gegenteil. In der Folge „voting“ wurde z. Bsp. auch ganz offen über die damals bevorstehende Präsidentschafts-Wahl in den USA diskutiert. Die Familienangehörigen nahmen dabei unterschiedliche Standpunkte ein und warben um die eher unpolitische „mittlere“ Tochter von „Mike Baxter“, Mandy Baxter.

Und genau hier kann man den erfrischenden Unterschied zwischen „Madame Secretary“, „the good wife“ o. ä. einerseits und „last man standing“ andererseits erkennen: in dieser Sendung wird OFFEN Tagespolitik thematisiert. Werden von verschiedenen Familienmitgliedern ganz offen unterschiedliche Standpunkte verbalisiert und verkörpert. Am Ende steht es dem Zuschauer offen, sich mit den geäußerten Standpunkten, mit den Argumenten selbst auseinanderzusetzen und sie im privaten Bereich weiter auszutauschen oder auch nur ganz persönlich für sich selbst zu werten und zu verarbeiten. DAS ist gutes Fernsehen. Denn die Drehbuchautoren (, die natürlich, ganz „Hollywood“, tendenziell die besseren Argumente den linksdrehenden Charakteren in den Mund legen und Gegenstandpunkte eher oberflächlich abhandeln) haben letztlich für den Zuschauer ergebnisoffen geschrieben. Sie suggerieren nur sehr schwach (indem sie die Figur der Mandy letztlich Obama wählen lassen), wo ihre eigenen Sympathien liegen, ohne jedoch den von der Figur Mike Baxter und der jüngsten Tochter Eve Baxter verkörperten konservativen Standpunkt zu diskreditieren oder gar zu diffamieren. Können Sie sich das noch in einem deutschen „Tatort“, in der „Lindenstraße“ oder ähnlichen Formaten vorstellen, liebe Leser ? Ich nicht mehr. Da herrscht längst der rot-grüne-Mulitikulti-Zeitgeist. Bis zum Erbrechen. Oder bis zum Abschalten halt. Hab ich getan, empfehle ich bei derartigem Murks auch weiter.

Und auch in den USA ist solch eine Ausgewogenheit längst die wohltuende Ausnahme, ich habe oben schon darauf hingewiesen. Die Charaktere in „last man standing“ weisen eine derartige Vielfalt auf, ohne dass irgendein Standpunkt grundsätzlich diskreditiert wird, dass ich Ihnen, liebe Leser mal kurz die Hauptfiguren vorstellen möchte.

  • Da ist der schon erwähnte Mike Baxter (Tim Allen), der als Geschäftsführer einer „Wildnis“-Ladenkette namens „outdoor-man“ auch gerne seine eigenen Promo-Videos für die Webseite des Unternehmens dreht. Diese Video-Filme würzt er dann gerne mit kleinen Erkenntnissen aus dem Alltag, seiner tiefen Abneigung gegen die Obama-Administration und massiver Werbung für Produkte des Ladens. Er ist grundsätzlich konservativ, ein bischen zynisch ab und an, lässt sich aber, als einziger „Hahn im Korb“ auch von seinen „vier Mädels“ schon mal zu Dingen überreden, deren Sinn nur sie erkennen können. Er ist (und darin ähnelt er eben dem „Tim Taylor“) kein reaktionärer Familien-Patriarch, sondern mehr ein „post-patriarchaler“ Mann, der weiß, wann er auf verlorenem Posten steht und dennoch an seinen möglicherweise überholten Überzeugungen festhält.
  • Dann ist da noch seine Ehefrau Vanessa Baxter (kongenial von Nancy Travis gespielt), die im Kontext der Familie mehr oder minder auf Ausgleich der Positionen ihrer dickköpfigen Familienangehörigen bedacht ist. Als Geologin, die später ins Lehrfach wechselt, gehört sie zur intellektuellen Oberschicht des Landes, hat vermutlich eine bessere Ausbildung als ihr Mann und bewegt sich unter „Maulwürfen“, die ihre Zeit hauptsächlich mit dem Erforschen des Erdgesteins verbringen. Aus diesen Kreisen bringt sie auch eine gehörige Portion sozialen Kompetenzmangels mit, den sie permanent mit dem Nachhächeln hinter dem politkorrekten Zeitgeist zu kompensieren versucht. Ihr Umgang mit den afro-amerikanischen Nachbarn der Baxters, der Familie Larabee, ist hierfür symbolisch zu sehen. Sie überschlägt sich in selbstgesetzten Sprach- und Denkverboten, die von den Larabees natürlich mühelos durchschaut werden, zumal diese Verbote sich in ihrer Absurdität oftmals selbst als gekünstelt desavouieren. Mehr als einmal bremst sie jedoch mit ihrer rationalen Art den spontaneren Mike aus, wenn er sich wieder in irgendetwas verrennt.
  • Dann wäre da der Schwiegersohn von Mike Baxter, Ryan Vogelson (Jordan Masterson). Kanadier, was für konservative Amerikaner so etwas darstellt, wie einen Eskimo (sorry, sagt man jetzt „Inuit“ ?) oder einen sonstigen Angehörigen eines merkwürdigen Randvölkchens. Ryan ist der klassische „treehugger“, ein Zeitgeist-wellenreitender Linker, der gegen so ziemlich alles ist, was man mit „Big“ umschreiben kann (bis auf „Big-government“ natürlich): „Big Military“, „Big Pharma“, „Big Business“ etc. Allerdings hat er einen Sohn mit Mike Baxters ältester Tochter Kristen, weshalb er manchmal zähneknirschend Kompromisse mit dem „Big Business“ oder auch bei der Erziehung machen muss, um für sich und Boyd gut zu sorgen. Er liefert sich die heftigsten Streitgespräche mit seinem Schwiegervater, verrennt sich dabei aber oftmals in der Orthodoxie der Gut- und Bessermenschen und in seiner eigenen Halsstarrigkeit.
  • Dieser Ansatz wird aber von seiner Partnerin Kristen Baxter (seit Staffel 2: Amanda Fuller), die im Prinzip zwar ähnlich denkt wie Ryan, immer wieder abgemildert. Dies, um einen Bruch mit ihrem Vater Mike zu verhindern und vor allem, weil Kristens Lebensphilosophie pragmatischer ist, als die von Ryan. Sie, die eben als Mutter und selbstbewusste Frau des 21. Jahrhunderts den Spagat zwischen einer (links-zeitgeistigen) Weltanschauung und den Erfordernissen der alltäglichen Arbeitswelt hinbekommen will, federt Ryans und Mikes allzu männlich-dominiertes Zwölfender-Gehabe oft genug etwas ab, ohne deshalb einen Zweifel daran zu lassen, dass sie ihrem Partner letztlich aber zustimmt, weil sie dessen Weltsicht teilt. Mich würde es nicht wundern, wenn sich ein großer Teil der Drehbuchautoren und Zuschauer mit Kristen identifizieren würden, da sie eben nicht gar so holzschnittartig daherkommt, wie ihre beiden Schwestern Mandy und Eve.
  • Womit wir schon bei Mandy Baxter (Molly Ephraim) wären. Sie ist in gewisser Weise die „Frohnatur“ im Hause Baxter, wenn auch nur, weil sie so egozentriert und ignorant ist, dass sie alles ausblendet, was dieser Fröhlichkeit im Wege stehen könnte. Als permanente „Fashion-Queen“ macht sie erstaunlicherweise ihren eigenen Weg in der Nachfolge Mikes, als sie ihr eigenes, kleines Modelabel gründet und somit selbständig wird. Und hier liegt das Interessante an der Figur der Mandy: man erwartet von ihr als Zuschauer vielleicht am wenigsten, weil man diese Charaktere bereits in unzähligen, weiteren Shows gesehen hat. Das „all-american-girl“ mit mangelhafter Bildung, einem schier unbegrenzten Ego und einer Oberflächlichkeit, die eine Regenpfütze wie den Marianengraben erscheinen lässt. Und dennoch überrascht gerade Mandy Baxter uns immer wieder. Sie ist die erste, die sich wirtschaftlich auf eigene Füße stellt. Ihre Partnerwahl kann man nur vorsichtig als „ungewöhnlich“ bezeichnen (sie ist seit Staffel 2 stabil mit dem gutmütigen Serien-Tölpel Kyle Anderson (Christoph Sanders) liiert) und oftmals ist sie diejenige der Baxters, die bereit ist, ihre Vorurteile/ihre Weltsicht am schnellsten ad acta zu legen, wenn es darum geht, jemandem konkret zu helfen, den sie mag. Ihre Selbstbezogenheit bekommt also oftmals gerade dann Risse, wenn der Zuschauer es nicht unbedingt erwarten kann und deshalb wird Mandy nie wirklich unsympathisch.
  • Und dann wäre da noch Papas Lieblingstochter, Eve Baxter (Kaitlyn Dever). Sie ist letztlich so eine Art permanenter „Tomboy“, eine Sportlerin, Militäranwärterin, noch weit zynischer als ihr Vater und möglicherweise auch noch konservativer als er. Sie kaschiert ihre Intelligenz und ihr gutes Herz hinter einer Art lässig-herablassender Haltung gegenüber ihren Schwestern, einer kumpelhaften Haltung zu ihrem Vater, der sich das meist gerne gefallen lässt und einer gewissen, hochmütigen Distanz zum anderen Geschlecht. Hart auf hart gefordert, solidarisiert sie sich aber doch fast immer mit den Schwestern, notfalls auch gegen die Eltern. Ein Typus wie ihrer ist z. Bsp. hierzulande undenkbar zu zeichnen, weil nur als „unsympathisch“ denkbar, wie unlängst auch eine recht bekannte Webseite einmal andeutete, die sich in deutscher Sprache ausschließlich mit TV-Serien befasst. Dort wollte man unter der Rubrik „TV-Rollen, die man folgenlos abschaffen kann“ eben diese Eve Baxter weghaben. Ich gestehe, hier habe ich eine andere Ansicht, da der kalte, messerscharfe Witz von Eve eben das ganze Gutmenschengetue etwa von Ryan und Kristen wirkungsvoll konterkariert und diesen dennoch eine Bühne für mehr oder minder treffende Repliken gibt. Sie ist eben wie ihr Vater „Mike Baxter“, nur noch direkter, ehrlicher, schneller im Witz und vielleicht etwas bitterer, weil eben Mike durch die Gnade der Lebenserfahrung weiß, wann er einen Streit nicht gewinnen kann, muss oder will.

Und dennoch haben letztlich alle Baxters ein „gutes Herz“ und helfen, wenn Hilfe nötig ist. Dies ist der sentimentale, der weiche Kern dieser Show, welcher sie mir so ungeheuer sympathisch macht. Hier liegt der Grund, warum ich Sie, liebe Leser, anfangs davon in Kenntnis setzte, dass ich ganz tief im Inneren sentimental bin. Vielleicht sogar ein winziges Bischen Harmonie-süchtig. All diese durchaus kontroversen Charaktere im Hause Baxter finden, ganz TV-konform, dann doch über kurz oder lang einen vorläufigen Kompromiss und so sendet „last man standing“ eben auch eine metapolitische Botschaft aus, die ich ungefähr so umreißen möchte: „Wir in den USA haben sehr diverse Ansichten zu vielen, vielen Dingen, aber, wenn es notwendig ist, reißen wir uns zusammen und halten gemeinsam durch.“ Eine im wahrsten Sinne des Wortes „bunte“ Botschaft. Während eben politkorrekte Sendungen immer einen konkreten, politischen Standpunkt favorisieren und diesen dem Zuschauer sozusagen nur noch zur Akklamation vorlegen.

Die gelegentlich geäußerte Kritik an „last man standing“, diese Serie sei wieder einmal „zu weiß“ und ihr Setting sei eben wie viel zu oft in der Vergangenheit auch im gutbürgerlich-weißen Mittelwest-Amerika angesiedelt, mag zwar nicht ganz unberechtigt sein, aber auch diese ethnische Gruppe will sich ja im „Obamerica“ unserer Tage irgendwie repräsentiert sehen. Immerhin, wie schon zuvor angedeutet, ist mir das hochgradig politunkorrekte Geschnatter etwa von Mike und Eve Baxter, welches sofort von Kristen und Ryan mit den hierzulande allzubekannten Phrasen konterkariert wird, allemal lieber, als die Suggestivbilder und -posen vieler anderer Serien, wo unter dem Deckmantel der Unterhaltung der Zuschauer manipuliert werden soll. Diese Art der „Heckenschützen“-Politisierung (wo sich Autoren und Produzenten dann notfalls hinter Pseudoargumenten verstecken können, wenn man ihre Manipulation als gar zu offensichtlich dann doch einmal entlarven und kritisieren sollte), wie sie auch hierzulande nicht völlig unbekannt ist, verleidet mir so manchen TV – Abend und hat schon dazu geführt, dass ich mich von bestimmten Serien völlig verabschiedet habe. Was mir bei „last man standing“ sicher nicht passieren wird, auch wenn diese Show hierzulande etwas stiefmütterlich zu „Pro7Maxx“ abgeschoben wurde. Als DVB-T-Nutzer, der Pro7Maxx aber empfangen kann, genieße ich die Show, so lange sie eben dauern wird. Denn, es sei, um nicht allzuviel Hoffnung auf eine Zukunft dieses Formats aufkommen zu lassen, gesagt, dass Mike Baxter und seine Familie wohl die vierte Staffel nicht überstehen werden, wie es derzeit aussieht. ABC sieht wohl keine gute Entwicklung in den Quoten. Sollte das so sein, dann also:

Goodbye „outdoor man“ und „outdoor family“ Baxter. Ihr habt mir gezeigt, was mit etwas gutem Willen, dem nötigen know-how und fähigen Autoren noch an TV möglich wäre. Ich werde euch in Erinnerung behalten, wenn die linke, rotgrüne Soße auch aus den USA wieder abendfüllend und monoton jeglichen Humor im Keime erstickt und uns Gehirn-waschend in Telezombies des Pippi-Langstrumpf-Nirvanas namens „bunter Republik“ verwandeln will.

Eure

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 04/03/2015 von in Kultur, Zeitgeist und getaggt mit , , , , , .
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