Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Was wir Normalbürger aus dem „Charlie-Hebdo“-Anschlag lernen können

Der Anschlag auf die linke Brachialsatire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris hat viele Zeitgenossen erschüttert, viele Menschen „betroffen gemacht“ (Standardphrase) und zu massiven Solidaritäts-Adressen und sogar -kundgebungen mit Frankreich geführt. Soweit, so gut. 

charlie-hebdo-charia-etcAber all dies findet mehr oder minder auf einer primär politischen, diplomatischen Ebene statt. Sozusagen routiniert-rituell werden die Phrasen und Handlungen abgespult, die eben in solchen Situationen erwartet werden. Dagegen ist auch eigentlich gar nichts zu sagen. Die Medien sind immerhin zum ersten Male nach einem islamistischen Anschlag in Europa auch so richtig betroffen, weil Kollegen die Opfer waren und man in den Redaktionsstuben von Dublin bis Kiew die Einschläge näher kommen hört. Der Mord an zwei US-Soldaten in Frankfurt, die toten Café – Besucher von Sydney, der zerstückelte Soldat in London oder die hingemetzelten Museumsbesucher von Brüssel hatten dazu noch nicht genügt. Das sagt schon einiges über die Gedanken- und Gefühlswelt unserer Journalisten aus, ist aber letztlich immer noch erklärbar, wenn auch nicht unbedingt schön.

Was aber wirklich zu denken geben sollte, ist die „zweite“ Reaktion manch hochrangigen Journalisten und Politikers auf die schrecklichen Bilder aus Paris. Fast schon „natürlich“ wurden sowohl die von „Charlie Hebdo“ publizierten, auch dem Islam eine witzige Seite abgewinnenwollenden Karikaturen als auch die dafür verantwortlichen Redakteure mit in die Pflicht für ihre eigene Ermordung genommen. Sozusagen unter der Überschrift „selbst Schuld, ihr Provokateure“ nahm man die Täter aus der Verantwortung. Vor allem deshalb, um nicht über ihre religiöse Motivation und ihren islamischen Hintergrund diskutieren zu müssen. Das kann man getrost mit der absurden Haltung vergleichen, nach der Frauen, die in allzu freizügigen Kleidern herumlaufen, an ihrer eigenen Vergewaltigung Schuld seien. Die Männer, die ihnen das antun, „konnten ja nichts dafür, sie wurden ja provoziert“. Aha.

Und selbstverständlich ist PEGIDA an allem Schuld ! Oder zumindest ebenso gefährlich wie systematisch mordende Banden mit automatischen Waffen und Raketenwerfern. Sozusagen Bachmann als bin-Laden und seine Anhänger als „Boko Haram“ zu bezeichnen, scheint in den Redaktionen zum guten Ton geworden zu sein. FAZ, FR und sogar die Hamburger FDP (ist das „F“ ein Symbol für geistige Verwirrung ?) schlagen in diese Kerbe und finden, dass Islamkritiker und ihre Sympathisanten garantiert demnächst mit Granaten, Sprengstoffgürteln und Schusswaffen in deutsche Moscheen eindringen und Asylbewerber-Unterkünfte stürmen werden. Aha. Ich persönlich sehe das nicht kommen, aber ich sitze ja auch nicht im Elfenbeinturm der Wohlinformierten.

Nun, ich war eigentlich kein großer Anhänger der populär-philosophischen These vom „Wer immer dasselbe tut und andere Ergebnisse erwartet, gilt klinisch gesehen, als wahnsinnig“. Inzwischen denke ich aber, dass vielleicht doch etwas dran sein könnte. Wer auch nach dem jüngsten Charlie-Hebdo-Anschlag noch immer und immer aufs Neue das platte Mantra des „Islam ist Frieden“ als Banner vor sich herträgt, muss das langsam aber sicher mal erklären. Oder als wahnsinnig abgeschrieben werden. Welche Art von Frieden soll das denn sein, wenn er aus den Läufen von automatischen Waffen kommt ? Derjenige, den auch Rosa-Luxemburg dereinst „aus Gewehrläufen“ kommen sah ? Absurd. Friedhofsruhe ist nämlich kein Frieden.

In diesem Sinne sollten wir Wahlbürger uns genau ansehen, wer hierzulande am Rande des Wahnsinns entlangtingelt und ggf. dessen Medienprodukte nicht mehr konsumieren. Bei Politikern, die in diese Richtung argumentieren, sollten wir die politische Reife aufbringen, uns zu merken, was in der Folge dieses Terror-Aktes gesagt und publiziert wurde. Wenn der Grad der Realitätsverleugnung dann das allgemein übliche Maß überschritten hat, hat man ja die Möglichkeit, eine „informierte Wahlentscheidung“ zu treffen, sobald der nächste Wahlgang ansteht. Hoffentlich hält unser Gedächtnis so lange und wird nicht wieder von alten Anhänglichkeiten oder wertlosen Wahlkampf-Versprechungen verschüttet. Wer wirklich PEGIDA mit Islamterror gleichsetzt oder gar dafür verantwortlich macht, gehört nämlich ganz sicher nicht an die Schalthebel dieser Republik. Und wir können das noch beeinflussen.

In diesem Sinne: wir sind zwar nicht alle „Charlie“, aber wir können die Freiheit der Presse, Dinge zu publizieren, die islamischen Radikalen nicht gefallen, noch verteidigen. Zugegeben: als Franzose hätte ich sicher „Charlie Hebdo“ nicht gelesen. Für mich zu links, zu brachial-humorig. Aber ihr Recht, zu publizieren, was sie wollen, ohne Rücksichten auf Islamisten nehmen zu müssen, kann man dennoch unterstützen. Gemäß des alten Voltaire-Zitats: „Ich mag zwar nicht mögen, was du sagst, aber ich werde bis aufs Blut dein Recht verteidigen, es zu tun.“
Unsere, deutsche Medienlandschaft scheint im Hinblick auf Rückgrat leider schon verloren zu sein, wenn ich mir beispielsweise das Gegenstück zu „Charlie Hebdo“, die „Titanic“ angucke, die um nichts in der Welt eine Mohammed-Karikatur abdrucken würde. Ebenso übrigens wie beinahe sämtliche Tageszeitungen dieser Republik (ja, die Titelseite der B.Z. am 08. Januar 2015 ist mir bekannt: Ausnahmen bestätigen die Regel 🙂 ). Schützt die Schere im Kopf aber langfristig wirklich vor der Kalaschnikow am Bauch ?

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Wer in der deutschen Medienlandschaft hat eigentlich den muslimischen Polizisten Achmed Merabet, der von den „Charlie Hebdo“-Terroristen ermordet wurde, gewürdigt ? Er ist stellvertretend der bestens integrierte Zuwanderer, der von unseren Politikern sonst immer so gerne als Beispiel für gelungene Zuwanderung angeführt wird. Zusammen mit den vom Dschihadisten Mohammed Merah vor ein paar Jahren ermordeten, afrikanisch-stämmigen, französischen Soldaten, sollte man hier anfangen, zwischen der „guten“ und der „missglückten“ Integration und Zuwanderung zu unterscheiden. Deutlicher geht´s nämlich gar nicht. Denn Achmed Merabet verteidigte das Recht der Presse, auch seinen eigenen Glauben zu karikieren.

UPDATE vom 11. Januar 2015:
Wie es scheint, hat es am 10. Januar 2015 einen Brandanschlag auf das Archiv der Hamburger Morgenpost gegeben, die es nun eben DOCH „gewagt“ hatte, einige Charlie-Hebdo-Karikaturen abzudrucken. Gehen wir mal (rein hypothetisch, hüstel) davon aus, dass dieser Anschlag NICHT von bösen PEGIDA-Leuten, Hooligans oder Neonazis verübt worden ist. Was lernen wir dann daraus ? Richtig, 2011 gab es bereits einen Brandanschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo in Paris. Nachdem sie Mohammed-Karikaturen abgedruckt hatten. Damals kamen NOCH keine Menschen zu Schaden. Es fängt also mit Brandanschlägen an und kann dann mit Kalaschnikows und Raketenwerfern weitergehen. Schließlich gibt´s ja auch in Deutschland ISIS-gestählte Dschihadisten für solche Drecksarbeit. Wenn´s also aussieht wie Islamterror, riecht wie Islamterror und sich so anhört….dann war es bestimmt der Herr Bachmann, der aus Dresden über die Elbe gesegelt kam. Frau Merkel wird sicher die „Kälte“ in seinem Herzen als Beweis dafür gelten lassen…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10/01/2015 von in clash of civilizations, Kultur, Zeitgeist, Zustand der Nation und getaggt mit , , , , .
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