Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Kann der Western wiederbelebt werden ? Eine Filmkritik

Sie wissen es mittlerweile, liebe Leser, ich bin eine echte TV- und Kinofanatikerin. Gute Unterhaltung in der „Flimmerkiste“, im Kino oder auch über das Netz „gestreamt“ steht bei mir hoch im Kurs. Bin halt ein Kind der ersten oder zweiten TV-Generation im Lande und die Faszination der Kinder- und Jugendtage hält auch im fortgeschrittenen Lebensalter noch an. Dafür entschuldige ich mich nicht. 

royalty-free-sheriff-clipart-illustration-94547Entschuldigen sollten sich aber so manche Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren unserer Tage. Denn mit der Menge guter Filme, die ich im Laufe meines Lebens gesehen habe, wuchs mehr oder minder unbewusst auch mein Qualitätsempfinden und das Unterscheidungsvermögen von handwerklich gut gemachtem und inhaltlich solidem zu lieblos und gar zu opportunistisch dahergewurstelten Machwerken. Nicht dass ich mich selbst zu den echten „Filmkennern“ zählen würde, den bezahlten und privaten Fachleuten, die jede Einstellung eines Filmes en detail auf ihre Schwächen hin analysieren können, aber gewisse Maßstäbe habe ich mir schon zugelegt. Und die sind nicht einmal sehr hoch, eigentlich.

Langer Vorrede, kurzer Sinn, vor wenigen Tagen erst hatte ich das durchwachsene Vergnügen, mir einen dieser „Neo-Neo-Western“ unserer Tage anzuschauen. Eine online-Filmkritik, die recht positiv ausfiel, verleitete mich dazu. Meine Schuld.
Ja, das Western-Genre mag ich ja eigentlich ebenfalls. Knallharte Kerle irgendwo im (fast immer landschaftlich schön eingefangenen) Nirgendwo, die ihre Vorstellungen von „Recht und Ordnung“ durchsetzen. Das hat etwas archaisch-brutales, das spricht sowohl unsere im Alltag gar zu oft desorientierte und verschüttete Individualethik an, als auch unsere Sehnsucht nach „einfacheren Zeiten“, die in vielen von uns schlummern mag. Deshalb waren und sind diese Geschichten so erfolgreich. Nun hat sich 2013/14 der Däne Kristian Levring daran gemacht, uns einen „Dänen-Western“ zu erzählen. Dieser heißt im Original „the salvation“, also die „Errettung“ oder „Erlösung“. Na, ja.

Was hatten wir nicht schon alles. Die „klassischen“ Western bis in die 50er Jahre von Hollywood und US-TV, die „Spaghetti-Western“ der 60er und 70er, deren letzter, bedeutender Protagonist, Clint Eastwood, dann auch gleich in den 90ern den „Neo-Western“ mit seinem „Erbarmungslos“ krönte. Für mich noch immer der beste Western aller Zeiten, aber das mag man sehen, wie man will. Immerhin müssen sich seitdem alle Nachfolger an „Erbarmungslos“ messen lassen und da bin ich doch recht unzufrieden mit Levrings Werk, das 2014 in die Kinos kam (und dort mehr oder minder floppte). Wo soll ich anfangen ?

Da nervt alleine schon das Erzähltempo, das vielleicht der Internet- und Computerspiele-Generation angemessen sein mag, aber ob diese dauertwitternden und -simsenden, jungen Leute überhaupt noch für das Westerngenre empfänglich sind, erscheint eher fraglich. Der Däne Levring hätte sich also auch etwas mehr Zeit nehmen können, eine bedrohliche und anfangs undurchschaubare Atmosphäre zu schaffen, bevor das „Gemetzel“ losgeht. Er hätte eben vom „Meister“, Eastwood, lernen sollen. Ohne Ihnen allzuviel von der Handlung verraten zu wollen, falls Sie sich doch noch dazu durchringen sollten, diesen Film vielleicht im Netz oder später im TV mal zu begutachten, muss ich auch dem eigentlich sehr interessanten Cast einen gewissen Vorwurf machen, unter seinen Möglichkeiten geblieben zu sein.

Die seit ein paar Jahren immer hochgelobte Eva Green etwa, auf deren Ausdrucksstärke mich die o. e. Filmkritik hingewiesen hatte, spielt, als ob sie ein Brett vor dem Gesicht hätte. Oder ein Brett als Gesicht. Die eigentlich faszinierende Idee, ihre Rolle stumm zu machen, so dass sie allein auf Mimik und Gestik im Ausdruck angewiesen ist, wird so ad absurdum geführt. Schade. Jeffrey Dean Morgan als der Antagonist, der „Schurke“ in diesem Schurkenstück, wirkt auf mich niemals überzeugend, selbst, wenn er willkürlich Zivilisten erschießt, nehme ich ihm das Diabolische seiner Existenz nicht für eine Sekunde lang ab. Mads Mikkelsen, wie Eva Green einstmals durch das „James Bond“-Feuerbad gegangen, ist bereits zu Beginn des Filmes so hölzern, dass er auch als Baum durchgehen würde. Immerhin wäre das noch angemessen, wenn er eben der einzige „Baum“ in diesem Film geblieben wäre. Dann hätte es durchaus gepasst.

Dann geht´s an die Handlung und das Drehbuch. Einige, wirklich exzellente Details (opportunistische, angesichts latenter Gewalt rückgratlose und gierige Lokalpolitiker etwa, oder die „Schlusspointe“, die ich natürlich hier nicht verrate), werden durch mindestens ebenso viele Nervigkeiten konterkariert. Ein Pastor, der gleichzeitig der Sheriff des Ortes ist ? Will man uns so vor der Vermischung von „Staat und Religion“ warnen ? Muss das in einem Western überhaupt sein und wenn ja, kann es dann nicht eleganter gelöst werden ? Ich finde das absurd. Ebenso wie die kleinen, deutschfeindlichen Anspielungen, welche offensichtlich das US-Publikum für den „Dänenfilm“ einnehmen sollen, weil sie leider dort bis heute gut ankommen (ich weiß, wovon ich rede, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Die eigentlich interessante Hintergrundgeschichte wird ebenfalls leider durch allzu platte Schießereien wieder in die Bedeutungslosigkeit geballert. Die Schwerpunkte im Handlungsablauf wirken hier willkürlich gesetzt und unausgewogen. Schade.

Fazit: Es scheint, als ob Regisseur und Mitautor Kristian Levring einfach zu wenig Produktionszeit und -kapital gehabt hätte, um aus diesem potentiellen Erfolgsfilm einen echten Diamanten zu schleifen. Die gut 90 Minuten Filmlänge reichen also nicht ganz, um dem erkennbaren Anspruch dieser Produktion gerecht zu werden.
Ich zweifele alles in allem daran, dass dieser Film die „Errettung“ des Western – Genres darstellt, dass er dieses Genre in eine neue, von Comic-Helden und CGI-Effekten dominierte Kino-Zeit hinüberrettet. „Salvation“ denied. Sorry, folks.

Eure

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30/12/2014 von in Kultur und getaggt mit , .
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