Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Marsch für das Leben – Krawalle und Gegenwind

Einmal im Jahr, Ende September, treffen sich in Berlin Lebensschützer, Euthanasiegegner und Menschen, die sich gegen aktive Sterbehilfe aussprechen, um am „Marsch für das Leben“ (MfdL) teilzunehmen. Es soll Mut gemacht werden zum Leben, auf die Würde menschlichen Lebens an seinem Beginn und seinem Ende aufmerksam gemacht werden. Heutzutage eine umstrittene Sache, auf die sich nicht einmal die Kirchen einigen können, wie die jüngste Distanzierung des Berliner Landesbischofs der EKD, Markus Dröge, vom MfdL wieder andeutet, während etwa Papst Franziskus und die katholischen Bischöfe in Deutschland diese Veranstaltung ausdrücklich befürworten.

Ich gestehe Ihnen, Liebe Leser, jetzt etwas, das nur wenige Leute von mir wissen: die Themen „Abtreibung“ oder „Sterbehilfe“ standen auf meiner persönlichen Prioritätenliste der politisch-gesellschaftlichen oder geistlichen Anliegen lange Zeit eher im Mittelfeld, vielleicht gar hinten. Als bekennende Christin habe und hatte ich auch andere Schwerpunkte meines außergemeindlichen Engagements. Etwa die weltweite Christenverfolgung oder die zweifelhafte, teils hochgefährliche „Ethik“, die von unseren Massenmedien transportiert wird. Der hartnäckige, teils bösartig formulierte Widerstand gegen diesen MfdL jedoch, der aus bestimmten Ecken unseres politischen Establishments dringt, hat mich schrittweise den Anliegen der Lebensschützer angenähert. Anders gesagt, der offene Hass von vermeintlichen Frauenrechtlerinnen, Linksextremen und gewaltbereiten Kreisen dieser Couleur machte mich einst neugierig und hat mich nach dem Prinzip des „Feindes meiner Feinde“ dazu gebracht, in diesem Jahr bereits zum dritten Male selbst mitzugehen auf diesem Umzug durch die Berliner City. Die vor drei Jahren erstmals ausgesprochene Einladung befreundeter Christen hatte natürlich ebenso ihren Beitrag dazu geleistet. Dennoch sehe ich mich bis heute nicht als 100%ige „hardcore“-Lebensschützerin, denn dass es Frauen gibt, die in Extremsituationen wie nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest am Fortführen einer Schwangerschaft nicht festhalten können und wollen, kann ich verstehen und kann da keine wirkliche Verurteilung aussprechen. So sehr meine Kirche das vielleicht auch von mir erwarten mag.

Die Leichtfertigkeit jedoch, mit der in den Kreisen derer, die Abtreibung am liebsten als Grund- oder Menschenrecht ins Grundgesetz schreiben wollen, von Dingen wie „Zellhaufen“ gesprochen wird, wenn man Embryos meint, lässt mich jedoch bis heute schaudern. Auch die Tatsache, dass das Einsetzen eines Herzschlages bei Embryonen und die Ausbildung der Organe (Zitat „Frauenärzte im Netz“:  „Im ersten Drittel der Schwangerschaft entwickeln sich bereits alle Organe. Auch die Ohren, Augen und Augenlider sind schon entwickelt.“) diesen Kreisen noch nicht als „Leben“ gelten, damit sie weiter postulieren können, dieses beginne erst mit der Geburt, halte ich für anzweifelbar. Es ist eine Schutzbehauptung, damit die vermeintlichen Interessen der Mutter weiter mit „gutem Gewissen“ über die des Kindes gestellt werden können. Ebenso übrigens schockiert mich die Kaltschnäuzigkeit, mit der die Anliegen der Lebensschützer etwa von Landtagsabgeordneten der Linkspartei aus Thüringen als „Dreck“ bezeichnet werden. Ein Verfall der demokratischen Streit- und Diskurs-Kultur, aber das sei nur am Rande bemerkt. Kurzum: die Argumente der Gegner, der aus ihren Kreisen hervordringende Hass und die latente Gewaltbereitschaft ihrer Anhänger ekeln mich so sehr an, dass ich mich quasi zwangsläufig mit der Lebensrechtsbewegung solidarisiert habe und gerne deren Reihen beim MfdL vestärke. Und sei es nur, um es potentiellen Randalierern durch die reine, zahlenmäßige Stärke zu erschweren, diese Veranstaltung zu verhindern oder zu blockieren und ihre Teilnehmer einzuschüchtern.

DSCI0732_compressedObwohl befreundete Christen in diesem Jahr aus unterschiedlichen Gründen ihre Teilnahme schon frühzeitig absagen mussten und ich somit erstmals alleine dort „aufschlug“, machte ich mich also auch in diesem Jahr wieder am entsprechenden Samstag auf den Weg zum Bundeskanzleramt, vor dem wie immer eine erste Kundgebung die Lebens-Marschierer sammeln und auf das Thema einstimmen sollte. Immerhin traf ich schon am Bahnhof einen „alten“ Freund, der diesmal als Ordner die Organisatoren unterstützte und war somit recht positiv eingestimmt, als ich vor dem Kanzleramt eintrudelte. Mir schienen eine halbe Stunde vor Kundgebungsbeginn auch noch recht wenige Teilnehmer zugegen zu sein, aber mit der Zeit füllte sich das Gelände dann doch noch mit vor allem christlichen Aktivisten und Menschen, die ähnlich wie ich selbst sich wünschen, dass der Wert menschlichen Lebens nicht künstlich und sozusagen „gewaltsam“ herabgewürdigt wird im Lande. Letztlich sprach man von Veranstalterseite von ca. 5.000 Teilnehmern, was einer leichten Steigerung zur Zahl des Vorjahres entsprach. Die „üblichen Verdächtigen“ stimmten uns dann auch pünktlich ab 13.00 Uhr wieder auf Sinn und Zweck unseres Marsches durch die Berliner City ein. Besonderen Applaus erhielt dabei u. a. ein einsamer Bundestagsabgeordneter (Hubert Hüppe, CDU, Wahlkreis Unna), der in einem kurzen Solidaritäts-Statement keinen Zweifel an seiner Haltung zu Themen wie Abtreibung oder Sterbehilfe ließ. Man wünschte sich in diesem Moment deutlich mehr Unterstützung aus der Politik. Immerhin war auch die „Dauerteilnehmerin“, die Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch (nee, kein „Conchita-Wurst“-Spaß, diese Dame heisst wirklich so) von der AfD wieder zugegen. So konnte ich ihr auch kurz für das in Straßburg gezeigte Engagement zu Gunsten verfolgter Christen danken, aber dies ist ein anderes Thema. Zurück zum Lebensschutz.

Kurz bevor wir dann zum eigentlich Marsch aufbrechen wollten, drangen, von lautstarken Chaoten jenseits des Sicherheitsabstandes ohrenbetäubend unterstützt, einige Krawallmacher auf den Platz vor der Bühne vor, brüllten ein paar ihrer auswendig gelernten Parolen, trillerten auf Pfeifchen und wurden schließlich von den wieder gut organisierten Beamten der Berliner Polizei abgeführt. Ein kleiner Vorgeschmack auf das akustische Spießrutenlaufen, das uns noch bevorstehen sollte. Denn ähnlich wie in den vergangenen Jahren hatten diejenigen, die Christen generell verdächtig finden und speziell Lebensrechtler für „Vorgestrige“ halten, auch in diesem Jahr wieder mobil gemacht. Mit moralischer Unterstützung von SPD, Grünen und Linkspartei hatten sich Gegendemonstranten speziell am Brandenburger Tor versammelt. Schien es nur mir so, oder hatten die sonstigen wohlstandsverwahrlosten Krawallkids, die auch in diesem Jahr wieder den Marsch lautstark und mit immer denselben, langweiligen Parolen begleiteten, plötzlich mehr Kondition, als in vergangenen Jahren bekommen ? Es schien mir persönlich, dass sie von der Polizei weniger schnell von den Demonstranten des Marsches getrennt werden konnten und auch mit ihrem Gebrüll länger durchhielten, als ich es aus den letzten beiden Jahren kannte.

Nun, ich vermute, der Berliner Senat hat ganz sicher irgendein „Antifaschistisches Schulungskollektiv“ gesponsert, dass den Chaoten ein wenig Kondition und Brüllausdauer vermittelt hat seit dem letzten Jahr. Nun haben sie auch ein weiteres Jahr Zeit, sich neue Parolen einfallen zu lassen, denn diejenigen von diesem Jahr waren recyclet von vergangenen Störaktionen. Eine „Kreativwerkstatt politisches Wort“ wird sich doch sicher finden, die mit Steuergeldern unseren dauerpubertierenden Nichtstuern ein bischen auf die Sprünge helfen wird ? Mal ein Gesuch an die Kulturverwaltung stellen…Oder gibt´s vielleicht gar Euromittel dafür ?

DSCI0778_compressedWie auch immer: der Marsch selbst wurde öfters angehalten, die Chaoten, die oftmals gar nicht wußten, wofür oder wogegen WIR eigentlich demonstrierten, die selbst aber „auf jeden Fall dagegen“ waren, mischten sich diesmal etwas erfolgreicher unter die Marsch-Teilnehmer, als in vergangenen Jahren und ich gestehe, der Spaß an der Sache wäre mir sicher irgendwann abhanden gekommen, wenn ich nicht schon im Vorfeld unseres „Trauerzuges“ zwei Bekannte getroffen hätte, mit denen sich trefflich marschieren und auch quatschen ließ. Nun, Gott führt üblicherweise ja die „richtigen“ Leute zusammen und so sehe ich das auch in diesem Falle wieder.

Der Abschlussgottesdienst fand auch in diesem Jahre wieder im Berliner Lustgarten zwischen Altem Museum und Berliner Dom statt. Die Ironie, die darin lag, dass Tausende Christen, die sich für eine Verbesserung der Situation von Schwangeren in Not und von Todkranken einsetzen, eben nicht IN den Berliner Dom hineindurften, lag für mich geradezu „greifbar“ in der Luft. Denn die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg, Schlesische Oberlausitz (EKBO) ist wie weite Kreise der EKD als solcher nicht mit den Zielen des veranstaltenden „Bundesverbands Lebensrechts“ solidarisch. Ganz im Gegensatz zur katholischen Kirche, wo sogar Papst Franziskus persönlich sein Wohlwollen erkennen ließ. Für mich als Protestantin natürlich eine Peinlichkeit sondergleichen. Ob wohl Maria und Joseph in den Berliner Dom gekommen wären ? Immerhin hat Maria ja als Jungfrau auf eine Abtreibung verzichtet und muss somit potentiell als Befürworterin des Lebensrechts gelten. Davon muß sich der evangelische Berliner Landesbischof Dröge natürlich unbedingt distanzieren, finde ich…

DSCI0792_compressedImmerhin fanden sich mit dem evangelischen Pastor Axel Nehlsen und dem katholischen Generalvikar Michael Fuchs aus Regensburg zwei Geistliche, die das Anliegen des Marsches unterstützten und gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst abhielten. Zwar wurde auch dieser wieder von einigen, durch die Polizeisperren „geschlüpften“ Chaoten gestört, die aber ebenso schnell wieder von den Beamten der Polizei „umweltverträglich“ entsorgt wurden. Und einen großen Eindruck hinterließen diese Parolen bei den sehr entspannten und friedlichen Christen ohnehin nicht. Ganz anders als die Lieder und Gebete, mit denen der diesjährige Marsch für das Leben beendet wurde. Auf ein Neues in 2015 ? Vielleicht mit noch mehr Teilnehmern ?

Mein persönliches Fazit: Das Wetter hatte gehalten. Außer einem sehr kurzen, sehr schwachen Regenschauer, der uns zwischenzeitlich erwischte, gab es in dieser Hinsicht nix zu beklagen. Während des abschließenden Gottesdienstes kam sogar ein wenig die Sonne heraus. Ich traf wie üblich ein paar interessante Gesprächspartner, nette Leute und bekam auch noch kostenlose Belustigung von den jungen Leuten der „Frauenrechtler“, die doch tatsächlich glaubten, Christen wären gegen eine selbstbestimmte, weibliche Sexualität und die deshalb u. a. „unbedingt“ Farbpulver auf die Demonstranten des Marsches für das Leben streuen mussten, wovon sogar der schon erwähnte Bundestagsabgeordnete Hüppe nicht verschont blieb. Für ein fröhliches Gemüt wie meines, das sich leicht amüsieren und erheitern lässt, war das schon eine Menge kostenloser „live-Spaß“ und dann gab´s noch einen schönen Abschlussgottesdienst als „Bonus“ mit dazu. Also, da geh ich wieder hin ! Im nächsten Jahr. Wer kommt mit ?

Ihre

Kassandra Pugatshowa

Update vom 21. September, nachmittags: Von dem Vorfall, der jetzt in den sozialen Netzwerken und in sonstigen Medien berichtet wird, bei dem der Bundestagsabgeordnete Hüppe, den ich in meiner Betrachtung erwähnt habe, von vermeintlichen Mitarbeitern des ZDF angegangen wurde, habe ich direkt nichts mitbekommen und deshalb auch in meiner ersten Fassung des Berichts nichts darüber angemerkt. Möglicherweise wäre mein Kommentar weniger „launig“ und „amüsiert“ ausgefallen, wenn ich diese Kooperation zwischen Linksradikalen und den bescheuerten Journalisten, die wohl Marsch-Teilnehmer mit bösartigen Fragen zu zweifelhaften Aussagen provozieren wollten, klarer gesehen hätte. Mich hat wohlweislich niemand interviewt, ich hatte auch bis vor wenigen Stunden keine Kenntnis von diesen Dingen. Mit etwas mehr Abstand hätte ich vielleicht ein anderes Fazit gezogen, aber mit dem gleichen Ausblick: nächstes Jahr wieder dabeisein ! Mehr werden, größere Aufmerksamkeit bekommen und möglicherweise endlich einen Abschlussgottesdienst wieder (wie vor zwei Jahren) in einer Kirche feiern ! Der Kampf um die Zukunft dieser Republik wird scheinbar wieder auf den Straßen ausgetragen. Allen, die Kinder haben (möglicherweise auch Enkel) kann es nicht egal sein, was aus Deutschland wird. Also: Wollen wir unwidersprochen zugucken, wie alles schlechter wird, oder wenigstens zu ausgesuchten Gelegenheiten auch einmal „Flagge zeigen“ ?

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Ein Kommentar zu “Marsch für das Leben – Krawalle und Gegenwind

  1. Pingback: Deutschland -Berlin:Heil Satan und das Moralfernsehen ZDF ein satanischer Knecht! | dolomitengeistblog

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20/09/2014 von in Kultur, Zeitgeist, Zustand der Nation und getaggt mit .
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