Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Was sind wir – säkular oder religiös ?

In einer seriösen Publikation wurde schon vor einiger Zeit die „Rückkehr des Religiösen“ thematisiert und hinterfragt. Welche Defizite und Dispositionen unserer Gesellschaft bringen Menschen dazu, wieder stärker in religiösen Kontexten zu denken, zu reden und sich zu bewegen ? Diese Frage will ich, weil es schon ausführlich passiert ist und noch passiert, hier gar nicht in der Tiefe ausloten. Aber mancher Schwerpunkt, manche scheinbare Verschiebung der Parameter religiöser Bezüge in unserer Gesellschaft ist mittlerweile so eklatant, so unübersehbar, dass ich kurz in Stichpunkten darauf eingehen möchte.

Religion_Subcategory_newLiebe Leser, Sie gehören ganz sicher zu den politisch Aufmerksameren im Lande, das möchte ich Ihnen in einer Art „positivem Vorurteil“ einfach mal unterstellen. Sie haben ganz sicher die unzähligen, über ganz Deutschland gehenden Wellen von „Anti-Israel“-Demonstrationen (auch gerne euphemistisch als „Save-Palestine“ oder ähnliche Dinge verbrämt) durchs Land gehen sehen. Ist erst ein paar Wochen her. Was da an Parolen gebrüllt und an Hass ventiliert wurde, richtete sich zwar primär gegen die Politik der Regierung von Israel und deren militärische Antwort auf die permanenten gewalttätigen Provokationen der Hamas aus dem Gaza-Streifen (Bombenanschläge, Raketenschläge und Kidnapping-Morde). Aber schnell wurden eben auch judenfeindliche Slogans laut, die ganz eindeutig auf die religiöse Komponente des Gaza-Konfliktes abhoben. Wer eben „die Juden“ für alles Elend der Welt verantwortlich macht, der hält sich nur ab und an mal mit so etwas wie dem Anprangern eines angeblichen „Zionismus“ oder der Politik Israels auf. Zumal wohl nur ein geringer Teil der Demonstranten auf diesen Umzügen eben tatsächlich Palästinenser mit Wohnsitz in Deutschland und/oder deutscher Staatsbürgerschaft gewesen sind. Vielmehr haben sich hier Muslime unterschliedlichster Regionen, Türken, Libanesen, Palästinenser, Ägypter, Marokkaner etc. zusammengefunden, um einen ihrer „kleinsten, gemeinsamen Nenner“ zu finden und zu zelebrieren: den Judenhass. Ist es da wirklich sehr weit hergeholt, die Religion als definierenden Rahmen des Handels vorauszusetzen ? Als gemeinsamer Motivator der Protestler und andererseits als „Feindbild“ auf der „anderen Seite“ ?

Aber Religion spielt auch weiter ab vom Gaza-Konflikt eine wichtige Rolle im publizierten, öffentlichen Diskurs. Als Beispiel dafür sei die öffentliche Aufregung um den angeblichen „Brandanschlag“ auf die Mevlana-Moschee in Berlin genannt. Schnell hatten hier religiöse Würdenträger und Politiker wieder die „mangelnde Anteilnahme“ der Gesellschaft beklagt, die „Islamophobie“ verurteilt und mehr Wachpersonal für Moscheen gefordert. Die Tatsache, dass einzig der Brandanschlag auf die Synagoge von Wuppertal in letzter Zeit wirklich als religiös motivierte Tat geahndet werden kann, da es sich bei allen drei Tätern (zwei gefasst, einer flüchtig) um Muslime handelt, ist aber aus den deutschen Massenmedien sehr wohl herausgehalten worden. Eine allgemeine Aufregung darüber ist nicht erwünscht, vermutlich auch nicht bei der im September geplanten Demonstration in Berlin gegen den Judenhass. Hier zeigt sich einmal mehr die Doppelbehandlung von religiösen Stätten in der öffentlichen Wahrnehmung. Oder zumindest in der Wahrnehmung von Politikern und Massenmedien. War Herr Gabriel schon in Wuppertal in der Synagoge, um sich empört über den aus der islamischen „Community“ erwachsenen Judenhass zu zeigen ? Nein, war er nicht. Kein Wunder, denn auch als in seinem „Stamm“-Bundesland Niedersachsen, als in Garbsen bei Hannover die Kirche brannte, zeigte er keine Anteilnahme oder Solidarität. Dabei war hier, um Gegensatz zum „Fall“ (hüstel) Mevlana ja die Brandstiftung relativ schnell als Ursache ermittelt.

Fakt ist also: Wenn in Deutschland Kirchen oder Synagogen brennen, dann tut sich die Öffentlichkeit, tun sich Medien, Politiker, ja sogar die Kirchen selbst, schwer damit, den Sittenverfall und den mangelnden Respekt vor dem Spirituellen anzuprangern. Wenn Linksradikale und Brachial-Atheisten im Netz oder auf anderen Kanälen zum Abfackeln von Kirchen, zur Gewalt gegen Pastoren oder zur Schändung von religiösen Symbolen des Christentums aufrufen, wenn (wie in diesem Jahr im Rheinland geschehen) Kirchen verstärkt Opfer von Sachbeschädigungen ohne Bereicherungsabsicht werden, dann will das niemand so recht wahrhaben. Christen (und scheinbar auch wieder Juden) sind zu „unbeliebten“ Opfern geworden. Auch das Leid der Chaldäer, Assyrer und Aramäer in Syrien und dem Irak wurde ja erst in Verbindung mit der IS-Gewalt gegen Jesiden und Kurden überhaupt ein Thema und wird gerne vergessen, wenn die Medien über die Greuel dieser Islamisten berichten. Der Genozid an den Assyrern läuft übrigens seit 1915 und feiert bald „100sten“ Geburtstag, da diese mit den Armeniern gemeinsam vom Osmanischen Reich ausgelöscht werden sollten. Aber dies sei nur am Rande erwähnt. Die allgemein nachlassende Pietät und der sinkende Respekt vor dem Religiösen nehmen also offensichtlich hierzulande nur eine einzige Religion in ganz auffälliger Weise aus: den Islam.

Wer sich dem Islam gegenüber „respektlos“ verhält, wer seine Kerninhalte sachlich analysiert und mögliche Probleme darin für unsere Gesellschaft hinterfragt wissen will, der muss sich als „islamophob“, als „rassistisch“ und „intolerant“ beschimpfen lassen. Alleine die offensichtliche Affinität vieler Muslime zur Gewalt zu thematisieren, eine Affinität die mittlerweile Tausende von „westlichen“ Muslimen in die Fänge der IS getrieben hat wo sie nun an Massakern beteiligt sind, wird von interessierten, islamischen Verbandsvertretern und ihren politischen Freunden in (fast) allen Parteien als gleichbedeutend mit dem Judenhass der Nazis dargestellt. Muslime als Juden der Neuzeit sozusagen. Die schreckliche Ironie, die angesichts des massiven Judenhasses, der aus ebendieser Community immer deutlicher sichtbar hervorquillt, in dieser Sichtweise liegt, will niemand mehr wahrnehmen. Ebenso wie die de-facto Sonderbehandlung, die der Islam hierzulande bereits erhält. Es sei nur noch einmal an die „zweierlei Maß“ erinnert, mit denen unser Vizekanzler und Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel die echte Brandstiftung an einer Kirche in Garbsen (oder wahlweise Greifswald….) und einen derzeit noch völlig ungeklärten Brand auf einer Moschee-BAUSTELLE behandelt. Das muss sowohl religiös ungebundene und atheistische Bundesbürger als auch alle Nichtmuslime in Deutschland mit tiefer Sorge erfüllen, dass bereits jetzt, wo die Zahl der Muslime in Deutschland eben noch eine Minderheit ist, ihren Forderungen nachgegeben wird und ihrem religiös-sozialen System eine herausgehobene Sonderstellung von Politik und Publizistik in unserer Gesellschaft zugeteilt wird. Alles im Namen von „Toleranz“ und „Offenheit“.

Wie offen aber sind die Toleranzprediger etwa für evangelikale Christen oder bibeltreue, katholische Abtreibungsgegner ? Diverse, von den öffentlich-rechtlichen Medienanstalen produzierte Dokumentationen haben gerade in letzter Zeit darauf eine Antwort gegeben: gar nicht. Wer sich hierzulande auf das Fundament der Bibel stützt und daran orientiert sein ethisches Wertegerüst errichtet, muss mit von GEZ-Gebühren bezahlten Diffamierungsversuchen rechnen. Auch das macht nachdenklich. Nicht, dass ich jeden Auswuchs christlicher Mystik oder Apologetik und auch des christlichen Ritus immer so ganz nachvollziehen könnte. Aber, wenn wir eine tolerante und „offene“ Gesellschaft sein wollen, müssten wir es auch für bestimmte Formen christlicher Anbetung sein, die wir eben aus „Omis guter, alter Kirche“ nicht kennen. Wenn wir schon jegliche, sog. „Islamkritik“ für tabu erklären, müsste das eben auch für das Christentum, den Buddhismus oder die Naturreligionen gelten. Sie sehen bereits, liebe Leser, welche Auswüchse eine wirkliche Tabuisierung von Relgionskritik als solcher haben könnte. Und genau deshalb plädiere ich auch nicht für eine Ausweitung der religionsbezogenen „Tabuzonen“ in Deutschland, sondern für das Einreißen der größten: der gegenüber dem Islam. Und, um noch einmal auf die schon nicht mehr kritischen, sondern offen diffamierenden Dokumentationen in der ARD einzugehen, so spreche ich mich für die Möglichkeit der Religionskritik aus. In alle Richtungen. Aber nicht für das Prinzip des geringsten Widerstandes. Wenn „die andere Wange Hinhalter“ von der Jesus – Fraktion so schnell vergeben, dann muss man nicht automatisch besonders viel auf ihnen herumhacken.

Was nun wieder nicht heißt, dass jegliche Form von Beleidigung, Beschimpfung etc. legitim und legal sein muss. Es ist eben ein Unterschied, ob jemand „ich scheiße auf Jesus (Buddha, Mohammed, Shiwa, das fliegende Spaghettimonster…)“ sagt, oder ob er fragt, ob man bestimmte Koransuren nicht allzuleicht als Rechtfertigung zum Morden auslegen kann und dies in der Praxis nicht auch allzuoft geschieht. Wie die Boko Haram (Nigeria, Kamerun), al-Shabaab (Kenia/Somalia, südliches Äthiopien), die Seleka (Zentralafrika), die IS (Syrien, Irak), die Abu-Sayyaf (Philippinen), die Uigurischen Aufständler in China, die Separatisten im Süden Thailands, die Hamas, die Taliban oder die Nomaden-Rebellen in Mali immer aufs Neue beweisen. Noch deutlicher gesagt: jegliche Fragen, die nicht primär unseriöse Beschimpfungen (auf dem Niveau von: „isch figge deine Jesus“) sind, sollten in einem säkularen Staat diskutiert werden dürfen. Sachlich, faktisch und fundiert. Ohne, dass die eine Religion gegen die andere, oder gegen die Atheisten ausgespielt wird und ohne, dass es für eine Religion besondere „Watte-und-Samthandschuh“- Tabubereiche gibt. Aber davon sind wir meilenweit entfernt, wie uns der Wirtschaftsminister ja unheilvollerweise vormacht. Ich gestehe, ich fühle mich mittlerweile unwohl in einem Land, wo Forderungen und vorgespielten Empfindlichkeiten der diversen Islamverände so widerstandslos nachgegeben wird, während man jeden bibelorientierten Christen straflos als „Fundamentalisten“ beschimpfen und damit in die gleiche Ecke wie einen zauselbärtigen, turbantragenden IS-Wahnsinnigen stellen darf.

Abschließend nur kurz meine Anmerkung zu dem völligen Unverständnis unserer, deutschen und westeuropäischen Meinungsführer, was die Bedeutung und Kraft des Religiösen an sich angeht. Da wir hierzulande ja den Glauben erfolgreich ins Private verbannt, ihn mit geradezu inquisitorischer Konsequenz aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen suchen, hat sich in den Köpfen vieler Journalisten, Juristen, Politiker etc. ein komplettes Vakuum des Geistlichen breitgemacht. Allenfalls in Form eines öffentlich gelebten Buddhismus darf Religiosität in diesen Kreisen noch stattfinden, aber die Relevanz, die gerade dieser Religion beispielsweise im gesellschaftlichen Alltag und der politischen Sphäre etwa Südostasiens beikommt, wird auch von den größten Anhänngern Buddhas in Deutschland nur selten erfasst. Weil wir im Westen erfolgreich Glauben und Politik, auch gerne „Alltag“ genannt, voneinander getrennt haben, haben wir uns selbst eines Sensors, einer Antenne für die Befindlichkeiten anderer Ethnien, anderer Weltregionen genommen, weil wir noch immer glauben, wir seien als Säkularisten wirklich repräsentativ. Das darf aber z. Bsp. angesichts hinduistisch-nationalistischer Wahlerfolge in Indien oder buddhistisch motivierter Gewalt gegen Christen auf Sri Lanka etwa durchaus bezweifelt werden. Wer aber das Religiöse, die Kraft und Hingabe, die Motivations-Tiefe und Energie, die ein Glaube verleihen kann, aus eigener Anschauung nicht mehr kennt, tendiert dazu, diese spirituelle Dimension zu unterschätzen, sie aus den Überlegungen zum Alltag, aus seiner individuellen Weltsicht komplett auszublenden. Dies führt aber oftmals zu den bereits beschriebenen blinden Flecken, weil allzu hilfsbereite Zeitgenossen diese „geistliche Taubheit“, dies „Nichtsehenkönnen“ nur allzugerne ausnutzen, um ihr eigenes Süppchen zu kochen.

In diesem Sinne, liebe Leser, seien Sie nun religiös, atheistisch, oder indifferent: bitte ziehen Sie aber Ihre Maßstäbe konsequent durch. Benutzen Sie ihren Kopf zum Selberdenken, ihr Internet zum Selberinformieren und ihr Herz zum Selberprüfen, wie bestimmte Informationen, wie bestimmte Trends einzuschätzen sind. Und lassen Sie sich auch nicht verbieten, darüber offen zu reden, es muss ja nicht immer mit „Schaum vor dem Munde“ sein.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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2 Kommentare zu “Was sind wir – säkular oder religiös ?

  1. rueman
    15/09/2014

    Die besondere Schonung des Islams ist mir trotz aller guten Analysen (wie die obige) immer noch unklar, besonders weil sie so im Gegensatz zu der besonderen Boshaftigkeit des Islams steht. Öl, wirtschaftliche Interessen, Angst vor den schon zu großen Einwandererzahlen – alles das kann nicht ganz erklären, was unsere politische und mediale „Elite“ zu dieser besonderen Großzügigkeit bewegt. Letztendlich bleibt es mir schleierhaft. Warum sagt nicht einmal einer der Politiker den „Palästinensern“, dass es eine ganz einfache Sache ist den Frieden zu bewahren – Israel in Ruhe lassen, ja evtl. sogar mit ihm zusammen arbeiten. Aber nein. Und warum die ewige Beschwörung, der Islam sei eine Religion des Friedens, die er ja ist, aber nur nach dem totalen Sieg. Auch wenn jeder Tag das Gegenteil beweist? Ich weiß es einfach nicht. Was soll das bringen? Letztendlich bin ich ratlos.

    • Unsere Politiker haben entweder die Dimension der Gefahr, die von der Islamisierung der Welt ausgeht, noch nicht erkannt, oder, wenn sie es getan haben, dann versuchen sie ganz pragmatisch damit umzugehen, indem sie sich „schicksalsergeben“ darin fügen. Irgendwie sind die deutschen Großkirchen das beste Beispiel für diese völlige Realitätsverweigerung im Lande: die EKD sehe ich persönlich (das kann jeder halten, wie er mag, da bin ich tolerant) als Organisation, die bewusst und zielgerichtet durch ihre „interreligiösen Dialoge“, die sie (fast) ausschließlich mit Muslimen führt, die spirituelle Machtübergabe an den Islam vorantreibt. Sie gehen nach dem Prinzip der „Fütterung der Krokodile“, damit sie, als Futter-Beschaffer vermutlich als letzte „gefressen“ werden. Das mag so sein, aber von Rückgrat, christlichem Selbstbewusstsein oder eben dem angesprochenen Problembewusstsein spricht es nicht. Und das ist nur EIN Beispiel für das Versagen unserer Macht-„Eliten“ im Lande. Wenn ich mich besser auskennen würde, könnte ich ähnliche Tendenzen vermutlich überall benennen. Und was das überfällige Thema „Israel“ angeht…ach, da könnte ich stundenlang klagen, auch ohne die entsprechende „-mauer“.

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