Kassandrenrufe

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Robin Williams ist tot. Die Traurigkeit hinter der Komik.

Der US-Schauspieler, stand-up-comedian und Komiker Robin Williams ist tot. Am 11. August 2014 wurde er in seinem Haus in Kalifornien aufgefunden. Offensichtlicher Selbstmord durch Ersticken. Das Ende einer einzigartigen Begabung, die scheinbar „aus der Zeit gefallen“ war, wie es eine deutsche Tageszeitung am Tag danach schrieb.

Robin-Williams2Ich muss es gestehen, ich mochte diese Type. Dieses „Knautschgesicht“, diesen Kerl mit dem Funkeln im Augenwinkel und dem scheinbar so zufriedenen, breiten Grinsen im Gesicht. Ganz gleich, ob Robin Williams der gealterte Peter Pan war, oder in „Good Will Hunting“ als Mentor eines problembeladenen, jugendlichen Genies brillierte. Ich war immer fasziniert, von der großen Menschlichkeit seiner Rollen (wie etwa in „the Fisher King“) und von seinem Talent, Menschen zu berühren. Sie zum Lachen oder Weinen zu bringen. Na, klar, es waren die Drehbuchautoren, Regisseure und Kameraleute, die ihn ins rechte Licht setzten und die Rollen entwarfen, die Williams zum Strahlen brachte. Aber er selbst hatte die Fähigkeit, mit der Zeit die ganze Bandbreite seines Könnens darbieten zu können und in vielerlei Rollen den Zuschauer zu packen. Mal mit Gelächter, mal mit Tränen, mal mit Nachdenklichkeit. Insofern verkörperte Williams, wie alle Großen dieses Geschäfts, das Beste, was Film und TV zu bieten haben. Mehr als Klamauk (den er sozusagen „aus der Westentasche“ beherrschte), mehr als nur die „hohe Kunst“ der Schauspielerei. Er war (oder wirkte zumindest so) immer auch der Mensch hinter der Rolle. Das haben wir an ihm geliebt.

Williams hatte aber wie viele Jahrhundert-Talente eine Dimension der Tiefe, die wir Zuschauer wohl nie erfassen konnten. Ein Journalist erzählte nach dem Bekanntwerden der Todesumstände des Schauspielers von einer Begegnung mit ihm. Es war ein simples Interview für einen Film, der demnächst in die Kinos kommen sollte. Williams habe zwar sehr zugänglich und witzig alle Fragen beantwortet, aber in den kurzen Pausen habe er abwesend gewirkt. Als ob „sehr viel mehr“ hinter seiner Stirn arbeite, das niemand sehen konnte. Nun war bekannt, dass Robin Williams schon sehr lange mit Alkohol- und Drogenproblemen kämpfte. Eine bekannte Thematik bei vielen Künstlern und vor allem Schauspielern, die immer im Zwiespalt zwischen den Masken, die sie vor der Kamera anlegen, und dem, was übrig bleibt, wenn die Scheinwerfer ausgehen, hin- und herpendeln müssen. Viele bemerken dann, wenn sie nicht vor der Kamera stehen, dass ihr eigener „Charakter“, ihre Rolle als Mensch sozusagen, sehr wenig Substanz hat. Williams gelang es immerhin lange Zeit, diese „Dämonen“, zumindest die Drogensucht, unter Kontrolle zu halten und als sie ihn wieder zu packen drohte, war er sich nicht zu schade dafür, Hilfe anzunehmen und, wie man im Englischen sagt: „getting his act together“.

Seine dritte Ehe verlief ebenfalls offensichtlich ruhig und harmonisch und auch das Verhältnis zu seinen drei Kindern soll, dem Hörensagen nach, keinesfalls besonders problembelastet oder schwierig gewesen sein. Dennoch vermochte weder der Zusammenhalt der Familie, noch die einsetzende Altersweisheit ihm dabei zu helfen, seine Depressionen völlig im Zaum zu halten. Wie so viele Künstler war auch Williams abhängig vom Applaus, vom Erfolg, von der ihm in so ziemlich jeder denkbaren Art und Weise erwiesenen Liebe des Publikums und der Branche, in der er tätig war. Und seit  seinem Oscar im Jahre 1998 für „Good Will Hunting“ ging es scheinbar mit der Karriere etwas bergab. Seine letzte TV-Rolle als überkandidelter Direktor einer Werbeagentur in „the crazy ones“ war zwar „klassischer“ Robin Williams, aber die Entscheidungsträger beim Sendernetzwerk CBS kippten die Serie bereits nach der ersten Staffel wieder. Die „allmächtigen“ Quoten sollen zwar nicht schlecht gewesen sein, aber „nicht schlecht“ war ihnen zu wenig, wenn man Hochkaräter wie Williams und Sarah-Michelle Gellar zusammenspannt. Insofern ist die Kritik, vor allem jüngerer Medienbeobachter und Journalisten, Williams sei ein „Dinosaurier“ des Emotionsfilms bzw. Emotionsfernsehens, den aber heute niemand mehr sehen wolle, scheinbar gerechtfertigt.

Man gestatte mir aber in dieser Hinsicht eine etwas differenziertere Meinung. Den „klassischen“ Komiker Robin Williams hatte wohl das schnellebige TV-Geschäft tatsächlich überholt. Seine Art des Wortwitzes kombiniert mit exaltierter Gestik und Mimik wollte wohl tatsächlich die „werberelevante Zielgruppe“ nicht mehr sehen. Sie verstand ihn nicht mehr, seine Anspielungen und sein Gehabe. Wir, die wir mit Williams gemeinsam älter geworden sind, sind ja mittlerweile längst nicht mehr relevant für die werbetreibende Wirtschaft. Weder in den USA noch sonstwo. Aber ein Schauspieler, der sowohl den rechthaberischen Killer-Spießer in „one hour photo“ rüberbringen kann, als auch den psychotischen Obdachlosen in „the Fisher King“, der hätte im Filmbusiness noch Großes leisten können. Gerade mit der Erfahrung seiner einzigartigen Karriere und einem stetig wachsenden Nuancenreichtum des gereiften Schauspielers hätte er selbst die kleinsten Nebenrollen noch zu einem Kino-Erlebnis machen können. Dies aber reichte ihm wohl nicht mehr.

Die Tragik der größten Talente Hollywoods war es eben oftmals, dass sie „zu sensibel für diese Welt“ waren. Heath Ledger oder Philipp Seymour Hoffmann etwa haben ebenfalls kein biblisches Lebensalter erreicht und starben auch unter dubiosen Umständen. Ich weiss, dass ich letztlich nur viele Klischees über „die sensible Künstlerseele“ aufbacke, aber es scheint ja doch etwas an ihnen dran zu sein. Insofern verzeihe man mir meine Trauer, in der ich diese Zeilen hier verfasst habe. Mir ist ein wenig, als hätte ich gestern einen guten Freund verloren, den ich zwar nicht täglich sah, von dem ich aber immer wusste, dass er noch „da war“ und er sicher bald wieder mal zu Besuch käme.  Nun wird er aber nie mehr zu Besuch kommen, außer, wenn ich mir einen Film (legal !!!) downloade, eine DVD (sorry, hab noch immer kein Blu-Ray) einlege oder im TV alte Serien und Spielfilme anschaue, die jetzt sicher über uns hereinregnen werden. Und dies ist das Einzige, so banal und klischeegeladen es klingen mag, was seinen vielen Fans weltweit zum Trost gereicht: seine Werke, seine Filme und seine TV-Rollen, bleiben ja zurück und somit auch ein großer Teil seiner Menschlichkeit und seiner Ausstrahlung. Möge er jetzt den Frieden gefunden haben, der ihm im Leben offensichtlich versagt geblieben ist.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12/08/2014 von in Kultur und getaggt mit , , .
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