Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Weltmeister, also….

„ENDLICH“, war mein erster Gedanke, nachdem die Fussball-Nationalmannschaft von „Jogi“ Löw den Pokal aus Brasilien mitbrachte. ENDLICH haben wir das hinter uns und können uns wieder anderen Themen zuwenden. Endlich auch hat die „Generation Lahm“ um Schweinsteiger, Klose und Podolski ihren Titel.

FansNein, ich bin kein Fussball-Muffel. Ganz im Gegenteil, die deutsche Auswahl und ihre Auftritte bei den diversen Turnieren der letzten Jahre und Jahrzehnte verfolge ich genau und mit geradezu angespannter Aufmerksamkeit. Sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren. Auch die „Nibelungentreue“ des DFB zu seinen jeweiligen Vorturnern, Silvia Neid bei den Frauen und eben Löw bei den Herren, sehe ich mir seit Jahren mit durchaus gemischten Gefühlen an. Erfolge (Europameisterschaft bei den Damen, Weltmeisterschaft bei den Herren) verdecken gewisse Strukturschwächen und die z. T. brutale Ausbeutung der Jugendauswahlen zu Gunsten der „A-Teams“ nur teilweise. Aber, wie man bei diversen anderen Verbänden auch gesehen hat, kann das eine Zeit lang gutgehen und natürlich freut man sich über die Begeisterung, die unsere Auswahlen im Volke auslösen können. Denn unter massiver Mithilfe der Massenmedien darf man so für wenige Wochen im Jahr auch mal ohne den erhobenen Zeigefinger der „Political-Correctness-Polizei“ aus Politik und Publizistik fürchten zu müssen, ganz ungezwungen zu seinen Farben, zu seiner Flagge und seinem Land stehen.

Das ist die Sache, die ich tatsächlich an diesen Turnieren genieße. Die Flaggen auf den Balkons, in den Kneipen und sonstigen Geschäften, die Fähnchen an diversen Autofenstern, das Lächeln der Kassiererin im Supermarkt, wenn Deutschland am Vortag gewonnen hat und das übewältigende Gefühl der Zusammengehörigkeit. In diesen wenigen Wochen alle paar Jahre weiß ich, in welchem Land ich lebe, worüber ich mit jedermann ins Gespräch kommen kann und was uns Deutsche emotional zusammenhält. Oder zusammenhalten könnte, denn sobald die Turniere vorüber sind ist es auch mit der Euphorie schon wieder ganz schnell vorbei. Wir sind nämlich tatsächlich ein Land von Miesepetern, Oberlehrern und Besserwissern, wie es vor allem die Englisch-sprachige Welt gerne anmerkt. Daran wird auch der „vierte Stern“ auf dem Trikot der Nationalmannschaft nichts ändern können. (Auch dieser Kommentar ist miesepetrig, wie mir durchaus bewusst ist 🙂 )

Wie könnte es auch anders sein, wenn wir von Leuten regiert werden, die einen „neuen Weltkrieg“ an die Wand malen, sobald in der deutschen Politik auch nur darüber diskutiert wird, ob man nicht deutsche Interessen im europäischen Kontext stärker durch die Bundesregierung und die Europa-Parlamentarier definiert und vertreten sehen sollte. Wenn die Medien „Nazis, neuer Rechtsextremismus“ rufen, sobald ein Publizist auch nur versucht, eine sachliche Analyse sozialer Probleme zu liefern, anstatt wie hierzulande üblich wegzuschauen und nach dem Motto zu leben, dass es „nicht geben könne, was es nicht geben dürfe“. Wenn linke oder palästinensische Pöbelmobs ungehindert von Politik und Polizei wieder Straßenterror verbreiten dürfen wie die Schlägerbanden der „großen Vier“ in der Endphase der Weimarer Republik. (Ja, die SPD, die DNVP, die KPD und die NSDAP hatten Milizen, die damals in den Ballungszentren mit unschöner Regelmäßigkeit aufeinander losgingen.) Wenn Kirchen im Rheinland geschändet und bei Hannover gleich ganz abgefackelt werden, aber in NRW jetzt auf Beschluss des Landtages „antimuslimische Straftaten“ gesondert in der Kriminalitätsstatistik ausgewiesen werden müssen. Das Land wo angesichts eines schweren Reaktorunglücks in Japan gleich die gesamte, in Deutschland weitgehend störungsfrei laufende Kernenergie endgültig „per Ordre de Mufta“ (ja, ich meine Frau Merkel) abgeschafft wird, ohne, dass bereits funktionstüchtige Alternativen zur Verfügung stehen. (Den Zusammenhang zwischen verkorkster „Energiewende“ und den sozial ungerechten Strompreiserhöhungen wollen übrigens sämtliche verantwortlichen Politiker nicht erkennen, was viel über ihre Realitätsferne aussagt. Simpelste, wirtschaftliche Zusammenhänge können, wollen und „dürfen“ sie nicht klar sehen. Warum werden sie dann aber gewählt ?)

In diesem Pandämonium des Irrationalen, zu dem Deutschland verkommen ist, ist es manchmal schön, dass es nur für wenige Wochen, für einen ganz kurzen Zeitraum einmal nicht peinlich ist, Deutsche zu sein. Es ist schön, wenn auch Freunde im Ausland uns zu dieser Fussball-Manschaft gratulieren, wenn selbst die Brieffreundin aus den USA, die mir sonst gar nicht oft genug erklären kann, wie sehr sie „soccer“ langweilt, mir einen Glückwunsch in die Facebook-Timeline stellt o. ä. Es ist schön, wenn Deutschland, und sei es nur für einen Tag und für etwas letztlich so auffallend Banales wie Fussball, etwas Respekt erhält und nicht entweder Zahlmeister, Prügelknabe oder Witzfigur der ganzen Welt ist. Soweit ist es gekommen mit dem Selbstverständnis einer Nation, die eigentlich gar nichts mehr hat, woran sie sich selbst definieren oder was sie im emotionalen Bereich als verbindend ansehen kann. Schon seit 1945 hatten wir doch, seien wir einmal ehrlich, nur noch die D-Mark und die „Helden von Bern“ plus ihre Nachfolger, die alle Deutschen (ja, sogar die jenseits der Mauer) vereinen konnten. Seit der vom Volk damals ungewollten und ebenfalls durch „Mufti-Order“ befohlenen Euro-Einführung haben wir eben nur noch die Fussball-Nationalmannschaft, auf die sich eine super-deutliche Mehrheit aller Deutschen als „vorzeigbar“ und „identitätsstiftend“ einigen kann. Aber das wenigstens sollten wir uns auch nicht von den (zugegeben: sehr, sehr wenigen) linken Spielverderbern nehmen lassen, die schon wieder auf eine „ausgewogenere Sportberichterstattung“ drängen und die sich durch die eigenen Nationalfarben und -flaggen irritiert und schwer belästigt fühlen. (In Berlin z. Bsp. wurden in bestimmten „Szene“-Kneipen alle Schwarz-Rot-Goldenen Insignien „verboten“, wenn dort Fussball gezeigt wurde.)

So, jetzt können wir also bis 2016, zur Fussball-EM in Frankreich, wieder in unseren kollektiven Irrsinn, unsere Streitereien um Dinge wie „geschlechtergerechte Formulierungen“ von Verkehrsvorschriften oder unseren „Kampf gegen Rechts“ zurückfallen. Wir können wieder alle postulieren, dass wir, wenn wir nicht sämtlichen Erpressungen unserer EU-„Partner“ nachgeben, sofort wieder „unsolidarisch und nationalistisch“ sind. Vielleicht sollten wir diesen Partnern einmal ernsthaft vorschlagen, eine gemeinsame „EU-Fussballnationalmannschaft“ zu gründen. Dann werden wir ja sehen, wie weit es mit deren „Europa-Patriotismus“ her ist…

In diesem Sinne,

genießen Sie noch ein bischen das „Weltmeistergefühl“, hören Sie noch ein letztes Mal „ein Hoch auf uns“ von Andreas Burani und dann wählen wir alle wieder schön die linken Parteien, die all das hassen, was mit den Farben Schwarz-Rot-Gold zusammenhängt. Demokratie, Kampf um nationale Einheit und um die Freiheit inklusive.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Hier noch der Kommentar der „Washington Post“ zum Titelgewinn: „Als immer mehr Deutschland zu den Favoriten zählten, erfasste ein gewisser Optimismus eine notorisch skeptische Nation. Und das explodierte heute Nacht in etwas, was man sehr selten sieht seit dem Zweiten Weltkrieg: eine Welle deutschen Stolzes.“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14/07/2014 von in Sport und Gesellschaft, Zeitgeist, Zustand der Nation.
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