Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Ein „Frauenthema“: nackte Nippel sorgen in den USA für Aufregung

Wir haben ja alle unsere Vorurteile fest im Kopfe. Die USA sind „prüde“, Europa „freizügig“. Das erste ist „rückwärtsgewandt, fundamental-christlich“, das letzte „liberal und modern“. Die Medien, der Kunst- und Bildungsbetrieb haben uns diese Kategorien über die Jahrzehnte hinweg in den Kopf gehämmert. So sehr, dass wir über diese Dinge nicht mal mehr nachdenken müssen, bevor wir sie aussprechen.

Was ist aber nun im „good ole America“ los, dass dort die blanken Nippel aufblitzen, wie sonst nur bei den europäischen Aktivistinnen der „Femen“, die dann auch noch Parolen draufpinseln ? Schon seit längerem gibt es eine „dritte-Generation“-Feministinnen- Bewegung von etwas grenzdebilen, jungen Frauen im Lande der „political correctness“ (Nein, ich meine nicht Merkel-Land) und Riesenhamburger, die sich unter dem Motto „#freethenipple“ auf die Fahnen geschrieben hat, weibliche Brüste zu „befreien“. Puh, da muss ich als alte Zippe erstmal tief durchatmen und über die Implikationen solcher Forderungen nachdenken. Möchte ich wirklich meinen Zwillingen die ungefilterte Luft zumuten ? Oder möchte ich wirklich, dass angejahrte Damen wie Alice Schwarzer, Claudia Roth oder Renate Künast das gleiche tun ? Mich schaudert´s davor, offen gesagt.

Aber, von dieser Horrorvision einmal abgesehen und selbstverständlich jenseits männlicher, geifernder Lust an der weiblichen Entblößung, muss man sich schon fragen, was sich diese Mädels von „free the nipple“ wohl dabei denken. Haben unzählige Feministinnen vergangener Generationen dafür gekämpft, dass die teils unschönen Hippie-Nackten der „Woodstock“-Generation jetzt nachträglich bestätigt werden in ihrer naiven, aber letztlich sinnlosen „wir-verbrennen-unseren-BH“-Lust. Unzählige Hängebusen sagen: NEIN. Haben die amerikanischen „Suffragetten“, die deutschen und europäischen Feministinnen (und Feministen, liebe Männer, ich vergesse euch als Mitstreiter nicht !) wirklich dafür gearbeitet und diverse Vorurteile gegenüber dem angeblich „schwächeren“ Geschlecht überwunden, damit wir uns heute alle öffentlich die T-shirts vom Leibe reißen ?

Sie sehen, liebe Leser (ja, in dieser Form schließe ich, ganz altmodisch, auch die Leserinnen mit ein), worauf ich hinaus will. Der „free-the-nipple“-Protest ist in meinen Augen, ähnlich wie die „Femen“-Aktionen, einfach nur extrem infantil. Das mag dem Niveau der politischen Auseinandersetzung unserer Zeit entsprechen, wo Medien, Politiker, Kirchenfunktionäre, Juristen und Angehörige des Bildungssystems zumeist auf einer Ebene miteinander diskutieren, die man eigentlich, wenn man alle Phrasen durchschaut hat, nur als Kindergarten-Äquivalent bezeichnen kann. „Bäh, bäh, du bist böse“, „Neeeee, du bist doooooof.“ Das diskursive Niveau dieser Republik, offensichtlich auch das in den USA, hat sich einem Sandkasten-Schlammwurf-Betrieb angenähert, wo nur noch nach Sympathie und politischer Gesinnung geurteilt wird, nicht mehr nach der Plausibilität und Überzeugungskraft vorgetragener Argumente oder gar nach der Faktenlage. Das ist gefährlich für die ehemals „freien, offenen Gesellschaften“, die heute immer mehr zu einem pc-mainstream-Gleichschaltungsbetrieb geworden sind, den sich Leutchen wie Stalin oder Goebbels nur hätten wünschen können.

Wie dem auch sei: die „Brustwarzen-Befreierinnen“ sehen sich in jedem Falle als würdige Nachfolgerinnen diverser Zweige der Frauenbewegung. Sie wollen, dass „Frauen selbst über ihren Körper bestimmen“ können, auch was dessen Präsenz in der Öffentlichkeit und dessen Abbildung in diversen Medien angeht. Ich kann mir nicht helfen, ich frage mich immer mehr, ob wohl das Wort „Dezenz“ aus dem Wortschatz unserer Zeit ausradiert worden ist. Sie, liebe Leser, die mich ja kennen, wissen, dass ich durchaus an diversen, scheinbar so unsäglich altmodischen Begriffen festzuhalten versuche, da sie Inhalte transportieren, die im Zeitalter von SMS, „Twitter-feeds“ und „facebook-likes“ verlorengegangen zu sein scheinen. Anders gesagt, und darauf wies ich bereits eingangs hin, nicht jeden Nippel MÖCHTE ich auch befreit sehen. Nun, die Nippelbefreierinnen haben sich wohl jüngst etwas Medienpräsenz (und meinen hiesigen Kommentar) erschlichen, indem sie auf eine Politik des Foto-Presenters „Instagram“ hingewiesen haben, nach der Fotos mit nackten, weiblichen Nippeln zu löschen seien.

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Scout Willis, ANGEZOGEN !

Daraufhin bekam die Gruppe Unterstützung von der semi-prominenten Tochter des US-Schauspielers Bruce Willis (deutschstämmig übrigens, seine Mama war von hier./Was die wohl zu nackten Nippeln gesagt hätte ?) namens „Scout La Rue“. Diese begab sich oben-ohne auf einen kleinen Einkaufstrip und sorgte dafür, dass davon Fotos gemacht und selbstverständlich über Twitter und wohl auch Facebook verbreitet wurden. So sehr ich es schätze, wenn sich die meist etwas verwöhnten Promi-Bälger diverser, zerrütteter Hollywood-Ehen auch mal für etwas anderes, als ihr „ach-so-schweres-Schicksal“ interessieren, so zweifelhaft finde ich diese Aktion. Es ist Aktionismus der „einfachen Art“, der auch noch zu einem gewissen Prestige-Gewinn führt. Werbung ebensosehr in eigener Sache, wie für das angeblich „hehre Ziel“. Immerhin hat sie nun weitere (puh, jüngere) Frauen dazu motiviert, es ihr gleichzutun und in US-Großstädten die Zwillinge aus dem BH zu holen. Öffentlich. Wobei das in New York seit ein paar Jahren sogar völlig legal ist, aber dennoch, wie ich jüngst in einem TV-Beitrag gesehen habe (keine Ahnung, auf welchem Sender, die sind irgendwie mittlerweile alle gleich), weiterhin zum Einschreiten von Polizisten führt, wenn „Kinder“ dieser massiven Nacktheit ausgesetzt werden könnten.

Spätestens hier verstehe ich den ganzen Sinn und Unsinn der Sache nicht mehr. Polizisten haben zwar keine rechtliche Handhabe mehr, aber sie wollen junge Menschen, die noch vor nicht allzulanger Zeit an ebendiesen Brüsten lecker Milch „gezogen“ haben, vor nackten Brüsten beschützen. Fast verstehe ich wieder das Image der „prüden“ USA. Dabei wird natürlich vom politkorrekten Europa her immer wieder die „puritanische“, also die christliche Tradition der USA herangezogen, wenn über die unterschiedlichen Moralvorstellungen im „befreiten“ Europa und den „rückständigen“ USA gesprochen, geschrieben oder sonstwie schwadroniert wird. Ich selbst sehe hinter der neuen Politik von Instagram (die möglicherweise ähnliche Regelungen anderer, sozialer Netzwerke nach sich ziehen könnte) aber bereits etwas Anderes aufblitzen. Ist Ihnen, liebe Leser, nämlich mal durch den Kopf gegangen, dass die sozialen Netzwerke eine globale Angelegenheit sind ? Wir Europäer nutzen sie, die Asiaten ebenso (auch wenn dort „Gegennetzwerke“ gegründet werden und „neue Software“ implementiert werden soll, aber das ist eine andere Story), in Afrika, Nahost und sonstwo kann man auf sie zugreifen.

Es ist außerdem kein Geheimnis, dass Männer wie der Herr Erdogan in der Türkei und diverse Staaten wie der Iran, Saudi-Arabien oder auch Kuba die Netze kontrollieren, überwachen lassen und ggf. auch versuchen, effektive Sperren gegen Inhalte einzurichten, die ihren Vorstellungen von Politik, Menschenrechten, Religionsfreiheit und Frauenrechten nicht entsprechen. Da derzeit in den USA ohnehin fundamentalistisch-islamische Lobbygruppen (CAIR, ISNA etc.) einen, angesichts der Mitgliederzahlen, für die sie zu sprechen vorgeben, unangemessen hohen Einfluss auf den öffentlichen Diskurs zu vielen dieser vorgenannten Themen ausüben, entwickle ich hier einfach mal eine hübsche Verschwörungstheorie, deren Plausibilität sie bitte im Selbstversuch prüfen mögen. Was also, wenn sich Unternehmen wie Instagram (ist da eigentlich schon ein katarischer Sklavenhalter als Investor dran ? Wer weiß das schon.) vor Imageverlusten und Umsatzeinbußen fürchten, die ihnen drohen, wenn etwa ein Scheich von der Al-Azhar-Universität eine wirksame und unter sunnitischen Muslimen durchsetzbare Fatwa gegen den Gebrauch etwa von Facebook oder eben Instagram erließe ? Was, wenn diese Unternehmen sich also selbst, die bei ihnen präsentierten Inhalte und damit das gesamte Netz ein klein bischen „schariakonformer“ machen wollten ? Dass sie sich dabei mit christlichen Fundamentalisten, die (möglicherweise, ich weiß es gar nicht genau) ebenfalls weibliche Oberweiten unter Verschluss halten wollen, in einem Boot befinden, nehmen sie ja möglicherweise nur als „Kollateralschaden“ in Kauf, da diese Gruppierungen selbst in den USA ja bereits an Einfluss verlieren. Wer mir jetzt wieder „Hirngespinste“ unterstellt, den weise ich auf die Tatsache hin, dass es mittlerweile ein „Muslim-Wiki“ (namens „wikiislam.net“)  gibt, welches eine Art „Halal-Wikipedia“ nur für Anhänger Allahs darstellt. Sehen da business-Erbsenzähler in den Firmen-Hauptquartieren diverser Internetportale potentiell ihre Felle davonschwimmen ?

Weit hergeholt, meinen Sie ? Und das, obwohl Ihnen auch bekannt ist, wie wohlwollend die USA die ägyptischen Muslimbrüder und auch jahrelang die „Boko Haram“ in Nigeria beurteilt haben ? Nach der Entmachtung der Muslimbrüder und ihrer Marionette Mursi haben die USA UMGEHEND eine Waffenlieferung für die ägyptische Luftwaffe gestoppt. Die „Boko Haram“ wurde vom State Department unter Frau Clinton über Jahre hinweg, trotz Protesten diverser Menschenrechtler, nicht als Terrorgruppe eingestuft, sondern höchstens zu einem etwas auffälligen Symptom sozialer Ungerechtigkeiten im westafrikanischen Staat verharmlost. Die knapp 300 gekidnappten, zumeist christlichen, Schülerinnen aus Chibok werden es Hillary sicherlich danken. Ein Schelm, wer dahinter den Einfluss gewisser Interessengruppen in Washington vermutet…

Wie dem am Ende auch immer sein mag: nackte Möpse müssen weder auf Instagram auftauchen, noch in Kirchen zur Schau gestellt werden (Femen, „Pussy Riot“) o. ä. Allerdings bin ich dafür, dass es möglich sein muss, das zu tun. Wenn man es für angemessen erachtet und die eigene Gesundheit dabei nicht gefährdet, etwa bei öffentlicher Entblößung im Winter oder so. Bei den ehemaligen „love parades“ hat man ja schon ganz andere Dinge gesehen, ohne, dass dahinter eine, wie auch immer vorgeschobene, feministische Agenda stand. Was auf keinen Fall geht, ist, dass wir kommunistischer Zensur Marke Kuba oder Nordkorea und reaktionären Politikern wie Erdogan oder den iranischen Mullahs die Kontrolle über die Inhalte des Webs überlassen. Wer auf Dezenz wert legt, sollte eben nur vernünftige Inhalte dort hochladen und ebenso auch nur dezente Inhalte konsumieren, ohne daß Firmen, Scheichs oder gar „der Staat“ ihnen dabei hineinpfuscht.  Was nun die „öffentliche“ Nacktheit anbelangt, so bin ich altmodisch genug, davon auszugehen, dass diese von den „free the nipple“ – Aktivistinnen so fanatisch proklamierte Gleichheit von männlichen und weiblichen Oberkörpern einfach nicht existiert (na, von einigen meiner Geschlechtsgenossinen einmal abgesehen, denen der liebe Gott die Brüste einfach vorenthielt). Eine Gleichberechtigung ihrer Entblößung in der Öffentlichkeit muss also vom sozialen Konsens bezüglich dessen, was angemessen ist, abhängen. Was z. Bsp. am Strand in Brasilien möglich sein mag (auch dort muss, glaube ich, eine Mindestbedeckung der weiblichen Brustwarze eingehalten werden, zumindest in Rio), könnte in der New Yorker U-Bahn einfach nur überflüssig und pseudo-provokativ daherkommen.

Bestimmen wir selbst, seien wir dezent und rennen nicht jeder (post-?) feministischen Schnapsidee hinterher.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Gerade habe ich einen Artikel darüber gelesen, wie sehr doch die TV-Serie „Orphan Black“ die Diskussion um die Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper voranbringen würde. Puh, soll ich da auch mal einen Beitrag dazu verfassen ? Was meinen Sie, liebe Leser ? Oder ist diese These gar zu absurd ?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07/06/2014 von in Kultur, Zeitgeist und getaggt mit , , , , .
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