Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Die EKD und ihr „Haschmich“ mit dem Zeitgeist

Es ist eine Binsenweisheit, liebe Leser, dass jeder, der Schimären nachjagt, irgendwann ermattet und, wenn er noch Herr seiner Sinne ist, vielleicht kurz bevor er seine Seele dem Schöpfer zurückgibt, die Sinnlosigkeit seines bisherigen Tuns er- und bekennt. 

KircheLeitMan kann dies der Evangelischen Kirche in Deutschland (kurz „EKD“) nur wünschen, denn ihre deprimierend-verzweifelte Sinnsuche produziert in immer kürzeren Abständen Dinge, die niemand wirklich braucht. Weder inner- noch außerhalb der Kirche. Von Unisex-Toiletten-Aktionen über Thesenpapiere zur „neuen Familie“ bis zur Eröffnung eines Gender-Forschungszentrums in Hannover ist da alles drin, was den scheinbaren Zeitgeist besänftigen soll. Besonders traurig wird es, wenn man gleichzeitig beobachtet, wie die Zahlen der Gläubigen sinken, die Kirchen leer bleiben und die EKD Immobilien verkaufen muss, um überhaupt noch die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen zu können.

Jüngst las ich interessante Schlagzeilen. Da werden in der badischen Landeskirche prominente Immobilien verkauft, weil man sich solch edle, zumeist in Schlössern gelegenen, Konferenz- und Bildungsstätten nicht mehr leisten kann. Gleichzeitig veröffentlicht ein anderes Medium die durchaus glaubhafte Beobachtung, dass bspw. in Hamburg mittlerweile mehr Muslime am Freitagsgebet teilnehmen, als Christen am Sonntag in den halb- und fast-komplett leeren Kirchen zum Gottesdienst anzutreffen sind. Gleichzeitig bleiben dringend benötigte, ernsthafte und konzertierte Bemühungen der Kirchen zur Binnenmission oder zur Festigung des absoluten „Minimums“ an christlichen Gewissheiten in der innerkirchlichen Lehre aus. Kein Wunder also, dass sich vor allem junge Menschen bei ihrer spirituellen Sinnsuche von einer Kirche, die selbst nicht mehr weiss, wo ihr unverrückbarer Kern liegt, warum sie überhaupt noch Menschen für den Glauben begeistern soll (von der Kirchensteuer mal abgesehen) und die stattdessen die Bibel nur noch wie ein Schrottauto für sehr, sehr oberflächliche, politische Kurzzeit-Initiativen ausschlachtet, nicht mehr angesprochen fühlen.

Gerade ich selbst habe mehr als einmal die Worte gehört „ja, Christus ist eigentlich ganz OK, aber mit dem ganzen Kirchenzeugs will ich nichts zu tun haben“. Verständlich, denn ich will es auch schon lange nicht mehr. Sorry, Bischof Schneider, aber „Genderforschungen unter feministischem Gesichtspunkt“ riechen für mich fatal nach Kirchensteuerverschwendung angesichts zerbröselnder Kirchengebäude und leerer Kollektenkörbe. Ob ich mich für „Unisex-Toiletten“-Aktionen Marke „Eine Tür reicht“ begeistern kann, weiss ich ebenfalls gar nicht zu sagen sondern vermute gleich mal, dass irgendwo eine Synodale wohl etwas zu oft die Wiederholungen von „Ally McBeal“ gesehen haben mag und deshalb irrige Vorstellungen von tanzenden Menschen und tiefsinnigen Gesprächen vorm Klo-Spiegel gehabt haben wird.

Dabei beschleicht mich langsam schon fast so etwas wie Mitleid mit der EKD. Sie will so verzweifelt, so krampfartig jedem durch die „veröffentlichte Meinung“ gepushten Thema hinterherhecheln, dass sie die Grenze zur Lächerlichkeit leider längst schon überschritten hat. So wird z. Bsp. die sogar mit den Katholiken abgestimmte „ökumenische Sozialinitiative“ von allen ernstzunehmenden Denkern und Journalisten in diesem Lande nur mit Kopfschütteln registriert oder gleich ganz LINKS liegen gelassen. Ein Münchner Publizist ließ sich unlängst zu den Worten hinreißen, in diesem 60-Seiten-Papier stünde nur „viel Welt und noch mehr trallala“ und das Niveau sowie die Themensetzung würden sich nicht maßgeblich von Diskussionen in jedem beliebigen SPD-Ortsverein unterscheiden. Ein anderer, unvoreingenommener Publizist hatte unlängst herausgearbeitet, dass die EKD von der Heiligen Dreifaltigkeit zum Evangelium von „Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und unbegrenzter Toleranz“ übergegangen sei. Man kann da kaum widersprechen.

Denn schon seit Jahren ist es für jeden, der „Augen hat, zu sehen“ doch klar, dass die beiden Großkirchen in Deutschland nur überleben können, wenn sie auch unbequeme Antworten zu geben bereit sind. Wenn sie ihren „Markenkern“ so deutlich definieren, dass jeder, der sich mit den „großen Fragen“ des Lebens befasst, weiss, welche Antworten er dort zu erwarten hat. Man mag dann als einzelner Sinnsucher diese Antworten ablehnen, aber man kann sie immerhin erkennen und vielleicht sogar respektieren. Eine EKD aber, die letztlich den Zeitgeist zu ihrem eigenen „Heiligen Geist“ umdefiniert (wie es wohl ansatzweise schon auf Kirchentagen geschieht), ist letztlich nur ein Fähnlein im Winde. Die Verantwortlichen haben schon vor Jahrzehnten aufgehört zu verstehen, dass sie so immer mehr dem Don Quijote gleichen, der überall Riesen sah, mit denen er sich in den Clinch begab, nur um am Ende seines Lebens einzusehen, dass es wohl doch nur Windmühlen waren. Die „traurigen Gestalten“ (von „Rittern“ mag ich gar nicht mehr sprechen) in der Leitung der EKD, die bibelfernen Theologen Marke Kässmann, die sich aus der vermeintlichen „Abbruch-Halde“ namens BIBEL nur noch die ihrer eigenen, ganz profanen Weltsicht genehmen Versatzstücke herausholen und sie damit schmerzlich aus ihrem Kontext reissen, dominieren den innerkirchlichen Diskurs und werden auch von den weltlichen Medien als einzig wahre Vertreter eines „modernen Christentums“ hofiert.

Aber Christentum hat nichts mit mainstream, mit „bequem“ und „fortschrittlich“ sein zu tun. Sondern vielmehr mit einem klaren, kantigen, den Lässigkeiten der Welt ihre isolierte Bedeutungslosigkeit ins Gesicht werfendem Gottvertrauen. Früher auch mal als „Gottesfurcht“ bekannt, bevor die Betonung wohl mehr auf dem zweiten Teil zu liegen begann, als auf dem ersten. Wo wären z. Bsp. der Apostel Paulus oder der Reformator Luther geblieben, wenn sie den Vorgaben ihrer Zeit gefolgt wären ? Machen wir uns nichts vor: ohne beide gäbe es die EKD überhaupt nicht. Ohne ihre Hartnäckigkeit, ihr Beharren auf unbequemen Standpunkten und ihr selbstbewusstes Beharren darauf, diese Standpunkte auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu publizieren und auszusprechen. Von diesem Rückgrat wünsche ich der EKD wieder ein wenig. Denn es scheint ihr komplett verlorengegangen zu sein, was angesichts des bevorstehenden Luther-Jahres 2017 natürlich besonders zu Vergleichen mit dem manchmal bis zur Grobschlächtigkeit deutlichen Dr. theol. aus Wittenberg einlädt. Dass dieser mittlerweile in der Gruft der Wittenberger Schlosskirche im Schleudergang rotiert angesichts von schwulen Pfarrern, „geschlechtergerechter“ Bibelsprache etc. ist wohl so selbstverständlich, dass ich es hier nur am Rande erwähne.

Letztlich kann man engagierten, bibelorientierten und bekenntnistreuen, evangelischen Christen nur raten, darüber nachzudenken, diese „Kirche“ namens EKD zu verlassen. Mittlerweile gibt es nämlich im freikirchlichen Bereich genügend seriöse, geradezu auffällig nüchterne Gemeinden und Kirchenverbände. Da ist für jeden etwas dabei. Das von der EKD gerne etwas herablassend verfügte „Stigma“ des „Sektierertums“ und der etwas sehr enggefassten, theologischen Lehre dort trifft nämlich kaum noch zu. Solches ist nur am absoluten „Rand“ etwa des schwärmerischen Charismatismus´o. ä. noch zu vermuten. In Wahrheit sind viele Freikirchen jedoch mit ihrer großen Offenheit für Neuankömmlinge, ihrem z. T. guten, inneren Zusammenhalt und dem Ausgreifen in die Caritas das, was die heutige EKD vor vielen, vielen Jahrzehnten auch mal gewesen ist: ein Ort, an dem ein Christ sowohl geistlichen Frieden, als auch genügend Anregungen zum geistlichen Wachstum bekommt. Sie haben es sicher schon vermutet, liebe Leser, ich schreibe da aus Erfahrung. Und deshalb will ich diesen Weg sicher auch keineswegs als „goldene Regel“ verallgemeinert wissen. Andererseits weise ich doch darauf hin, dass ich mir diese „Todeszuckungen“ der EKD dennoch mit mehr innerer Ruhe anschauen kann, seit ich ihr nicht mehr angehöre und bspw. dieses Genderdings in Hannover nicht mit meinen Kirchensteuern ganz direkt mitbezahlen muss.  Dieses „Haschen nach dem Winde“ eines sich immer mal wieder drehenden Zeitgeistes durch die EKD macht mich letztlich nur noch traurig. Denn nicht alles, was „modern“ ist, ist auch gottgewollt und aus biblischer Perspektive zu befürworten.

Bevor Sie mich aber als „ganz verbiesterte, alte Spaßbremse“ abstempeln, möchte ich Ihnen, liebe Leser, immerhin noch soviel von mir selbst erzählen, dass ich mich trotz allem, was ich bisher geschrieben habe, dennoch als Christin sehe, die sich nach dem Bibelwort „prüfet alles und behaltet das Beste“ (1. Thess. 5,21: Prüft aber alles und das Gute behaltet.) als durchaus offen sieht für Veränderungen in der Kirche und im Ritus etc. Es gibt durchaus Traditionen und Rituale, die entweder mit neuem (zumeist eher ganz altem) Sinn gefüllt werden müssen, oder eben über Bord gehören. Insofern verstehe ich die Bemühungen auch der EKD, für Menschen des 21. Jahrhunderts interessant bzw. relevant sein zu wollen, durchaus. Ich kann nur ihre Wege dorthin schon seit langem nicht mehr nachvollziehen und fürchte, sie stolpern auf einer „downward slope“ dahin, einem glitschigen Abwärtspfad, der nur in Irrglauben und Bedeutungslosigkeit enden kann. Sie werden also ironischerweise langfristig vermutlich genau das erreichen, was sie kurzfristig durch ihre irrwitzigen Initiativen zu verhindern suchen. Einfach nur tragikomisch, wenn man schon ausgetreten ist und nur noch „von außen“ zuguckt. 

Na, gut. Soweit mein Senf dazu. Gott segne alle Leser, ob sie meinen Ausführungen nun zustimmen können, oder nicht. Und, da ich wohl vorher nichts „Geistliches“ mehr verfassen werde: FROHE OSTERN an alle Freunde, Verwandte, Leser und sogar Feinde.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Ein Kommentar zu “Die EKD und ihr „Haschmich“ mit dem Zeitgeist

  1. Kassandra Pugatshowa
    14/04/2014

    Und erst, nachdem ich den Beitrag fertig hatte, fiel mir noch der Gedanke ein: „Was wird die EKD wohl als nächstes umarmen ?“ Pädophile, Sodomisten und Geschwisterliebhaber ? Es wird Zeit, sich vorzustellen, wo das enden soll…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13/04/2014 von in Kultur, Zustand der Nation und getaggt mit , , , , , .
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