Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Motorsport absurd, auch 2014 !

Liebe Freunde, Sie wissen es natürlich alle, ich bin schon eine recht enthusiastische Beobachterin der Motorsport-Szene. Vor einigen Monaten habe ich bereits einige Anmerkungen zu den immer schwerer verständlichen Philosophien hinter den Reglements mehrerer Serien gemacht. Aber, man sollte es nicht glauben, die „Macher“ des FIA-Motorsports (große Teile der US-Szene kann man noch davon ausnehmen) kommen auf immer neue Ideen, um den Fans den ihnen vermeintlich zustehenden Platz zuzuweisen und sie damit zu brüskieren.

Formel-1-2014-Williams-Mercedes-FW36Aber mal langsam. Was ist es, dass dem Motorsport – Fan langsam aber sicher den Spaß am Geschehen verdirbt ? Waren es z. Bsp. in der Saison 2013 noch so „großartige“ Manipulationen des Wettbewerbs wie „Strafgewichte“, etwa in der WTCC oder dem ADAC-GT-Masters, so kommen die intellektuellen „Großhirne“ bei der FIA und ihren diversen Mitgliedsverbänden auch jetzt wieder auf Methoden, um am Interesse der Fans völlig vorbeizuheizen. Denn etwa auch die von mir im letzten Jahr angeprangerten, bewussten Beeinflussungen im Reglement z. Bsp. des Rennens in Le Mans zu Ungunsten von Audi, können noch getoppt werden.

Derzeit steht vor allem die von mir schon seit Längerem eher weniger geschätzte Formel-1 im Mittelpunkt der Diskussionen. In ihrer Allmacht hat nämlich die FIA beschlossen, den Formel-1-Rennern ein derartiges Motoren-Reglement vorzuschreiben, dass selbst die beteiligten Ingenieure zu verzweifeln beginnen. Was soll das nochmal sein, was uns da die Freude an dieser angeblichen „Königsklasse“ (hüstel, ich denke, jeder ECHTE Fan hat seine eigene Lieblingsserie…) im Jahre 2014 wieder versaut ? Ein „Hybrid-Turbo“-Motor, dessen Maximalverbrauch eingeschränkt und von der Rennleitung überwacht wird ? Würg ! Kein Wunder, dass selbst die Entwickler dieser „dreifach“-Aggregate, oder wie dieser Quatsch auch immer genannt wird, nicht richtig kapieren, was die FIA eigentlich von ihnen will. Das Ausscheiden von Daniel Ricciardo beim Großen Preis von Australien wegen „Überschreitens des maximalen Verbrauchs pro Strecke“ ist für den Zuschauer und die Fans weltweit genausowenig nachvollziehbar wie im letzten Jahr die Disqualifikation des Rennsiegers der DTM in Nürnberg, des Schweden Mattias Ekström, wegen einer Wasserflasche in der Hosentasche oder so. Der Rennsport macht sich so lächerlich und kann nicht mehr ernstgenommen werden.

Aber für die Fans wird bei der FIA ohnehin nicht gearbeitet, wie dem McLaren Renndirektor Eric Boullier letztlich entschlüpfte. In einer zickigen Erwiderung auf die nicht ganz unberechtigte Fan-Kritik am schwachen Sound der neuen Kombi-Aggregate rotzte er heraus, dass die neuen Motoren ja sooooooooo zukunftsweisend wären und ohne dieses jetzt gültige Formel-1-Technikreglement ja viele Motoren- und Autohersteller schon längst von der F-1 abgesprungen wären. Ja, ja, Herr Boullier. So mag es ja durchaus sein, aber wenn die Fans völlig zu Recht anmerken, dass die neuen Triebwerke sich anhören wie eine schlappe, 30 Jahre alte Waschmaschine im Schleudergang und wenn man voraussetzt, dass ein knackiger Motorensound zur Faszination JEDER Rennserie dazugehört, dann stellt sich eben die Frage: FÜR WEN MACHT MAN DIE FORMEL 1 DENN EIGENTLICH ? FÜR DIE HERSTELLER ODER FÜR DIE FANS ? Die Hersteller wollen natürlich „innovativ“ daherkommen und neue, technische Konzepte ausprobieren, während sie im vermeintlichen „Premium“-Sport-Segment der „Königsklasse“ mächtig ihr Image aufpolieren. Das sei ihnen unbenommen, aber muss man so offen zugeben, dass die F-1 eben NUR und AUSSCHLIESSLICH eine Spielwiese von Mercedes, Renault, Ferrari und Co. ist und auf die Meinung derjenigen, die mit ihren Merchandise-Käufen und mit dem Bezahlen der megadreisten Eintrittspreise für die Grand Prixs wenigstens einen Teil des Budgets dieser Mitspieler wieder auffangen, scheisst ?

Langweilige Rennen ? Schwacher Motorensound, Boliden mit hässliche Nasen ? Fahrer mit so viel Charisma wie eine vollgepinkelte Telefonzelle ? Ein immer undurchsichtiger werdendes Strafpunktesystem, oder gutsherrenartiges Auftreten von Unterchargen der Unterchargen irgendwelcher Mitläufer-Teams ? Nein, davon will man bei der Formel 1 natürlich nichts wissen. Solange noch irgendein Blödmann zu den Rennen geht, die Übertragungen bei RTL oder sonstwo einschaltet und immer fleissig Mützen, T-shirts etc. zu Preisen kauft, die den Begriff „Wucher“ um Längen schlagen, so lange ist ja alles in Ordnung. Dass aber die Jagd nach dem (Petro-) Dollar dazu geführt hat, dass mindestens zwei todlangweilige, atmosphärelose Rennen in der arabischen Wüste stattfinden, wo nicht einmal eine ordentliche Portion Siegerschampus den trostlosen Eindruck retten darf, ist eigentlich schon seit Jahren der Todesstoß für diese ehemals bedeutende Rennserie. Die Expansion ist auf dem Horror-Trip und ob die Ränge mit echten Fans und Enthusiasten gefüllt sind oder mehr als halb leer stehen, ist scheinbar ohne Bedeutung.

Aber der Fairness halber sei es gesagt: auch andere Serien gehen merkwürdige Wege, um „innovativ“ daherzukommen. Die Langstrecken-WM WEC hat ihr Reglement ähnlich wie die Formel 1 auch dahingehend geändert, dass z. Bsp. beim Saison-Höhepunkt, den 24 h von Le Mans, die Verbrauchs-Logik gilt. Diese sieht so aus, dass, wer aus seinem Motor pro verbrauchtem Liter Sprit mehr Kilometer herausholt, vermutlich gewinnt. Ich bin schon darauf gespannt, wieviele Motoren der Top-Teams schon in den ersten Stunden den Geist aufgeben werden und wie diese Aggregate sich überhaupt anhören.

NASCAR_LV2Sorry, wenn mir jetzt notorische Amerika-Hasser wieder meine Sympathien für das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ vorwerfen werden, aber ich lobe mir da die NASCAR – Serie. Die machen mit einer Technologie aus den 70er Jahren und einem knallharten Aerodynamik- und Reifen-Reglement eine dolle Show und spannenden Sport. Fehlende Zuschauerzahlen ? Fehlanzeige. Knallbunte „Matchbox“-Autos rödeln einen halben Tag lang im Kreise herum. Da muss sich mancher europäische Motorsport-Fan erstmal dran gewöhnen. Auch ich habe mich da ein Weilchen drauf einstellen müssen, aber gerade die laufende Saison, in der eigentlich alle Rennen bis zum Ende hochdramatisch waren (und nicht einmal stundenlange Regenpausen den „Hype“ unterdrücken konnten) hat mich endgültig davon überzeugt, dass es auch anders geht, als es die Technik- und selbstverliebte Formel 1 oder ähnliche Serien praktizieren. So können in der NASCAR z. Bsp. die Fans auf fast allen Renstrecken bis kurz vor dem Rennen noch durch die Boxengasse schlendern, Kontaktscheu bei Fahrern ist unbekannt (und würde wohl zur Entlassung führen) und die Selbstironie in der Außendarstellung schlägt bei manchem Team alles, was ich jemals in Deutschland gesehen habe. Ganz abgesehen davon, dass seit zwei Jahren mit Danica Patrick ganz selbstverständlich eine Frau in dieser ehemaligen „Cowboy“ und „Macho“-Serie mitfährt.

Langer Vorrede, kurzer Sinn: ich mag Motorsport. Aber das „Sportliche“ darf dabei nicht außen vor bleiben. Wenn ich mir anschaue, dass in jedem Jahr sowohl in Tourenwagen – Serien wie der WTCC oder im Formelsport höchstens 50 % aller an der Rennserie beteiligten Teams berechtigte Chancen auf die begehrten Podiumsplätze haben, dann muss da eigentlich ein Reglement her, dass gleiche Voraussetzungen schafft. Ein Regelwerk, welches die Erfolge weitgehend von den Fahrern abhängig macht, wie es z. Bsp. bei der NASCAR noch immer der Fall ist, wo sich die Sieger mit schöner Regelmäßigkeit abwechseln. Dann sind auch die Fans dabei und gucken sich selbst die „knallebunten“ Matchbox-Rennen wie eben NASCAR oder ähnliches an. Denn ich bin, man mag mich naiv nennen oder einfach nur ehrlich, noch immer der Meinung, dass Motorsport für die Fans gemacht wird und nicht für irgendwelche arabischen Ölprinzen oder für prestigegeile Autofirmen.

In diesem Sinne, gucken Sie selbst, oder lassen Sie es bleiben, aber lassen sie sich keinen Kuhdung als Torte aufbinden !

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21/03/2014 von in Sport und Gesellschaft und getaggt mit , , .
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