Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Olympia-Debakel…ein Symbol unserer Zeit

Die Olympischen Winterspiele von Sotschi sind vorbei und bei vielen deutschen Sportfans und (noch schlimmer) bei den meisten, deutschen Funktionären der diversen Wintersport-Verbände herrscht Ratlosigkeit. Was ist schiefgelaufen beim „Plan 2014“ ?

Dreissig Medaillen waren anvisiert worden. 19 kamen am Ende dabei heraus. Ein mickriger sechster Platz im Medaillenspiegel, noch hinter den NIEDERLANDEN (außer Eisschnellauf können die doch im Winter nix, oder ?) inklusive. Ein einziges Trauerspiel. Bin ich überkritisch und von den Spielen der Vergangenheit verwöhnt, wo deutsche Teams regelmässig unter den Top 3 im Medaillenspiegel auftauchten und Goldmedaillen wie reife Früchte pflückten ? Vermutlich. Und ich würde mich auch gar nicht aufregen, wenn es dann mal irgendwo, irgendwann etwas schlechter läuft. Das ist im Sport absolut normal, es macht ihn interessant, dass üblicherweise eben NICHT IMMER DIESELBEN Leute oder Nationen die Titel gewinnen. Wo kämen wir denn hin, wenn z. Bsp. immer nur der FC Bayern und Real Madrid die Champions League unter sich ausmachen würden ? Da wären in kürzester Zeit die Sponsorenverträge verschwunden und die Spannung, die den Sport so wunderbar und begeisternd macht, ebenfalls. Soweit, so bekannt.

evi-sachenbacher-stehleAber was machte nun diese Olympiamannschaft, Aktive und Funktionäre zusammen, aus, dass sie nicht mehr als „Team“ auftraten, sondern als Sauhaufen, in dem der eine dem anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnt ? Zunächst mal fällt einem da natürlich das Debakel der Nordischen Kombinierer ein, wo sich zwei deutsche Läufer kurz vor dem Ziel gegenseitig über den Haufen fahren und damit BEIDE eine mögliche Medaille abschreiben konnten. Klar fährt hier jeder für sich selbst, es gibt im Einzelwettbewerb keine Team-Medaillen, dennoch sollte und müsste man auch unter Streß in der Lage sein, keinen Mitkonkurrenten zu behindern, schon gar nicht einen aus dem eigenen Land.
Dann kamen noch Dinge wie eine Langlauf-Jury, dazu, die eine ganz eindeutige Regelverletzung finnischer Läufer gegenüber ihren deutschen Konkurrenten einfach nicht werten wollten etc. Es war letztlich ein einziges „Pleiten, Pech und Pannen“-Festival für Deutschland in Sotschi, wobei die Doping-Affäre um Evi Sachenbacher-Stehle nur die Spitze des Eisbergs war.

Alles hatte bereits vor der Eröffnungsfeier damit begonnen, ins Lächerliche abzudriften. Diverse Politiker (inklusive unseres Bundes-Weichei-Pfaffen Gauck) bemühten sich bereits im Vorfeld der Spiele lautstark und ungefragt darauf hinzuweisen, dass sie nicht gedächten, dieses Sportereignis mit ihrer Anwesenheit zu beschenken. Wie wunderbar, habe ich da gedacht, dann können die Athleten eben ungestört ihrem Tagwerk nachgehen ohne ständig mit diversen publicity-geilen Polit-Wichteln der ersten und zweiten Reihe grinsend vor die Kamera treten zu müssen. Die Begründung für die Absagen, die angeblich so „schwulen- und lesbenfeindliche“ Politik des „bösen, bösten Herrn Putin“, war immer etwas fadenscheinig. Vermutlich wollte einfach niemand nach Russland fahren, wo man ein anderes Alphabet schreibt, Atomkraftwerke fröhlich und kontinuierlich Strom liefern und noch nicht einmal alle Leute flüssig Englisch sprechen ! Wo kommen wir denn da hin, in der „globalisierten“ Welt ? Wie gesagt: nicht mein Vorurteil, ich kann wenigstens ein paar Sätzchen Russisch, kann das russische Alphabet einigermaßen fehlerfrei lesen und mag die Russen eigentlich recht gern. Mit und ohne Putin.
Nun, vielleicht wollten unsere Polit-Wichtel auch einfach nur der islamischen Terror-Drohung entgehen. Wie sieht es denn aus, wenn man nach einer harmlosen Fahrt mit dem Transferbus z. Bsp. mit einem Bein weniger nach Hause kommt, weil sich ein sprenggläubiger Muslim darin in die Luft gejagt hat ? In diesem Zusammenhang übrigens ein Lob an die russischen Sicherheitsbehörden. Ob bei gleicher Gemengelage deutsche Polizei und Nachrichtendienste ein Großereignis ebenso effektiv hätten schützen können, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

Und mit der Eröffnungsfeier ging der Aberwitz des deutschen Olympiateams dann weiter. Die lächerlichen Clownskostüme, in denen unsere Athleten dort auftreten mussten, machten Deutschland vor der gesamten Weltöffentlichkeit zum Spott der Fernsehzuschauer. Kein bischen „Schwarz-Rot-Gold“ zu erkennen, nur eine „Villa-Kunterbunt“, die eigentlich den Astrid-Lindgren Schweden gut angestanden hätte. Ein Schelm, wer hier an die „Regenbogen-Flagge“ der Homo-, Lesben-, Transgender blablablabla – Bewegung denkt und hier eine politische Provokation in Richtung des Gastgebers vermutet…. Der Modezar, der diese Kostüme entwarf, bestreitet dies jedenfalls und faselt etwas von „bunt und weltoffen“. Nun, wenn man bedenkt, dass der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper ein Grünen-Politiker ist, muss das wohl irgendwie zum „offiziellen“ Sprachgebrauch gehören. Es bleibt aber kopfschüttelnd festzustellen, dass man sich mittlerweile in offiziellen, deutschen Sportverbänden für die Farben Schwarz-Rot-Gold schämt, für die im 19. Jahrhundert Menschen aufrichtig überzeugt in den Tod gingen. Denn eigentlich stehen sie bis heute für den Freiheitskampf Deutschlands gegen napoleonische Okkupation, für Demokratisierung und Parlamentarismus. Muss man sich für solche Ideale heute bereits schämen ? In Michael Vespers DOSB offensichtlich schon.

Aber solche „Äußerlichkeiten“ lassen auch tiefer blicken. Die Art und Weise, wie im deutschen Team 2014 miteinander umgegangen wurde, wie Trainer noch in laufenden Wettkämpfen lautstark ihre Rücktritte verkündeten, wie deutsche Athleten sich gegenseitig ihrer Medaillenchancen beraubten, wie einstige „Gold-Garanten“ wie die Bob-Fahrerinnen und -fahrer offensichtlich unzureichend auf die Bahn in Sotschi vorbereitet wurden, all dies lässt auf eine „Lari-Fari-laissez-allez“-Mentalität im deutschen Wintersport schließen, die es in vergangenen Jahren in diesem Ausmaß nie gegeben hat. „Gewinnen wir heute nicht, gewinnen wir eben morgen“, so schimmerte es durch die Zeilen der Presse hindurch. Nur ist „morgen“ eben kein olympischer Wettkampf mehr ! Aber selbst, wenn man diese unzureichende Präparation und die lustlose performance vor allem seitens mancher Funktionäre mal außen vor ließe, müsste man aber ganz sicher die DOSB-Spitze dafür kritisieren, welche Vorgaben sie unserem Team mit auf den Weg gaben.

Dreissig Medaillen mit einem „Korridor“ für bis zu zweiundvierzig so wollte es Herr Vesper uns vorher glauben machen, wären drin für Deutschland. Eine Einschätzung, die nur verrät, wie weit die Herren und Damen Sportbonzen von den Athleten und Trainern eigentlich entfernt sind. Zumindest was Sachkenntnis und gute Beobachtungsgabe angeht. Denn wer hätte z. Bsp. bitte von der 41-jährigen Claudia Pechstein noch eine Medaille erwartet ? Ihre guten Platzierungen alleine sprechen zwar noch von ihrem bestens trainierten Ausnahmetalent, reichen aber nicht mehr, um darüber hinwegzutäuschen, dass die Weltspitze heute einfach an ihr vorbeigezogen ist. Es darf also von diesen Sport-Apparatschiks und Inkompetenzniks, die nur aufgrund politischer Ränkespiele (Vesper soll da mal als Paradebeispiel herhalten, denn seit wann verstehen die notorisch Wettbewerbs- und Leistungsfeindlichen Grünen etwas von Sport ?) ihre Posten erhielten auch keine messerscharfe und schmerzhafte Analyse der Missgeschicke von Sotschi erwartet werden. In schlechtester, deutscher Funktionärsmanier (die in der Politik inzwischen der Normalfall geworden ist) werden sie alles relativieren, schönreden, sich dann zurücklehnen und die Dinge weiterlaufen lassen. Ganz im Sinne der fernöstlichen Weisheit, dass „alles im Flusse“ sei und irgendwann die Medaillen dann wieder auf unser Land herabregnen werden. Man brauche nur „abzuwarten und Tee zu trinken“ (für Herrn Vesper gerne aus biologischem Anbau).

Insofern ist das deutsche Olympiateam, zusammenfassend gesagt, ein Spiegelbild unseres Landes. Der Narr führt die Narren, die Gutwilligen und die Ahnungslosen in die Mediokrität, ins Mittelmaß, wo wir Deutschen uns ja angeblich so wohl fühlen. Aber immerhin geschieht dies im schönsten Narrenkostüm, das für teures Geld von Willy Bogner zu erwerben war.
Von außen „kunterbunt“, von innen nur Zank, Streit, Inkompetenz und Stillstand. Denn wo sind die deutschen Athleten in den sog. „Trendsportarten“ des Winters ? Half-Pipe, Kairin, Snowboard oder freestyle-ski ? Richtig: nirgendwo. Da haben wir nicht nur den Anschluss verpasst, sondern den Wettbewerb mit Ländern wie den USA oder Kanada gar nicht erst aufgenommen. Peinlich, peinlich. Ebenso wie der Doping-Fall Sachenbacher – Stehle. Ihr Absicht zu unterstellen, wäre zwar eindeutig zu viel gesagt. Peinliche Leichtfertigkeit beim Einnehmen ihrer Vitamin- und Mineralien-cocktails aber muss zweifelsfrei attestiert werden. Auch die Mitnahme eines persönlichen „Ernährungsberaters“, der aber offensichtlich die Doping-Liste des IOC noch nie gesehen hatte, ist als gängige Praxis im deutschen Olympiateam bitte in Zukunft abzulehnen.

Bleiben also 19 Medaillen, davon 8 goldene. Zwei Überraschungssiege im Skisprung-Team-Wettbewerb der Herren sowie im Skisprung der Damen und ansonsten viele, viele Überraschungs-Niederlagen. Wir dürfen gespannt sein auf die Konsequenzen, falls es überhaupt welche geben wird.

Ihre

Kassandra Pugatshowa.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24/02/2014 von in Sport und Gesellschaft und getaggt mit , , .
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