Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

schönes, neues 1984 (ergänzt 29. Januar 2014)

This is bella soma…in 1984…Huxley und Orwell. Big brother und „Einheitsbrei“. Wohin hat sich unsere Gesellschaft entwickelt ?

George Orwell

George Orwell

In der Schule haben wir in meiner Generation noch selbständiges Denken, Be- und Auswerten von Fakten und Situationen gelernt. Zwar stand auch unsere Bildung damals (vor mehr als einer Generation, zugegeben) schon massiv unter dem Einfluss friedensbewegter  Graswurzel-Maoisten, aber im Großen und Ganzen war das Kollegium an mehreren Schulen meines Verwaltungsbezirks doch recht ausgewogen besetzt. Da gab es die „alten Zucht- und Ordnungs“-Fanatiker, vor allem noch in den naturwissenschaftlichen Fächern. Dann waren da die notorisch bekifften „alles ist Liebe“ – Althippies, die die künstlerischen Fächer dominierten und irgendwo dazwischen pendelten sich die geisteswissenschaftlichen und sprachlichen Themen ein. Sportlehrer waren zwar oft links, wussten aber so etwas wie individuelle Leistung noch zu schätzen. Deutschlehrer (und -innen) achteten, selbst wenn sie selbsterklärte Leninisten waren, auf die korrekte Rechtschreibung, Interpunktion etc. Es gab schlicht einen Rahmen, innerhalb dessen man noch Wissen und geistiges Handwerkszeug für den Alltag mitbekam. Zwar beschwerten sich auch damals schon Wirtschaftsverbände über die nachlassenden Kenntnisse ihrer potentiellen Praktikanten und Azubis, aber Verzweiflungsmaßnahmen wie etwa korrektive Bildungsbemühungen um die Versäumnisse des Bildungssystems auszugleichen wurden damals im Gegensatz zu heute nicht einmal erwogen. Selbst die meisten der „Linken“ unter den Pädagogen hatten damals noch genug Gelassenheit und Lockerheit, auch andere, „bürgerliche“ Ansichten stehen zu lassen und sich höchstens ab und an in sachlicher Kritik daran zu üben. Diejenigen im Bildungsapparat, die sich selbst bewusst als „Um-Erzieher“, als Werkzeuge eines ganz bewusst herbeigeführten, sozialen Wandels, eines „neuen Menschenbildes“ sahen, waren in einer winzigen Minderheit, so schien es zumindest nach außen. Die Kettenhunde der Sozialingenieure, die wir heute in unschöner Aktion erleben dürfen, waren noch weit am Horizont verborgen und kaum zu erkennen. Dennoch hat auch diese Generation in Bildung, Medien, Politik und Kirchen ihren Beitrag dazu geleistet, dass unser Land sich dem nähert, was wir damals so vollmundig verurteilt haben: der totalen Meinungskonformität !

Sie werden sich denken: Wozu erwähnt die Autorin all diese Kleinigkeiten ? Will sie nur von der „guten, alten Zeit“ daherschwafeln ? Nein, es dient nur dazu, den Rahmen abzustecken, auf dessen Leinwand ich ein Bild unserer Gegenwart zeichnen möchte. Eine kurze Skizze aus singulären Eindrücken, die meine These stützen mögen, dass „im Westen“, im speziellen Falle in Deutschland, die Spielräume des Denkens und damit auch implizit des Handelns massiv eingeschränkt werden. Alles steht sozusagen „unter Meinungsvorbehalt“ und kein Prinzip gilt mehr unangefochten, uneingeschränkt oder absolut. Ganz gleich, was Grundgesetz oder die Phrasendreschmaschinen namens „Presse-Veröffentlichungungen“ auch sagen mögen. Ein Beispiel gefällig ? Sagen Sie doch heute mal im erweiterten Bekanntenkreis, dass Sie die Blitzabschaltung der Kernkraftwerke Deutschlands im Gefolge des angeblichen „Fukushima Disasters“ für eine hysterische Aktion halten, die zu einem vabanque-Spiel mit der Energieversorgung eines ganzen Landes geführt hat. Wenn Sie den Raum lebend verlassen, haben sie vermutlich noch Glück gehabt. In jedem Falle werden Sie ganz massive Einbußen an Freunden und Bekannten erlitten haben. Sie haben schließlich den „gesellschaftlichen Konsensus“ durchbrochen, nachdem das Offensichtliche, das Faktische und Logische nicht ausgesprochen werden darf. Es ist „tabu“, die Verbindungs-Linien darf der Einzelne nicht mehr ziehen; alles steht unter dem „Vorbehalt der inneren Einstellung“. Das hat etwas zutiefst Orwelleskes. Der „neue Mensch“, den die Sozialingenieure heranzüchten wollen, versichert sich IMMER zuerst der allgemeinen Konsensfähigkeit einer Aussage, bevor er sie öffentlich macht.

Das kann z. Bsp. dadurch geschehen, dass man grundsätzlich seinen Anwalt zu Rate zieht, bevor man auch nur den Mund aufmacht. Zumindest aber klärt man mit einer kurzen Internet-Recherche ab, ob man „das so sagen darf“ oder eben nicht, was man von sich zu geben gedenkt. Konformität wird durch die Angst vor sozialer Ausgrenzung erzwungen. Im Sinne der maoistischen Regel des „bestrafe Einen, erziehe Hunderte“ muss deshalb auch der Abweichler angeprangert und tatsächlich massiv in seinem Wohl und Wehe beeinträchtigt werden. Fragen Sie einmal den Herrn Sarrazin dazu. Seine SPD-Mitgliedschaft blieb ihm ja letztlich nur deshalb erhalten, weil die Partei die paar letzten, „alten Genossen“ aus der Arbeiterschaft, die sicher mehrheitlich den Thesen des Buches „Deutschland schafft sich ab“ hätten zustimmen können, bei der Stange halten wollte. Und um damit auch eine Meinungsvielfalt innerhalb dieser Partei vorzutäuschen, die es schon lange nicht mehr gibt. Zumindest nich in ihren Führungskadern. Ein weniger prominenter Fall als der Ex-Senator Sarrazin wäre „achtkantig“ aus seinem Ortsverband geflogen, ohne große Gegenwehr und ohne mediales Trara. Buschkowsky ist ein ähnliches Thema. Den rettet schlicht und ergreifend seine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik. Der weiss, wo einige Leichen (das meine ich wörtlich, wie hiess doch gleich diese Jugendrichterin…) begraben sind.

Nun, wir Deutschen galten ja schon seit Langem als wohlgeübte „Fahrradfahrer“ (Sie wissen ja, nach unten treten…), Opportunisten und Duckmäuser. Gerade im Anglo-Amerikanischen Raum ist diese Perzeption sozusagen „Allgemeingut“. Das Schlimme ist, dass auch in England, der Heimat von „free speech“ und individueller Schrulligkeit sowie in den USA, dem „land of the free“, die Züge in genau dieselbe Richtung fahren. Dort jedoch, anders als weitgehend hierzulande, zumindest nicht ohne letzte Reste bürgerlich-zivilen Ungehorsams. Nicht ohne Widerstände, wie schwach sie auch manchmal sein mögen. Beispiele dafür seien die notorische EU-Skepsis der Briten oder das beinharte Festhalten vieler Amis am Föderalismus zu Ungunsten des Nationalstaates. Wie auch immer: das Perfide heutzutage ist, dass die Manager der Volksumerziehung, die Vorreiter des Sozialingenieurs-Experimentes vom „neuen Menschen“, der keinerlei klassische Bindung mehr besitzt (Nation, Familie, sexuelle Orientierung, Kirche, bürgerliches Bildungsideal…) sich über die „Anpassler“, die „Diederich Hesslings“ der deutschen Geschichte lustig machen, aber selbst ganz genau diesen Menschentypus auszuformen anstreben. Das von Houellebecq einst in bitterster Konsequenz beschriebene „Elementarteilchen“ ist das Ideal der „tatkräftig am Neuen Menschen“ bastelnden „Eliten“. Denn dieser Bindungslose, dieser auch letztlich orientierungslose Mensch kann zu so ziemlich ALLEM gebracht werden. Er tanzt zu jeder Melodei, die ihm der Zeitgeist vordudelt.

Natürlich unter anderen Vorzeichen als dereinst im Kaiserreich. Ein Diederich Hessling glaubte immer noch, irgendeinem, wenn auch nur oberlächlich aufgeklebten Ideal zu dienen. Er würde heutzutage wahrscheinlich irgendeinen Umweltaufkleber auf dem Auto haben, Grüne wählen und vermutlich die „Süddeutsche“ oder ähnlichen Käse abbonnieren. Zumindest aber regelmässig den Spiegel lesen, damit er immer schön genau austarieren kann, „was man denn sagen darf“ und was nicht. Im Orwellschen „1984“-Sinne sogar: was man denn denken darf oder nicht.
Denn auch resignative Bürgerliche und echte Konservative müssen natürlich bereits jetzt an ihren „Tarnungen“ basteln und zumindest jedes Wort, dass in unserer Multimedia-Welt von ihnen zitierfährig wäre, auf die „Goldwaage“ der political correctness legen. Immerhin haben sie, als echte Überzeugungstäter alter Prägung noch den Rückzugsraum ihrer Gedanken, die „innere Emigration“, die wir aus unseligen Zeiten auch in unserer, deutschen Geschichte (ich spreche nicht nur von der NS-Zeit, liebe DDR-Bürger) nur zu gut kennen. Der wirklich überzeugungslose, neue Mensch, der Hessling unserer Zeit, hat nicht einmal diesen, bitteren Rettungsanker, denn er lässt sich auch seine Gedanken bis ins Detail hinein vorschreiben. Wer hier jetzt nicht das Ende von „1984“ vor Augen hat, das uns zeigt, wie ehemalige Dissidenten und „Gedankenverbrecher“ so brutal umprogrammiert wurden, dass sie ihre Knechtschaft hinterher wirklich rechtschaffen lieben, dem ist nicht mehr zu helfen.

Womit ich eigentlich schon wieder beim Thema des „Bildungsplanes“ der Baden-Württembergischen Landesregierung und dessen Brachialdurchsetzungsversuchen wäre, aber dazu habe ich ja bereits Stellung genommen. Komme ich also zurück auf die eingangs geschilderten Verhältnisse im Bildungswesen vor mehreren Jahrzehnten. Die Auffassungsgabe, die heutigen Verhältnisse als Mischung aus Drogen-Sex-Soma-Gleichartigkeit Huxleys-scher Prägung („Dschungelcamp“-TV, Freigabe weicher Drogen, streng normierte „Erlebnis-Bereiche“ aller Art) und brutaler Umerziehung der „Abweichler“ im Sinne von Orwell zu erkennen, habe ich nämlich sowohl dem kritischen Denken meiner Eltern als auch meinen Lehrern zu verdanken, die noch dem Bildungsideal des „reflexionsfähigen Individuums“ anhingen. Die, selbst wenn sie noch so laut schrieen, dass sie „links“ wären, doch den „mündigen Bürger“, der sich auch von staatlichen Institutionen oder Massen-Organisationen nicht einschüchtern lässt, als Ergebnis ihrer Bildungsbemühungen sahen. Von diesen Vorstellungen sind wir aber heute meilenweit entfernt. Denn der wirklich „mündige“ Bürger hätte ja so etwas wie einen „inneren Kompass“, eine entwickelte und verinnerlichte, individuelle Ethik, vor deren Hintergrund er alles prüfen könnte, was ihm im Alltag so begegnet. „Prüfet alles und behaltet das Beste.“ hat schon der Apostel Paulus gewusst. Eine Weisheit, die im „schönen, neuen Deutschland“ der Gysis, Künasts, Trittins, Kretschmanns, Gabriels und Konsorten aber nicht mehr zu gelten scheint.

Denn das einzige Prüfkriterium, dessen wir laut diesen „großen Geistern der Gegenwart“ noch bedürfen, ist die allgegenwärtige „political correctness“. Und was „correct“ ist definieren natürlich ihre Helfershelfer im Bildungs-System, in den Medien und den Kirchen. Wobei die Erwähnung der Kirchen mich unweigerlich an den fanatisch-religiösen Habitus dieser Prediger des Political-Correctness-Evangeliums erinnert. Auch der Umgang mit „Abweichlern“, mit „Renegaten“ und „Aussteigern“ aus dem System der Gedanken-Gleichschaltung erinnert fatal an die „Mea-Culpa“-Selbstbezichtigungen zu Zeiten der Inquisition und der „Säuberungen“ im stalinistischen Russland (und diversen anderen, kommunistischen Diktaturen. Orwell hatte seine Ideen ja daher.). Wer irgendwann „reumütig“ in die Reihen der Linken zurückkehrt, darf vielleicht seinen Job, einen kleinen Teil seiner Reputation und seines Einkommens behalten. Wer jedoch tatsächlich an „rückwärtsgewandten, christlich geprägten, ewiggestrigen, nicht hilfreichen, homophoben, islamophoben und europafeindlichen“ Meinungen festhält, der kann sich genausogut ins Schwert stürzen oder sonstwie selbst entleiben (ein Pfarrer in Thüringen hat das 2006 getan, suchen Sie mal in Ihrer Suchmaschine den Namen „Roland Weisselberg“.), denn er hat in diesem Land keine wirkliche Zukunft mehr.

Ein Trauerspiel, denn jede wirklich freie, offene Gesellschaft lebt von Lebendigkeit, von einem breiten Meinungssprektrum, von echtem Gedankenaustausch, von Spannungsfeldern, die alle seine Bewohner aushalten können müssen. Aber im Zeitalter der rot-grünen P-C-Theokratie kann eben nicht sein, was nicht sein darf. (Als Beispiel sei hier nur einmal das Beispiel der „Mohammed-Karikaturen“ erwähnt, wo einer vermeintlichen Religion Sonderrechte und Schutz vor öffentlicher Kritik gewährt wurde. Alle anderen Gläubigen müssen sehen, wo sie bleiben…)
Wie sehen also die Eckpunkte der neuen, unverdächtigen Ethik aus ? Man kann sie sich gar nicht simpel und holzschnittartig genug vorstellen. Ich umreisse hier nur in Stichpunkten, die z. T. bewusst an die Slogans auf der „Farm der Tiere“ angelehnt sind, einige Postulate der neuen Alltagsreligion:

  • Europa GUUT, einzelne Nationen Schlecht…
  • Links GUUUUUT, Nichtlinks schlecht…(wobei die Linke definiert, was nicht Links ist und damit sicher NAZI!)
  • Islam GUUUUUUT, Christentum und Kirche schlääääääächt.
  • Genderismus GUUUUUUT, Geschlechteridentität schlecht.
  • Gut gemeint ist besser als gut gemacht !
  • Traditionen anderer „Kulturen“  GUUUUUUT, eigene Überlieferungen schlääääääääächt.
  • Zuwanderung ist immer Bereicherung.
  • Privatbesitz ist Raub am Volk. (Außer es ist MEIN Privatbesitz, da ist die linke „Elite“ dann doch irgendwie pingelig.)
  • Vergesellschaftung GUUUUUT, „Kapitalismus“ (abwertende Bezeichnung für Marktwirtschaft) schleeeeecht.
  • Der Klimawandel (von Erderwärmung spricht man verschämt schon kaum noch) ist real. Al Gore hat´s gesagt ! (Klimadaten der letzten 15 Jahre decken diese These nicht mehr, aber bei religiösen Dogmen schaut man ja nicht auf die Fakten.)

Ich vermute, Sie, liebe Leser, haben jetzt das Bild vor Augen. Ich werde diese Liste also nicht weiter fortführen. Im Rahmen dieser dargestellten Stichpunkte darf also die „veröffentlichte Meinung“ stattfinden, ohne zu Hexenjagden auf die Autoren unliebsamer Publikationen zu führen. Dies ist ein primitives, dermaßen zugespitztes und enges Weltbild, das die Dogmen der katholischen Kirche des Mittelalters wie einen Hort der Liberalität wirken lässt. Und ich sage dies als Nichtkatholikin ganz bewusst.

Nun, aber der „neue Mensch“ kommt ja sozusagen mit all diesen oben angedeuteten Dogmen in seiner „Bewusstseins-DNA“ auf die Welt und wenn nicht, müssen sie ihm „von oben“ eingeprägt werden. Um jeden Preis, wie es scheint. Der „mündige Bürger“ mit seiner Individualkompetenz und seinem Verantwortungsbewusstsein war gestern. Der biologisch-abbaubare Öko-Europäer (respektive „Weltbürger“) ist am Werden.

Viel Spaß in den Schulen der Zukunft und in der schönen, neuen Welt.

wünscht uns allen, Ihre

Kassandra Pugatshowa

Nachtrag (29. Januar 2014): Ich bin gerade darauf aufmerksam gemacht worden, dass die hier von mir geschilderten, sehr persönlichen Gedankengänge für die Leser zumeist nur schwer nachzuvollziehen seien. Das will ich nicht ausschließen und möchte in sofern um Entschuldigung bitten, dass ich diesen Beitrag mitten in der Nacht nach einigem, unfreiwilligen Schlafentzug verfasst habe.

Den einführenden Satz „this is bella soma“ kann ich z. Bsp. erklären. Er entstammt einem uralten Song von Chris de Burgh. Der hatte, bevor er zu einem schmalzigen „Eine-Welt-alle-haben-sich-lieb“-Barden wurde, ab und an einen klaren Moment, in dem er seine Eindrücke unserer Gesellschaft zuspitzend auf den Punkt brachte. Wo er, als „musikalischer Geschichtenerzähler“ in bester, irischer Tradition sozusagen Standpunkte ausformulieren konnte, die ihm heute, wie er sehr wohl weiss, schlimmste „shitstorms“, Gegendemonstration vor seinen Konzerten o. ä. einbringen würden. Oder wer erinnert sich heute noch an Songs wie „Eastern Wind“ oder „Crusader“ ? So ein Lied ist eben auch „sound of a gun“ vom Album „man on the line“. Die Situation in manchem heutigen „besonders bereicherten“ Stadtteilen, die permanente Straßengewalt, der Kampf ums Überleben der friedlichen Bevölkerung bringt er dort bereits indirekt zum Ausdruck. Die Gefühle, die man als „Opfer“ in unserer „schönen, neuen Welt“ so haben kann, wenn man nicht im „Rotweingürtel“ oder sonstigen Reservaten der Besserverdienenden wohnt. Und aus diesem Lied „sound of a gun“ stammt eben auch die Zeile „this is bella soma“, die uns daran gemahnt, unsere „Beruhigungspillen“, unsere „Stimmungsaufheller“ (vielleicht in Form von Pseudo-Nachrichten, die uns wochenlang die Zeit stehlen, in Form von Computerspielen oder Schwachsinns-TV-Shows oder eben in Form von echten pharmazeutischen Produkten) einzunehmen und alles, was die „Eliten“ uns vorsetzen, hinzunehmen. Take your bella soma, guys !

Als weiteren, erhellenden Punkt, der vielleicht ein wenig meinen Eindruck stützen mag, dass unsere Republik massiv verändert wird, sei einmal der Zustand der CDU angeführt. (Die EKD ist praktisch bereits seit 1945 auf dem Weg, eine Vorreiter-Organisation linker Welt-„verbesserung“ zu werden, also führe ich diese selbstverständliche Beobachtung hier nicht extra an.) Diese einstmals wertkonservative, auf einem christlichen Welt- und Menschenbild fußende Partei ist bereits seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auf dem Weg, der sie heute in die vollkommene Entstellung, in die Unkenntlichkeit geführt hat. Man kann ja keine wirklichen Positionen oder Ziele der Merkelschen Machtmaschine mehr ausmachen, aber jedermann kann so ziemlich alles auf diese vollkommen leere Leinwand projizieren, weshalb dieser konturlose Haufen auch tatsächlich immer noch brauchbare Wahlergebnisse einspielt. Wie auch immer: bereits Mitte der 80er Jahre gab es den grundlegenden Konflikt innerhalb der CDU, ob sie eine wertkonservative, christlich ausgerichtete Partei sein wolle, oder sich zum Ideal einer „liberalen Großstadtpartei“ hin öffnen solle. Damit war vor allem eine Befassung mit „modernen Themen“ und das „Neudenken“ von bisher als fest im Parteiprogramm verankerten Grundsätzen gemeint. Die Öffnung zu einem vermeintlich „weltoffeneren, liberalen Bürgertum“ und zu dessen vermutlicher Erfahrungswelt hin sollte der CDU eine breitere Wählerbasis in scheinbar schwierigen Zeiten verschaffen. Dass dabei einige knallhart-konservative Top-Leute aus den Führungsriegen geschossen und deren Wähler zumindest langfristig vergrault wurden, nahm die CDU damals schon achselzuckend in Kauf. Dann kam die unerwartete Wende, die Wiedervereinigung und die Union, deren „rechter“ Flügel, der während der 80er immer kleiner und unbedeutender geworden war, aber dennoch an der Einheit Deutschlands als Ideal festgehalten hatte, fühlte sich bestätigt. Während die „Liberalen“ in der Union sich selbstzufrieden zurücklehnten und die Früchte der Kämpfe mitteldeutscher Bürgerrechtler einstrichen.
Und dann kam die „Rache der DDR“, die Merkel – CDU. Zunächst einmal machte Frau M. sich daran, alle wirklich eigenständigen Denker und Charaktere, die in der Union noch verblieben waren, zu entmachten und herauszudrängen (einige Ex-CDU/CSU-ler engagieren sich z. Bsp. heute nicht ohne Grund in Bürgerbewegungen, die oft zu Unrecht als „rechtslastig“ wahrgenommen werden…). Dies jedoch völlig, ohne ideologische oder sonstige, weltanschauliche Linie erkennen zu lassen. Als dies erreicht war, machte sich die CDU dann auf die Suche nach „neuen Inhalten“, die verdächtig der „liberalen Großstadtlinie“ von einst ähnelten, jedoch um einige, gerade in der öffentlichen Diskussion stehende, aktuelle Themen ergänzt wurden.  Mittlerweile ist es soweit gekommen, dass die Union sich von der politischen Linken durch Medien, Parteien und „pressure-groups“ die Themen und noch mehr die Ergebnisse innerparteilicher Diskussionen vorschreiben lässt. Die kleine, kraftlose Gruppe der „Aktion Linkstrend stoppen“ darf dabei als unbedeutend und völlig einflusslos außer Acht gelassen werden.
Äußern Sie sich heute mal auf einer kommunalen CDU-Parteiversammlung in …. egal in welchem Bundesland…. dahingehend, dass Sie die Homo – Ehe aufgrund biblischer Prinzipien nicht als gleichwertig zur auch durch das Grundgesetz besonders geschützten Ehe zwischen Mann und Frau ansehen. Dann werden Sie sehen, was passiert. Im besten Falle wird man ihnen verschämt zustimmen, aber gleich danach vollmundig verkünden, dass man „das heute so nicht mehr öffentlich sagen könne“. Schlimmstenfalls wird man ihnen mit den üblichen, banalen Zeitgeist-Floskeln, die den Hexenküchen der Links-Extremen entstammen, den Mund zuzukleistern versuchen. Ähnliches gilt auch für andere Themen. In der Union haben heute Leute das „Parteibuch“ (das bereits in den 80ern eine Plastik-Karte war…), die man vor weniger als einer Generation noch als Grüne oder linke SPDler hätte auftreten sehen und niemals akzeptiert hätte. Danke, Frau Merkel ! Für das Hinterherhecheln hinter den Zeitgeist-Themen der Linken, das der Union endgültig jegliches, wertkonservatives und nachvollziehbares Profil geraubt hat. Ihr „Pragmatismus vor Angreifbarkeit“- Dogma hat diese Republik einer wahrhaft bewahrenden, politischen Kraft beraubt. Ob man heute SPD oder CDU wählt, das haben spätestens die Koalitionsverhandlungen der „Großen Koalition“ wieder gezeigt, ist eigentlich einerlei. In den großen Linien des „Wohin mit diesem Land“ stimmen sie schon seit Jahrzehnten überein. Die wenigen Details, wo man Uneinigkeit zumindest vortäuscht, sind meist im großen Rahmen bedeutungslos. Wir werden also de facto bereits seit Jahrzehnten von einer SPCDUD oder so regiert. Und sei es nur dadurch, dass die Union keine eigenen Themen mehr setzen kann, weil sie dann sofort die Medienmeute geschlossen gegen sich hätte. Die Spielräume werden halt enger…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29/01/2014 von in Zeitgeist, Zustand der Nation und getaggt mit , .
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