Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

die künstliche Kontroverse: Wissenschaft vs. Glaube

Heute mache ich mir mal wieder „Luft“ in einer Angelegenheit von philosophisch-eschatologischer Relevanz. (Haha, ich kann auch diesen ganzen pseudo-Intellektuellen Nonsens-Lingo. ) Was mir wirklich langsam aber sicher gehörig auf die Fussnägel tritt, ist diese ganze, künstliche Kontroverse um „Wissenschaft gegen Glaube“. Sie hat mittlerweile längst die Intellektuellen-Zirkel und die akademische Diskussions-Welt verlassen und wird bis in unsere simpelsten Unterhaltungsmedien hinein forciert. Das halte ich für Quatsch und so überflüssig wie ein Bidet auf dem Herrenklo.

Das mittlerweile in unserer Gesellschaft weitgehend etablierte und als „das ist eben so“-Wahrheit beinahe zum Dogma erhobene Narrativ geht ungefähr so: Wer gläubig ist, wer einer Religion (speziell dem Christentum) angehört, lehnt die Wissenschaft ab, ist intolerant, rückwärtsgewandt, engstirnig und zutiefst verunsichert ob der Realität des Lebens; er benutzt irrationale, religiöse Regeln als mentale Krücken, um zu überleben.
Umgekehrt funktioniert diese „Logik“ (Ironie !) auch: Wer sich mit Forschung und Wissenschaft befasst, ist atheistisch, verabscheut jegliche Religion, hasst die Idee, dass Menschen ihr Schicksal nicht komplett selbst unter Kontrolle haben, ist oberflächlich und egoman….

Sie werden es bemerkt haben, liebe Leser, beide Argumentationslinien greifen eigentlich zu kurz, werden aber dennoch in Medien, in der Politik und Wirtschaft bis zum emotionalen Exzess vertreten, verfochten und verteidigt. In unzähligen Foren streiten sich Atheisten und Christen beispielsweise darüber, wessen Weltanschauung nun „logischer“ oder „sinngebender“ sei. Ich persönlich denke, die Zeit, die viele auch meiner Bekannten damit verbringen, ihre „atheistische“ (oder umgekehrt ihre Glaubens-) Einstellung zu verteidigen (zumeist ohne vorher „angegriffen“ worden zu sein !?) und die Überzeugungen ihrer Gesprächspartner nicht nur zu hinterfragen, sondern als „schwachsinnig“ bzw. „unlogisch“ abzuqualifizieren, ist vertane Zeit. In meinem persönlichen Umfeld (virtuell ebenso wie physisch) hat das bereits von Zeit zu Zeit Ausmaße angenommen, die an einen Kindergarten erinnern. Da versuchen sich eigentlich friedliche, nette Mitmenschen plötzlich über Andere zu erheben, indem sie ihnen ihren Glauben absprechen und zu einer Krankheit erklären bzw. ihren Glauben zum Nonplusultra zu erklären und der Wissenschaft jegliche Relevanz abzusprechen. Das ist letztlich in beiden Richtungen nur so etwas wie ein „du-bist-doof“ Fingerzeigen wie im Kindergarten.Die Argumente bewegen sich auch oftmals auf dementsprechendem Niveau.

Überzeugte Atheisten, vor allem die „fanatischen“, die sich permanent dazu berufen fühlen, Gläubige davon überzeugen zu müssen, dass sie minderwertige Menschen sind, werden sich niemals davon überzeugen lassen, dass die physische, erfahrbare, quantifizierbare und berechenbare Welt nicht alles sein soll. Ihr Weltbild lässt gar keine andere Erklärung zu, als dass der Mensch als solches vollkommen ist und somit auch bis ins Letzte in der Lage, durch wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und materiellen Fortschritt, sein Leben einem möglichen „Optimalzustand“ entgegenzuführen. Eine Diskussion erübrigt sich, weil dieser Menschenschlag eben keine „Antennen“, wenig Empathie für Andere und kein intuititives Verständnis dafür hat, dass der Mensch, so besonders er im Rahmen der evolutionären Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten auch sein mag, eben doch im Rahmen eines Kontextes, einer Entwicklung, im Rahmen von Parametern existiert, die er nicht selbst geschaffen hat und nur sehr bedingt kontrollieren kann.

Diese „Relativität“ menschlicher Existenz führt eben viele Menschen, nicht nur die Ungebildeten, Uninformierten und Ängstlichen dazu, auf eine Suche zu gehen. Auf die Suche nach dem „Was könnte denn jenseits des Physischen sein ?“. Man nannte das wohl zeitweilig die „spirituelle Suche“ oder auch „Sinnsuche“. Wenn man dann irgendwann erkennt, dass der Verstand nur bedingt in der Lage ist dieses „jenseits des sinnlich-Erfahrbaren“ zu eröffnen, dann kommen viele Sucher auf den Weg von Drogen, Meditation oder Ähnlichem, um die Rezeptoren für das „Übersinnliche“, das Jenseits des Physischen Liegende zu entwickeln oder zu öffnen. Manch anderer findet dann eben Gott, ganz ohne chemische Hilfsmittel oder Räucherkerzen. Da sind wir übrigens wieder bei der „Gibt es Gott und wenn ja, kann man seine Existenz beweisen ?“ – Diskussion, aber das vertiefe ich an dieser Stelle nicht.

Nun, Sie haben es mittlerweile sicher herausgefunden, ich selbst komme von einer tiefen Glaubensbasis aber ich lasse mir grundsätzlich nichts vorschreiben. Weder, ob ich die Evolution für korrekt oder unkorrekt halten soll noch ob ich für oder gegen Abtreibungen zu sein habe oder ähnliches. Nennen Sie mich einen geistig „unabhängigen Christen“, wenn Sie unbedingt eine Schublade benötigen, in die Sie meine Gedanken packen wollen. Dies vorausgeschickt, sei aber auch gesagt, dass ich Verständnis für die entspannten und diesseits-zugewandten Atheisten habe, die es satt haben, permanent mit religiösen Dogmen konfrontiert zu werden und ständig von Christen, Muslimen oder Buddhisten mehr oder minder direkt dazu aufgefordert zu werden, ihre Positionen zu verteidigen. Das nervt, das bringt beiden Seiten zumeist keinen Erkenntnisgewinn, zumal die hinter solchem „Gedankenaustausch“ stehenden Intentionen zumeist keine guten und friedlichen sind. Und es sei noch einmal ausdrücklich betont: Wissenschaft und Fortschritt sind gut ! Es kommt nur darauf an, was man aus den Erkenntnissen der Forscher macht ! In welchen, auch ethischen, Kontext man sie stellt und wie man sie aufgreift. Nicht alles, was die Forschung zutage fördert, ist eben gleich der angemessene Anlass für eine „Werte-“ oder „Glaubensdiskussion“.

TBBTcastAlso, zurück zum Thema. Diese Kontroverse zwischen „Wissen“ und „Glauben“ hat Eingang in die Alltagskultur gefunden. Selbst in witzigen Unterhaltungsformaten des TV hat sie ihre Spuren hinterlassen und zumeist wird leider einseitig zu Gunsten von „Wissen“ Partei ergriffen. Als Beispiel seien hier mal die zwei beliebten TV-Serien „the big bang theory“ und „orphan black“ genannt, in denen diese Positionen sozusagen „personifiziert“ werden. Persönlich gesagt, muss ich anmerken, dass ich TBBT sehr gut finde und viel über die Charaktere und ihre Interaktionen miteinander lachen kann. Nur die Darstellung der „intoleranten, nicht politkorrekten und provinziellen“ Christin „Mary Cooper“ durch die Schauspielerin Laurie Metcalf geht mir gehörig auf die Nerven. Hier wird das Stereotyp, das wir schon von den „Simpsons“ her kennen (Ned Flanders) weitergesponnen, aber nicht im Geringsten sympathisch gemacht. Man kann Charaktere wie „Mary Cooper“ oder „Ned Flanders“ (gibt sicher auch deutsche Rollen, die das hergeben, nur schaue ich keine deutschen Serien) auch als direkte Attacken auf ein vermeintlich engstirniges, religiöses Umfeld verstehen. So differenziert wird das aber vom Zuschauer sicher nicht wahrgenommen. Lediglich die Verachtung für Dinge wie Kirche, Christentum und Christen bleibt hängen. Und das stört mich. „Orphan Black“ folgt mit dem Charakter der „Elena“ und des „Thomas“ wieder genau dieser Linie, dass „Science“ (Neolution) gegen religiösen (natürlich christlich motivierten) Fanatismus gestellt wird.

Gerade „die Amis“ (schon wieder eine Verallgemeinerung, die mich nervt, aber das müsste schon ein anderer Artikel werden) haben es sonst eigentlich so schön drauf, in ihren TV-Formaten Charaktere zu erschaffen, die vielschichtig sind, die uns berühren und mit denen wir eine emotionale Verbindung aufbauen können. Nur die Christen tauchen eben vor allem als billige, flache und vor allem negative Abziehbilder in den beliebtesten TV-Unterhaltungsformaten wie den o. g. auf. Sicher gewollt und bewusst so intendiert. Mir ist das zu billig. Zu sehr dem gültigen politkorrekten Zeitgeist-Narrativ hinterhergehechelt. Man kann Christen auch anders darstellen. Realistischer, witziger, weltoffener, weil genau so habe ich sie in den Gemeinden, die ich in den letzten Jahren besucht habe, erlebt. Nicht jeder Mensch, der regelmäßig einen Gottesdienst besucht, hält die Evolutionstheorie für „Teufelszeug“, ist fanatischer Kreationist oder plant heimlich einen Bombenangriff auf die nächstgelegene Abtreibungsklinik, wie es uns gerade die US-Medien oftmals weissmachen wollen.

Zumal Bombenangriffe ja, wir wissen es nicht erst seit den Marathon-Bomben von Boston, ja eher einer anderen Religion zugeordnet werden müssen. Aber darüber darf man schon gar nicht reden, ohne sich diverse Hassparolen anhören zu müssen. Erstaunlich, dass die übelsten Religionkritiker oftmals eben nur auf die Anhänger des „Friedensfürsten“ einschlagen, die Nachfolger des „Schwert und Blut“ – Propheten aber aussparen. Auch hier wieder scheint sich der Mut, die Zivilcourage sehr zu relativieren.

Wie auch immer: die grundlegende Kontroverse zwischen Wissenschaft und Religion sehe ich als Ablenkungsmanöver, als unnötigen Zeit- und Fokusverlust an. Zumal bedeutende Wissenschaftler, wie der vor einigen Jahrzehnten verstorbene Astronom Carl Sagan beispielsweise, tiefgläubige Menschen waren, die in ihrer Person alleine bereits diesen scheinbaren Widerspruch aufgelöst haben. Auch der von fanatischen Atheisten Marke Dawkins immer gerne angeführte Immanuel Kant, dessen Definition von „Aufklärung“ oft als Begründung für die Ablehnung Gottes herhalten muss (Stichwort: „selbstverschuldete Unmündigkeit“), hat die Existenz oder die Möglichkeit der Existenz Gottes niemals geleugnet oder zu widerlegen versucht. Am treffendsten hat es aber wohl der Physiker Werner Heisenberg ausgedrückt und deshalb möchte ich diese Gedanken auch mit seinen Worten beenden. Zumindest werden ihm diese Worte zugeordnet:

Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

Hoffentlich machen meine vielleicht etwas ungeordneten Gedanken zu diesem Thema für Sie, liebe Leser, dennoch ein wenig Sinn.

höflichst, Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14/01/2014 von in Kultur, Zeitgeist und getaggt mit , .
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