Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

ein paar Sätze zum Patriotismus

Vor kurzem sah ich mal wieder im TV (liebe Langzeit-Leser meines Blogs, Sie wissen ja, ich bin ein TV-Dauerkonsument, sorry) eine meiner Lieblings- TV-Serien aus dem Land der „stars and stripes“, den USA. Dabei fiel mir etwas auf, das mich seit Längerem umtrieb, ich aber bislang noch nie wagte, in Worte zu fassen. Versuch macht „kluch“ (autsch, ein Horror-Reim, mea culpa) und deshalb hier ein paar Gedanken zum Thema „Patriotismus“:

GermanyFlaggeJa, ich gestehe es offen, ich beneide die „Amis“ um nicht viel. Sicher nicht um ihren lahmarschigen Präsidenten, den von unseren, deutschen Medien (die sich heute dafür schämen) einstmals hochgeloben „Heilsbringer der internationalen Zusammenarbeit“ und für NICHTS mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Herrn Barrack Hussein Obama. Nein, bitte, liebe Feinde des freien Wortes, spielen Sie jetzt nicht die Rassenkarte. Ich denke, dazu habe ich an anderer Stelle genug geschrieben. Der Moment, in dem mir ein angeblich wohlmeinender Bekannter unterstellte, ich sein ein Rassist, weil ich Obamas Außenpolitik kritisierte, ist mir zwar noch in widerwärtiger Erinnerung, aber das soll jetzt nicht das Thema hier sein. Nein, ich beneide die Bürger der USA nur um wenige Dinge. Zum Einen um American Football auf den Hauptsendern zur besten Sendezeit während der Saison und vor allem…

…um die Tatsache, dass offen gezeigter Patriotismus in den USA kein Tabu, kein soziales Ausschlusskriterium ist, wie hierzulande. Das Zeigen der Flagge an Feiertagen, das Respektieren der Truppen, die im Auftrage des Staates die Sicherheit innerhalb und außerhalb der USA befördern sollen und das überzeugte Einstehen für den „American Way of Life“ sind im Lande hinter dem „Großen Teich“ keinesfalls gesellschaftlich völlig verpönt. Und nicht nur provinzielle, ungebildete Rednecks aus der Wohnwagen-Siedlung (wie es uns manch extrem links angehauchtes Programm auch im US-Unterhaltungsfernsehen suggerieren will) sprechen den Fahneneid, ohne sich dafür zu schämen, sondern auch liberale, großstädtische Intellektuelle haben ihr eigenes Verständnis davon, was „America“ für sie bedeutet und wofür es einstehen sollte. Ihr Patriotismus mag etwas weniger emotional und eher intellektuell daherkommen, deshalb ist er nicht weniger real und respektabel. Diese Art zu denken ist uns Deutschen leider völlig fremd.

Sie ist uns vermutlich seit 1968 systematisch aberzogen worden. Patriotismus darf heute nicht mehr auf die Nation bezogen werden. Lokal-Patriotismus im Sinne von „ich bin Rheinländer“ oder „Wir Schwaben sprechen kein hochdeutsch und sind stolz drauf“ wird zwar zu politischen, werbe-wirtschaftlichen, propagandistischen und publizistischen Zwecken gerne mal gefördert. Auch die Mundarten des Deutschen, die ja z. T. fast an eine Vergewaltigung einer Kultursprache grenzen, gehören zum gerne gepflegten, öffentlich goutierten Kulturgut. Sobald die emotionale Bindung sich aber an mehr als die Region (und übrigens an weniger, als das zum Nirwana deutscher Politiker hochstilisierte Europa) festmacht, gilt man als suspekt. Vielleicht gar als „Nazi“. Wer z. Bsp. wie ich selbst es sich zur Regel gemacht hat, beim Ertönen der deutschen Nationalhymne vor Sportereignissen aufzustehen und die Hand aufs Herz zu legen, im stillen Kämmerlein sogar das „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mitzusingen, der wird schon seit Jahr und Tag belustigt bis angewidert angesehen. Der gilt in Deutschland als nicht ganz richtig im Kopf, zumindest aber als etwas sonderbar. Wer Schwarz-Rot-Gold, und sei es als Besucher eines Fussball-Länderspieles, anlegt, eine kleine Fahne am 03. Oktober aus dem Fenster hängt oder im Bekanntenkreis mal locker den Gedanken fallen lässt, dass er oder sie sich nicht für Deutschland schäme, jedenfalls nicht aus den üblichen Gründen, der muss heutzutage oft schon mit mehr als einem Kopfschütteln rechnen.

Vom Verlust langjähriger Freundschaften über böse Blicke bis zu den scheinbar unvermeidlichen „Du Nazi-Schlampe“-Sprüchen ist heute alles drin. Mit Fakten kann man da nur noch wenig ausrichten, wie ich erfahren habe. Das allmächtige Kartell aus Medien, Bildungsinstituten und Politikern hat uns seit Jahrzehnten darauf konditioniert, beim Thema „Schwarz-Rot-Gold“ abzuwinken, den Patriotismus zum Tabu-Thema zu machen. Dass gerade Schwarz-Rot-Gold für den Kampf um Freiheit steht, dass es die Farben des Lützow-schen Freikorps im Kampf gegen den Usurpator Napoleon waren, das scheinen die (Mittel-)“Europäer“ unserer Tage ihren Vorfahren bis heute nicht verziehen zu haben. „Ach, wie fein wäre es doch, wenn Deutschland im Europa Napoleons aufgegangen wäre, statt den nationalen `Sonderweg´ zu gehe, der uns zu Hitler geführt hat.“ In Politik, Historienwissenschaft, Publizistik und Kirchen herrscht diese Art zu denken vor. Lützow und die Freiheitskämpfer von 1813 als nachträgliche Spielverderber der Selbstaufgabe sozusagen. Deshalb hat man im „Land der Deutschen“ auch das zweihunderjährige Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig auch nicht groß gefeiert. Da hilft es auch nix mehr, dass Schwarz-Rot-Gold auch die Farben der Demokraten von 1848 waren. Ihr Kampf um nationale Einigung und Selbstbestimmung, um Demokratisierung des politischen Lebens, zur Einschränkung von Fürstenwillkür usw. wird heute nur noch verbal gewürdigt. Ihr Patriotismus wird jedoch de facto mit Füßen getreten.

flaggen-usa22Solche Probleme mit ihrem nationalen Selbstverständnis haben die Amis nicht und deshalb beneide ich sie tatsächlich zutiefst. Nein, nicht jeder Auswuchs von „Red-White-and-Blue“-Hurra-Jubilität finde ich geschmackvoll oder berechtigt. Gerade die langlebigen Vorurteile gegenüber meinem Land, die in so absurden Dingen wie dem Plakat „Defeat the Huns“ (besiegt die Hunnen) während eines Fussball-Länderspiels zwischen den USA und Deutschland im Jahr 2013 ihren Ausdruck finden, halte ich für so überflüssig wie ein Schönheitspflaster für Renate Künast. Sie als Auswüchse eines übersteigerten Nationalismus ohne echte Selbstreflexion einzuordnen dürfte nicht schwerfallen. Aber Nationalismus ist eben nicht gleich Patriotismus, wie uns die Linksintellektuellen (nicht mal zu Unrecht) in den USA des öfteren glaubhaft versichern. Auch die vermeintlich weniger nationalgesonnenen Hochgebildeten sorgen sich oftmals um ihr Land, um dessen Ansehen in der Welt um dessen innere Verfassung. Auch wenn ich mit vielen von ihnen wenig inhaltliche Gemeinsamkeiten haben mag, kann ich dies immerhin verstehen und mit ihnen teilen.

Ich höre schon wieder die ewigen Schwarzmaler schreien: „Aber gerade Deutschland mit seiner Nazi-Vergangenheit und dem Holocaust und ….“ Puh, also muss ichs wohl tatsächlich auf mich nehmen, das Offensichtliche en Detail noch einmal herauszustellen: Nein, die Nazis waren keine Patrioten. Sie hatten für dieses Land nix Gutes im Sinn und vor allem waren sie kein bischen „Schwarz-Rot-Gold“. Ihr Anführer war ein Österreicher, ihre Farben waren das alt-kaiserliche Schwarz-Weiß-Rot und ihre Ideen waren von einem osteuropäischen Judenhass durchsetzt, der einem echten Deutschen den Magen umdreht. Sorry, für meine oftmals „rohe“ Ausdrucksweise, aber lieber einmal deutlich formuliert, als jahrelang missverstanden. Aber aus lauter Angst davor, wieder in die Barbarei der NS-Jahre zurückzufallen, wird heute jeder echte Patriot mit dieser Freakshow aus Braunau ins selbe Boot gesetzt. Dies hat längst pathologische Züge angenommen. Ein Widerstandskämpfer wie Claus, Graf Schenck von Stauffenberg, dessen letzte Worte vor dem Erschießungskommando als „Es lebe das Heilige Deutschland !“ kolportiert werden, wäre für unsere halbgebildeten, aber voll verantwortlichen Idioten an den Schaltstellen von Medien, Politik und Bildungsstätten wohl unzweifelhaft ein Nazi. „Heiliges Deutschland“, wo kommen wir denn da hin ? Auch hier wieder wird heute wohl dem Namen, nicht aber dem Geiste des Widerstandes gehuldigt. Denn bei aller Pathetik der Wortwahl, ist der Kern der Besorgnis letztlich auch in diesem Ausruf des zu Recht mit unzähligen Straßen-Namen und Schul-Benennungen geehrten Attentäters vom 20. Juli 1944 zu erkennen: die eigene Sorge um den Fortbestand und die Handlungsfähigkeit der Nation, die das Volk wenige Jahre zuvor nur allzu gerne an den „Gröfaz“ abgetreten hatte.

Sieht außer mir noch jemand den Widerspruch darin, den Widerspruch z. Bsp. zwischen Stauffenberg und den  „Antifaschisten“ unserer Tage, die noch niemals einer echten Diktatur und ihren Schergen gegenüberstanden ? Vermutlich nicht, wenn ich mir diverse „Bildungsformate“ im TV anschaue, Zeitungsartikel zweifelhafter Seriosität lese o. ä. Da wird lieber die Vergangenheit im Sinne der heutigen Gegenwartsideologie (nachhaltiges Multi-Kult-Euro-Nirwana) zurechtgebogen und -gelogen, als dass im besten, sprichwörtlichen Sinne „die Flamme“ der Vergangenheit weitergegeben würde, ohne die Asche mitzunehmen. Ich möchte wie einst der Maler Max Liebermann oft mehr „Kotzen, als ich gegessen habe“.
In jedem Falle setzt hier meine Bewunderung für Länder wie die USA ein (auch für andere Staaten, aber das soll heute mal nicht auch noch Thema werden): sie stehen zumeist für ihre Vergangenheit ein, die ja nun weißgott auch nicht nur „Eitel-Sonnenschein“ war. Themen wie Rassismus, Verdrängung der „native Americans“, Prohibition und Gangster-Unwesen, Korruption in Wirtschaft und Politik etc. können und sollen sogar offen diskutiert, geistig durchdrungen und selbst alltagskulturell aufgearbeitet werden (wer erinnert sich nicht an diverse Mafia-Filme oder ähnliche Sachen ?). Dies weitgehend ohne Tabus (ja, ja, ich weiss, die „political correctness“ kommt aus den USA, aber da hat sie auch ihre schärfsten Kritiker) und falsche Rücksichtnahmen auf „Heilige Kühe“. Selbst Gründervater Thomas Jefferson, der in den 51 Staaten sonst gerne zum Säulenheiligen hochgejubelt wird, darf als Sklavenhalter und Ehebrecher heute offen kritisiert und hinterfragt werden. Dennoch sind die Leute, die dies tun nicht weniger amerikanisch, nicht weniger patriotisch, als diejenigen, die ihrem Bemühen skeptisch gegenüber stehen.

Kurz gesagt: auf dem Boden der Demokratie, der in den USA eben fester fundiert zu sein scheint, als hierzulande (auch das eine höchst hinterfragbare These…) können Patrioten unterschiedlicher Meinung sein, aber sie arbeiten am Wohl ihrer Nation, so wie sie es sich vorstellen. In unserem Land arbeiten die „Eliten“ hingegen mehrheitlich an der Auflösung der Nation in einem schwer definierbaren „Öko-Regionalismus-Gender-Nirwana-Europa“, das, wenn man mal ehrlich ist, ungefähr so viel Appeal (ich sage jetzt nicht „Sexiness“) hat, wie ein schimmliger Tafelschwamm in der Grundschule.
Und eben deshalb freue ich mich für die Amis, wenn in ihren TV-Unterhaltungsserien z. Bsp. zu Weihnachten den Truppen („Armed Forces“) gedankt und denen ein Frohes Fest gewünscht wird, die im Auftrage der Sicherheit der Nation unterwegs sind. Und eben deshalb ist das einzige Profisport-Team der USA, dem ich überhaupt einige Aufmerksamkeit widme, das der „New England Patriots“. Die hab ich mir ehrlich gesagt vor vielen Jahren wegen ihres Namens ausgesucht. Ganz bewusst.

In diesem Sinne, wie wär´s mal mit etwas heiterem, fröhlichem, unkompliziertem und unverkrampftem Patriotismus ? Nicht nur, wenn die Fußball-Nationalmannschaft spielt ?

Ihre

Kassandra Pugatshowa

P.S.:

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27/12/2013 von in Zustand der Nation und getaggt mit , , .
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