Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Ich bin niveaulos !

Ja, das habe ich nach typisch deutscher, langer „Selbstreflexion“ gerade herausgefunden. Oder jemand hat es mir gesagt, ich weiss nicht mehr so genau, :-). In jedem Falle bin ich niveaulos.

220px-Aias_Kassandra_Louvre_G458Ja, meine Scham ist grenzenlos und ich erwäge jetzt den Weg ins Kloster, um mich von meinen Versündigungen am feinen Geschmack und am Zeitgeist zu „reinigen“. Denn ich bin ja niveaulos,

  • weil ich lieber eine gut durchorganisierte Profi-Wrestling-Veranstaltung verfolge, als die unsäglichen Ergüsse des modernen Theaters. Selbst die Klassiker wie Schiller werden heute entweder nur noch politisiert oder so gewaltig optisch entstellt, dass ich mir diesen Käse für teures Geld nicht mehr antun mag. Für die gleiche Summe an Euros kann ich mir (ab und an sogar live, aber das ist sehr selten) einen lustigen, ein wenig ans „alte Rom“ erinnernden Muskelberg-Zirkus angucken, bei dem zwar jeder weiss, dass die Kämpfe abgesprochen sind, aber man dennoch, oder gerade deswegen, seinen Spaß haben kann. Rohe Gewalt, als „Gaudium“ für die Masse mögen zwar Pädagogen und „Feingeister“ für ausgesprochen verwerflich halten, mir als Anhängerin des sog. „kathartischen Effekts“ gefällt es aber seit Jahren sehr gut. Denn, auch wenn es sich Erziehungswissenschaftler und besorgte Volksvertreter sicher nicht vorstellen können, es ist so, dass ich trotz meines regelmäßigen Konsums solcher Shows (und auch noch von Boxkämpfen ! Au weia !) noch nie auf die Idee gekommen bin, meine persönlichen Differenzen und Streitigkeiten primär mit Fäusten oder „clotheslines“ auszutragen ! Die verbliebenen Reste meiner anständigen Erziehung durch meine (BEIDEN !) Eltern hindern mich daran.
  • weil ich Fussball ganz gerne mag. Nicht unbedingt mit dem „klassischen“ Bierchen auf der Couch, sondern auch durchaus mal nebenbei am Computer, während ich einen Artikel schreibe (im Moment läuft aber gerade American Football. Die Preseason in der NFL hat begonnen und mein Lieblingsteam testet heute…), aber dennoch: wenn die Nationalmannschaften (Damen wie Herren) spielen, stehe ich andächtig bei der Hymne vor dem TV und lasse bei jedem Tor für Schwarz-Rot-Gold die Rassel lautstark ihre Arbeit tun. Seit Jahren (seit ich 2006 zur WM diese Rassel erwarb ! Haha). Über meinen Lieblingsverein schweige ich mich mal aus, denn offen gesagt, bin ich mehr an den internationalen Wettbewerben interessiert, in die dieses Team wohl auch in 30 Jahren noch nicht eingreifen wird. Aber, wenn ich die Wahl habe, ob ich mir ein bischen Euro-League im TV gönnen soll, oder ein schöngeistiges Unterhaltungswerk unseres öffentlich-rechtlichen Demokratieabgabe-Fernsehens, dann ist die Wahl eindeutig.
  • weil ich Motorsport nicht für ein „gestriges, von männlichem Machismo geprägtes Vehikel der Autoindustrie“ halte, welches auch noch „unendlich viele Ressourcen verschlingt“. Stattdessen halte ich die meisten Sparten des Motorsports für ehrlicher, für einer ungeschminkten Konfrontation gegenüber offener, als sämtliche Polit-Talkshows oder Magazinsendungen im TV (beim Thema „Konfrontation“ bin ich auch schon wieder beim Profiboxen, aber das würde zu weit führen.). Wenn ein Sebastian Vettel keinen Bock hat, sich vorschreiben zu lassen, wen er überholen darf oder nicht, ist das mal ganz deutlich formuliert, offenerer Wettbewerb, als er auf den meisten Parteitagen unserer Volksparteien praktiziert wird. Nur deshalb ärgern mich auch die Wettbewerbsverzerrungen im Motorsport (Stallregie, Zusatzgewichte etc.) so sehr und ich schreibe dann darüber.
  • weil ich mir ganz generell von „Qualitätsmedien“ und den üblichen Verdächtigen in Gewerkschaften, Parteien oder Kirchen nicht vorschreiben lassen will, was ich zu denken oder zu fühlen hätte. Oder eben NICHT zu denken oder zu fühlen habe. Darin sind die oben beschriebenen „Tranmissionsriemen“ gesellschaftlicher Werte ja mittlerweile ganz besonders erfolgreich geworden. So darf ich beim Anblick einer von Brandstiftern abgefackelten Kirche in Garbsen bei Hannover (nein, ich verwechsle Niedersachsen nicht mit Ägypten oder Nigeria) ganz sicher KEINE Besorgnis über die abnehmende Pietät und den sinkenden Respekt vor überlieferten, religiösen Werten empfinden, SOLL aber ganz sicher Abscheu an den Tag legen, wenn ein geschmacksverirrter Zeitgenosse ein Schweinekotelett vor einer Moschee ablegt. So wird mir auch suggeriert, ich müsse einen „Kurt Krömer“ im ÖR-Fernsehen als „frech und provokativ“ gutheissen, ganz gleich, ob er einzig und allein auf unterirdischem Niveau seine Gäste beleidigt, oder nicht, ich darf aber ganz sicher keine Sympathien haben für eines seiner „Opfer“, weil der Publizist Matussek  ja ein böser „Pöbelkatholik“ sei. Anders formuliert: einen „Integrationsbambi“ für den arabischen Pöbel-Proll „Bushido“ (arme Japaner ! Dieser „Weg des Kriegers“ ist eigentlich eine ehrenhafte, seriöse Sache !) darf ich gut finden, die Tatsache, dass Heino seinen Bambi aus Protest gegen den nordafrikanischen Freund des mafiösen Abu-Chakr-Clans zurückgegeben hat, nicht. Soso.

Und deshalb, sowie aus vielen, vielen anderen Gründen mehr, bin ich niveaulos. Und finde das richtig gut so !

In diesem Sinne: Bestimmen wir unser Niveau selber, weil wir unsere Maßstäbe selbst festlegen und uns nicht von der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel oder den Grünen aufoktroyieren (ja, liebe Feinde, das Wort gibt es, lest den Duden) lassen !

Schönes Wochenende. Ich werde eines haben mit Motorsport, Boxen, Wrestling oder was immer sich so anbietet.

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10/08/2013 von in Zeitgeist und getaggt mit , , .
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