Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Why US-tv shows ?

Und schon wieder „begeistere“ ich Sie, liebe Leser, mit meinen tiefschürfenden Einsichten über die TV-Kultur diesseits und jenseits des „Großen Teiches“. 🙂 Wer also meinen bisherigen Ausführungen gefolgt ist, mag vielleicht auch diese sehr persönlichen Betrachtungen „voller Begeisterung“ verschlingen. Deshalb versuche ich auch, mich etwas knapper zu halten, als bisher…

fernseherAber mal wieder ganz ohne Ironie: ich habe mich tatsächlich in den letzten Wochen öfter mal gefragt, warum ich eigentlich TV-Serien aus den USA so viel lieber sehe, als einheimische Produktionen. Was spricht in meinen Augen gegen die Drehbücher, Darsteller, Produktionsfirmen oder die deutsche Muttersprache als Werkzeuge gelungener Fernseh-Unterhaltung in Serienform ? Eigentlich gar nichts. Dieses „eigentlich“ sagt aber bereits wieder, dass es die Produzenten deutscher Serien dennoch schaffen, aus all diesen Zutaten keinen für mich schmackhaften Mix zu machen. Auch viele TV-Sender haben auf den prominenten „prime-time“-Sendeplätzen nach 20.15 Uhr, wo sie sich die besten Quoten in den werberelevanten Zielgruppen ausrechnen, lieber die Top-Produktionen aus Übersee (ich rechne mal Kanada mit Serien wie „King“, „rookie blue“ oder „continuum“ gleich mal mit dazu), als deutsches Augen- und Ohrenfutter.

Natürlich rechnen die Sender mit knallharter Kante: eine Serie selbst zu produzieren muss sich im Vergleich zum „Einkauf“ der Senderechte in Nordamerika (oder Australien, Neuseeland, Südafrika, etc. was aber seltener vorkommt) schon sehr schnell rentieren. Einige Projekte in der Vergangenheit, speziell, wenn man einfach versuchte, US-Formate abzukupfern, haben sich denn auch im Vergleich zu den Originalen meistens nicht gut geschlagen, weshalb die TV-Manager natürlich das „Aufwand-Nutzen“-Verhältnis von Eigenproduktionen sehr genau vorherzusehen wünschen. Was natürlich, da sich das Konsumverhalten der Zuschauer nicht bis ins Detail hinein programmieren lässt, immer ein wenig der „Glaskugel“-Schauerei gleicht. Natürlich haben deutsche Serien bzw. Miniserien ihre Erfolge sowohl im Privat- als auch im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen gefeiert. Als Koproduzenten diverser Formate haben sich sogar die Sender selbst z. T. in die Produktion der Inhalte eingebracht, was ja legitim ist. Aber trotz allem muss jede in Deutschland produzierte Show erst einmal „besser“ sein, als ein zwar möglicherweise teurer, aber möglicherweise vielseitiger einsetzbarer Import aus Übersee.

Und dennoch kann ich ganz persönlich, nur aus meiner Warte gesehen, mit daily soaps, Unterhaltungsformaten und Familienserien made in Germany noch immer nix anfangen. Warum ist das so ? Weil ich als Kind der ersten oder zweiten TV-Generation in diesem Land eher „Maxwell Smart“ oder „Raumschiff Enterprise“ gesehen habe, als irgendwelche „Heideröschen“ – Geschichten o. ä. ? Ja, diese persönlichen Prägungen spielen wohl eine maßgebliche Rolle. Worauf man als Kind geeicht wurde, das legt man auch im fortgeschrittenen Alter nicht so leicht ab. Fragen Sie mal meinen in der Sowjetunion aufgewachsenen Nachbarn. Der kriegt immer noch tränenreiche Sentimentalitätsanfälle, wenn er an Stalins Geburtstag oder ähnliches Zeugs denkt. Ist mir nicht verständlich, aber meine Leidenschaft für die „Glotze“ und US-Serien versteht er eben auch nicht. 🙂

Aber es gibt noch andere, vielleicht nachvollziehbarere Gründe, warum US-Shows einfach „besser“ sind. Da wären in meinen Augen vor allem die Darsteller. Selbst in der finstersten US-soap, die ich mir nicht mal mit dem Allerwertesten ansehen würde, finden sich noch Schauspieler, die diesen Namen wert sind und die wirklich etwas können. Das Gleiche kann ich selbst von „hochwertigen“ ARD-Produktionen nicht immer guten Gewissens behaupten. Traurig, aber wahr. Seit einigen Jahren ist es nämlich in den USA nicht mehr „peinlich“ oder ein Karriere-Abstieg, wenn man selbst als ehemaliger „Top“-Star wieder zum TV geht. Erst unlängst hat z. Bsp. Liev Schreiber („the Manchurian Candidate“) die Hauptrolle einer Serie im US-Kabel-TV namens „Ray Donovan“ übernommen. Auch Lucy Liu („3 Engel für Charlie“) kehrte vor Kurzem wieder ins TV zurück und zwar mit der Serie „Elementary“ beim Network CBS usw. Die Durchlässigkeit für Film- und Fernsehdarsteller in beide Richtungen hat sich erhöht, der frühere „Makel“, wenn man „nur“ ein TV-Schauspieler war, ist stark aufgeweicht. Wer als US-Schauspieler-Promi zur „A“-Kategorie gehört, darf mittlerweile sehr wohl auch feste Rollen in dauerhaft angelegten Fernseh-Formaten übernehmen.

Diese klare Unterscheidung in „A“-Darsteller, die nur „großes Kino“ machen dürfen, und der „B“-Riege, die dauerhaft in TV-Formaten feststecken, gab es in Deutschland nicht in dieser Ausprägung. Wer gerade „gefragt“ war, durfte in beiden Medien kräftig absahnen und das halte ich auch für legitim. Die reine Anzahl der „Top“-Kräfte jedoch, die wirklich einen abendfüllenden Spielfilm tragen können, ist allerdings (den diversen Schauspielschulen und kunstbezogenen Hochschulen seis geklagt) nicht so sonderlich hoch. Da ist der „Überreizungseffekt“ dann schnell erreicht, wenn man bestimmte Gesichter wieder und wieder sieht. Sorry, aber ich verfolgte tatsächlich lieber die Karrieren diverser US-Darsteller, die von Serie zu Serie oder Film zu Film hüpfen, als die oft kurzlebigen Karrieren unserer Darsteller.

Aber auch die Skripte gefallen mir in manchen US-Serien einfach besser. Die Autoren, Producer und wer im Namen eines barmherzigen Gottes sonst noch Einfluss auf die Gestaltung von Handlungsbögen und Spannungselementen hat, haben eine große Erfahrung darin, „dem Affen Zucker“ zu geben, oder doch zumindest dem Publikum das zukommen zu lassen, was es will. Nicht immer gelingt das, diverse „Rohrkrepierer“ beweisen das, aber dennoch ist die hohe Professionalität, mit der in den Top-Serien die Figuren aufgebaut, entwickelt und in diverse Handlungen verstrickt werden, vorbildlich. Ich sitze manchmal vor dem Schirm und denke „wow, die Amis könnens einfach“, wenn mal wieder eine überraschende Wendung um die Ecke kam. Dasselbe kann ich bei deutschen Serien zumeist nicht sagen. Da ist wenig Überraschung dabei, da werden die allersimpelsten Klischees aus dem Hut gezogen und allerhöchstens die gerade gängigen Vorurteile bedient, die der Zeitgeist so vorgibt. Leider hat Letzteres auch in den USA bereits Einzug gehalten, darüber habe ich mich hier im Blog ja schon ausgelassen. Trotzdem ist der „erhobene Zeigefinger“, mit dem selbst in den gängigsten Unterhaltungsformaten aus deutschen Landen, dem Zuschauer allzuoft eine Lehre erteilt werden soll, meistens nur noch peinlich und hat nichts mehr mit Freude am Zuschauen zu tun. Man denke an die unsäglichen „ARD-Tatorts“ der letzten Zeit.  Solchen unverdaulichen Quark tue ich mir nicht mehr an. Dafür müsste man mich schon bezahlen ! Aber nein, die „Demokratieabgabe“ finanziert stattdessen diese Belehrung…

Also nur noch mal ganz kurz: die Schauspieler sind besser, die Skripte oftmals (nicht immer, leider) besser ausgearbeitet und mit der politkorrekten Belehrung haben die Amis gerade erst angefangen (Shonda Rhimes), während sie bei uns seit Jahren schon sozusagen zum „Basiswerkzeug“ diverser TV-Formate dazugehört (da fällt mir unwillkürlich der grand-daddy der Political-Correctness, die „Lindenstraße“, wieder ein). Ich schätze mal, wenn ich diese Dinge mit meiner persönlichen Prägung zusammenfüge, dann ist klar, warum deutsches TV bei mir einen schweren Stand hat.

In diesem Sinne wünsche ich allen TV-Junkies, die was auch immer gerne sehen, möglichst viel gute, niveauvolle Unterhaltung und verbleibe

Ihre

Kassandra Pugatshowa

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3 Kommentare zu “Why US-tv shows ?

  1. Fritz
    05/08/2013

    Es gab früher auch ein paar gute deutsche Serien, z.B. läuft mittwochs im SWR „Auf Achse“, mit Manne Krug und bemerkenswerten Gastdarstellern, wie z.B. Herbert Fux. „Der Fahnder“ wird auch in den Dritten wieder gezeigt, mit dem coolen Klaus Wennemann, der seinerzeit die Hauptrolle in „Das Boot“ hätte spielen sollen und nicht der langweilige Prochnow.

    Aber das war früher und selten.

    Die englischen Inspektoren kann man sich auch ansehen, Barnaby, Lewis, Lynley.
    Skandinavische Filme sind auch ansehnlich, ebenso französische, wie neulich der Kinohit „Beste Freunde“.

    Also nicht nur Hollywood ist besser als der GEZ-Schund, sondern eigentlich alle anderen, sogar auf dem Mond werden bessere Filme gemacht als von ZDDR und ARDDR.

    • Ja, danke für die Anmerkung. Meine „Bausch-und-Bogen“-Verdammungen sind natürlich immer extrem persönlich und manchmal sogar bewusst ein wenig darauf ausgerichtet, dass man mir argumentativ und sachlich widersprechen kann.

      Also nicht nur Hollywood ist besser als der GEZ-Schund, sondern eigentlich alle anderen, sogar auf dem Mond werden bessere Filme gemacht als von ZDDR und ARDDR.

      Leider wahr. Mit unserer „Demokratieabgabe“ machen die selbstherrlichen Medien-Ingenieure des „schönen, neuen Deutschland“ ja leider nix als Murks. Vor allem im Unterhaltungsbereich. Aber die Privaten sind ja nicht besser. Was die als „Informations“-Programme anbieten, sind oftmals plumpe „Öko-Sozialismus-Gender-Multikult-Islam“-Propaganda. Die einfachsten, sachlichen Argumente könnten diesen Quark entkräften, aber die will man ja (weil eine auf verschiedenen, fundierten Ansichten basierende „Diskurs-Kultur“ eben eine Sache „von gestern“ ist) nicht mehr hören. Also: wie man´s auch nimmt, über die „Demokratieabgabe“ (hüstel) oder den Konsum (Werbe-Etats diverser Unternehmen) finanziert man als Bürger die Lügen, die ÖR-Medien und Private uns erzählen in jedem Falle mit. Das ist so, als ob man die Drogen, die einem die Kritikfähigkeit und das individuelle, unabhängige Denken austreiben sollen, auch noch selbst einkauft.

  2. Hab mir gerade gedacht, ich geb hier mal meine derzeitige Lieblingsserie zum Besten. Mir gefällt derzeit „suits“ am besten. Nachdem man schon so viele Anwalts-Serien durch hat und eigentlich eine dümmer war als die andere (Ally McBeal, the Practice, Boston Legal, Harry´s Law…) geht´s bei „suits“ mal richtig zur Sache. Unfreundliche Firmen-Übernahmen, Erpressung, Bestechung, Mord und Korruption und vor allem Haupt-Charaktere, die Tacheles miteinander reden. Das oft ohne Rücksicht auf Gefühle und Verluste.
    Trotzdem fehlt auch die „Gefühls-Schiene“ nicht und es gibt auch etwas eye-candy, je nachdem, worauf man steht. Hier finde ich die Elemente mal in der „richtigen“ (na, ja, zumindest für mich) Mischung angeordnet. Der Humor kommt etwas zu kurz, aber das ist gewollt und passt gut.
    Also: ich empfehle, einfach mal die ersten paar Folgen suits zu sehen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Zwar möchte ich nicht Harvey Specter oder Jessica Pearson sein, aber ihnen zuzugucken ist sehr unterhaltsam.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 03/08/2013 von in Kultur und getaggt mit , , , .
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