Kassandrenrufe

"connecting the dots" – für mündige Bürger

Mein Bildschirm wird zum Öko-Gewissen…

Ja, ich muss es zugeben: ich bin wohl der letzte Mensch auf diesem Planeten, der für seinen Desktop-Computer einen Flachbildschirm gekauft hat. Da das alte Röhrengerät sehr langlebig war, gab ich dem Druck der technischen Innovation, so wie oft, erst spät nach. Wer es jetzt gut mit mir meinte, könnte sagen, dass ich so auch Ressourcen geschont und mich dem Druck der Konsumgesellschaft verweigert hätte.

BildschirmAber weit gefehlt. Der gesunde Menschenverstand reicht scheinbar nicht aus, er muss „angeregt“, ja geradezu mit der Nase drauf gestoßen werden, dass man als Bürger gefälligst „seinen Beitrag“ zu leisten (früher nannte man das „seine Pflicht tun“, aber dass ist den Priestern unserer Öko-Religion zu „preussisch“) habe. Denn jetzt passiert jedesmal, wenn ich meinen neuen Bildschirm einschalte, folgendes: ich werde daran erinnert, dass der „Super-Energy-Saving-Mode“ nicht aktiviert ist und ich heute „0,0 Bäume“ gerettet habe. Zunächst hielt ich das für einen Scherz oder einen geheimen, technischen slang. „Bäume retten“ könnte sich ja auch irgendwelche Einstellungen der Leuchtkraft oder des Kontrastes beziehen ? Nachdem ich diesen Gedanken mit irritiert zusammengezogenen Brauen verworfen habe, blieb mir nur noch, diese Ansage meines Flachbildschirms (ach, ja, ich vergaß: „flatscreens“, wir sprechen Techno-speak) für bare Münze zu nehmen.

Nun erwartet der Hersteller, dessen Name ich Ihnen hier erspare, da ich weder Pro- noch Antiwerbung machen will, dass ich also diesen ominösen „Super-bla-irgendwas“-Modus einstelle. Allerdings informiert mich das aufleuchtende Kästchen leider nicht darüber, wie und wo man diesen Modus findet und auch aktiviert. Da ich wie fast jeder andere Computer-Nutzer notorisch zu faul bin, ein auf Papier gedrucktes Handbuch zu lesen (wieviele Bäume hat eigentlich die Produktion dieser Handbücher gekostet ?) gebe ich irgendwann, nachdem ich minutenlang auf kleine, kaum zu findende Knöpfchen namens „Menu“ und „exit“ gedrückt habe, auf. Wird wohl nix mit der Rettung des Regenwaldes.

Mein schlechtes Gewissen wird mir jetzt aber durch einen Gedankengang überlagert, der in der Frage endet, warum wohl ein technisches Gerät dafür herhalten muss, den Nutzer zu manipulieren und zum „Super-Energy-Saver“ zu machen. Noch dazu in solch penetranter Art und Weise, die sich weder abschalten, noch wirklich übersehen lässt. Es gibt wohl kein Recht auf „Energieverschwendung“ mehr ? Offen gesagt will ich mich ja gar nicht über die Energie-Effizienz meiner technischen Geräte beschweren, auch wenn meine bisherigen Ausführungen dies vielleicht suggeriert haben sollten. Angesichts der in unserem Lande überstürzt, planlos und ohne Sinn und Verstand durchgeführten „Energiewende“ sind die Strompreise für Normalverbraucher wie mich so teuer geworden, dass ich mich über Gerätschaften nicht beschwere, die dazu beitragen, meine Stromrechnung am endgültigen Explodieren zu hindern.

Was mich aber wirklich nervt ist diese „Baum-Analogie“. Sie soll uns Computernutzern endgültig ins Gewissen reden, wie im „finsteren Mittelalter“ die Priester. „Hast du heute schon deine Sünden gebeichtet ?“ wurde im Zeitalter des Öko-Kultes nun durch „wieviele Bäume hast du heute schon gerettet ?“ abgelöst. Und wehe man verschließt sich dem Ruf des „flatscreens“, hinter dem der Ruf von Greenpeace, Grünen und Zeitgeist steckt. Haben Sie schon mal im Kindergarten ihres Nachwuchses skeptisch auf die Bemühungen reagiert, den Allerkleinsten das Mülltrennen beizubringen ? Der Sturm der Entrüstung (ach, ich vergaß: „shitstorm“ heisst das jetzt), den Sie damit auslösen können, kommt dem Stehen am mittelalterlichen Dorf-Pranger, wo man mit faulem Obst beworfen wurde, sehr nahe. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eigentlich wollte ich nur die Erzieherinnen dazu bringen, ihre eigene Verantwortung zu übernehmen und bei den Kindern ein Auge zuzudrücken, aber diese Inquisitorinnen des Nachhaltigkeits-Kultes haben das Wort „humorlos“ wohl tatsächlich erfunden. Sie verkörpern es jedenfalls perfekt. Nein, ich bin tatsächlich für Dinge wie „Mülltrennen“ (mache ich auch), Energiesparen, Wärmedämmung am Fenster etc. Auch ich habe beispielsweise keine Lust, für die kalte Winternacht mitzuheizen, nur weil der Wind durch die Ritzen pfeift.

Nur leider hat sich mittlerweile folgender Automatismus eingebürgert: Je mehr wir Privathaushalte Energie sparen, Wärme dämmen etc. desto teurer werden Strom und Heizung für uns. Der geringere Verbrauch wird von den städtischen Versorgern mit unschöner Regelmässigkeit durch höhere Preise für diejenigen „Abnehmer“ ausgeglichen, die kaum eine andere Wahl haben, als sie zu bezahlen. Die „Liberalisierung“ des Strom-Marktes hat hier ihre Grenzen, weil auch die „Billig-Stromer“ z. Bsp. ihre Kontingente bei Großproduzenten kaufen und sich dem Markt-Druck nicht verwehren können, ohne ihre Pleite zu riskieren. Die Großabnehmer der Industrie bekamen ja schon immer Sonderpreise, die werden sicher auch jetzt wieder irgendeine Sonderregelung mit den Kraftwerks-Betreibern aushandeln, da mach ich mir keine Sorgen. Aber für die Privathaushalte der kleinen und mittleren Abnahme-Mengen wird es eng. Und immer enger.

Wenn nun also schon mein Bankkonto nicht durch die Sparsamkeit entlastet wird (einige Experten vermuten gar, dass die Energiewende Marke Deutschland und der Ausbau der Strom-Übertragungs-Trassen massive Verteuerungen nach sich ziehen MUSS), dann muss sich das Energiesparen wenigstens im Gewissen lohnen. Mein Flachbild…ähhhh flatscreen wird mir dann vielleicht Absolution erteilen, wenn ich endlich irgendwann den misteriösen „Super-Energy-Save-Mode“ entdeckt und aktiviert haben sollte. Die hypothetische Zahl geretteter Bäume ersetzt dann die „Ave-Marias“, die man in der „alten“, der christlichen Religion vom Priester für die Sünden aufgedrückt bekam. Welche anderen Sünden darf ich denn begehen, wenn ich 2 von meinem flatscreen errechnete Bäume gerettet habe ? 🙂 Und nach welchen Kriterien errechnet dann bald mein neuer Kühlschrank die Anzahl der Tierarten, die durch meine Nutzung seiner Selbst nicht ausgestorben sind ? Ich möchte gerne mal die Algorithmen dafür sehen…

In diesem Sinne: sparen wir Energie, aber niemals an Witz und Verstand !

Eure

Kassandra Pugatshowa

P.S.: Habe gerade gelesen, dass der Auto-Hersteller BMW eine besonders Energie-intensive Fabrik für Kunstfaser-Teile in den USA bauen und damit dort Arbeitsplätze schaffen wird. BMW begründet (hinter vorgehaltener Hand natürlich, damit die Kanzlerin und der Seehofer nicht zu sehr ob der „Energiewende“ diskreditiert werden) diese Entscheidung hauptsächlich mit den hohen Energiepreisen in Deutschland. Also ist es wohl mit den „Rabatten“ für die Großindustrie auch nicht mehr so weit her, wie einst in Schröder-Zeiten. Das Benzin ist in den USA traditionell auch billiger, was der Laster-Flotte BMWs auch entgegenkommt (Thema: Logistik).
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/high_european_energy_prices_drive_bmw_to_us

Schön, dass Arbeitsplätze dort geschaffen werden und hier die Energiepreise „für alle“ zu steigen scheinen. Energiewende Marke CDUSPDFDPGRÜNE.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28/05/2013 von in Zeitgeist und getaggt mit .
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